„Eisenwegmäßig“ tut sich einiges in den Allgäuer Alpen: Die drei großen Klettersteige rund um das obere Allgäu haben klingende Namen, ziehen alljährlich tausende Ferrata-Fans in ihren Bann. Der wohl bekannteste, ganz sicher jedoch einfachste von ihnen ist der Heilbronner Weg, der die Rappenseehütte in 3 h Gehzeit mit der Bockkarscharte verbindet. So charakterisiert ihn „Klettersteigpapst“ Eugen E. Hüsler in seinem Klettersteigatlas Alpen: „Wer kennt sie nicht, die klassische ‚Haute Route‘ der Allgäuer Alpen? Generationen von Bergfreunden war sie ein Begriff, unzählige Nagelschuhe, Bergstiefel und Trekking-Boots haben den Weg kennengelernt, Steine rundgeschliffen. Und um die lange Leiter am Grat des Steinschartenkopfs, der den höchsten Punkt am Weg markiert, ranken sich kleine Legenden“. Man sollte ihn also einmal gemacht haben, am besten nach der Buszufahrt von Oberstdorf in die Birgsau und dem 3,5 – 4 h langen Hüttenaufstieg, mit Abstieg zum Waltenberger Haus und nach Einödsbach (4 h bis Birgsau) – aber wenn möglich nicht während der Hochsaison, denn da kommen viele auf diese Idee!

Der nächste in der aufsteigenden Reihung der technischen Anforderungen ist der schwierige Mindelheimer Klettersteig, die recht luftige Gratroute von der Fiderepasshütte zur Mindelheimer Hütte (3 h). Auch hier gibt es mitunter höchst lebhaften Betrieb. Bei der Überschreitung von vier Gipfeln und etlichen anregenden Eisenpassagen kommt keine Langeweile auf, auch der Zustieg vom Mittelberger Ortsteil Schwendle (2,5 – 3 h) und der finale Abstieg dorthin (1,5 h) sind landschaftlich sehr reizvoll. Unter Einbindung des Krumbacher Höhenweges lässt sich der Mindelheimer sogar in eine wunderbare Rundtour einbinden.

Im Norden der Allgäuer Alpen, zwischen dem Nebelhorn und dem Großen Daumen, schwingt sich der schwierige Hindelanger Klettersteig über die Gratschneide. Von der Bergstation der Nebelhornbahn „schwebt“ man etwa 3,5 h zwischen Himmel und Erde; Rückweg über das Koblat (1,5 – 2 h). Fast ein Kilometer Stahlseil wurde hier verbaut, insgesamt 100 Höhenmeter überwindet man auf Leitersprossen. Der nördliche Abschnitt des Hindelanger Klettersteigs, die Verbindung über die Hohen Gänge zum Breitenberg, fristet ein Dornröschendasein im Vergleich zu seinem seilbahnnahen Südteil. Ein Tipp also für Leute, die es ruhiger lieben: Aufstieg von Hinterstein (südöstlich von Bad Hindelang) durch die Hölle, Übergang zum Kleinen Daumen und Abstieg hoch über dem Engeratsgundsee Richtung Möslealpe (insgesamt 7,5 h).

Neben diesen Klettersteig-Stars findet man in den Allgäuer Alpen jede Menge kürzerer, meist eher einfacher Eisen-Passagen – etwa auf dem Bäumenheimer Weg, der von Hinterhornbach auf den Hochvogel zieht (4,5 – 5 h, Abstieg 3 h). Auch Gipfel der Nagelfluhkette wurden ein wenig in Eisen gelegt, so z. B. der Steineberg oder das Rindalphorn. Schließlich erwartet euch hoch über Warth ein kleines, aber feines Klettersteig-Bonbon: Von der Bergstation der Steffisalpbahn führt eine relativ kurze, aber nicht besonders schwierige und gut gesicherte Gratroute auf das Karhorn (1,5 – 2 h).