Klettersteiggehen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder: Auf einem Klettersteig können sich auch Bergfreunde und Wanderer, die keine oder nur wenig Klettererfahrung besitzen, an besonders ausgesetzte Wege und in senkrechte Felswände wagen und spektakuläre Aussichten genießen.

Als Klettersteig bezeichnet man im Allgemeinen einen mit Stahlseilen, Leitern oder Eisenstiften versehenen Steig, der nur mit Hilfe eines Klettersteigsets begangen werden kann. Im Gegensatz zum eigentlichen Klettern ist beim Klettersteiggehen der Routenverlauf bereits durch Drahtseil und Eisenstifte vorgegeben – das Suchen nach Griffen und Tritten entfällt in der Regel und ist nur an anspruchsvollen Stellen notwendig.

Alleine in den deutschen Alpen gibt es eine Vielzahl an Klettersteigen unterschiedlichster Schwierigkeitsstufen und Anforderungen.

Welche spezielle Ausrüstung benötigt man zum Klettersteiggehen?

Unverzichtbar für jeden Klettersteiggeher sind ein Helm, ein Klettergurt und ein Klettersteigset. Gab es bis vor einiger Zeit noch verschiedene Klettersteigset-Systeme, so hat sich inzwischen das System mit Bandfalldämpfer bewährt und durchgesetzt. Ältere Systeme sollten aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden. Generell sollte ein Klettersteigset, je nach Nutzungsintensität, nach einem, spätestens nach drei Jahren ausgetauscht werden. Übrigens: Nach einem Sturz kann ein Klettersteigset nicht mehr verwendet werden und muss unbedingt ersetzt werden!

Empfehlenswert sind ebenfalls spezielle Klettersteighandschuhe. Gerade bei älteren oder starker Witterung ausgesetzten Klettersteigen können die Drahtseile vor allem an den Enden häufig beschädigt oder aufgedreht sein – Vorsicht, hier besteht Verletzungsgefahr. Auch sonst können Klettersteighandschuhe Schutz und guten Halt bieten.

Warum aber in spezielle Klettersteighandschuhe investieren und keine normalen Handschuhe nutzen? Die Handschuhe müssen so ausgelegt sein, dass man möglichst viel Gefühl in den Fingern hat und die Kraft ideal übertragen werden kann. Zudem müssen sich die Sicherungskarabiner damit noch gut bedienen lassen. Je nach persönlichen Vorlieben gibt es Klettersteighandschuhe mit (teilweise) abgeschnittenen Fingerspitzen.

Richtiges Klettersteiggehen: Tipps für Anfänger

Auch wenn das Klettersteiggehen an sich grundsätzlich nicht schwer ist, sollte jeder Einsteiger in eine solide Grundausbildung investieren – am besten durch einen zwei- bis dreitägigen Klettersteigkurs bei einem staatlich geprüften Bergführer.

Sorgfältige Tourenplanung: Eine durchdachte und vor allem auch den eigenen Fähigkeiten und der Ausrüstung angepasste Tourenplanung sollten für jeden, der sich in die Berge begibt, selbstverständlich sein. Dazu gehört das Prüfen der Schwierigkeit des Klettersteiges, seiner Notausstiege und (alternativer) Zu- und Abstiege sowie der Wettervorhersage. Bei Gewitter dürft ihr niemals in einen Klettersteig einsteigen. Falls euch auf einem Steig ein Gewitter überrascht, verlasst diesen so schnell wie möglich.

Niemals stürzen: Das wichtigste Grundprinzip beim Klettersteiggehen sollte sich jeder Anfänger noch vor dem ersten Steig verinnerlichen. Niemals stürzen! Anders als beim Sportklettern, bei welchem Stürze dazu gehören, ist ein Sturz beim Klettersteiggehen immer ein Unfall. Das Klettersteigset ist somit auch keine Sicherheitsausrüstung, wie beim Sportklettern, sondern eine Notfallausrüstung: Sie verhindert im Falle eines Sturzes euren Totalabsturz.

Durchgehende Sicherung: Bei den aktuellen Bandfalldämpfer-Klettersteigsets müssen zwingend immer beide Karabiner eingehängt sein. Einzige Ausnahme ist das Umhängen der Karabiner. Die Eisenseile, an welchen die Karabiner eingehängt werden, sind in regelmäßigen Abständen mit Eisenstiften in der Felswand befestigt. Diese Eisenstifte verhindern im Falle des Sturzes, dass der Bergsteiger zu tief stürzt und sind – je nach Geländestruktur – drei bis zehn Meter voneinander entfernt. Sie erfordern jedoch auch das aktive Umhängen der Klettersteigkarabiner. Und hier ist es ganz besonders wichtig, immer zuerst den einen Karabiner umzuhängen (während des Vorganges seid ihr mit dem zweiten, hinteren Karabiner gesichert). Erst, wenn der erste Karabiner sicher am neuen Drahtseilstück hängt, könnt ihr den zweiten Karabiner vom Drahtseil entfernen und in den nächsten Abschnitt einklinken. Somit seid ihr zu jedem Zeitpunkt mit mindestens einem Karabiner gesichert.

Hin und wieder mag es verlockend erscheinen, beide Karabiner gleichzeitig umzuhängen, um Zeit zu sparen. Egal, wie sicher man sich jedoch fühlt – der Schein trügt: In der Regel sind es die kleinen, unscheinbaren Flüchtigkeitsfehler, die die schlimmsten Folgen nach sich ziehen, und auch gefährliche Fremdeinwirkung (z.B. Steinschlag durch Klettersteiggeher vor euch) sieht man oftmals nicht schnell genug voraus.

Partnercheck: Ob Anfänger oder erfahrene Profis – der Partnercheck ist Pflicht, keine Kür. Immer wieder zeigen Unfälle, dass es gerade bei erfahrenen Klettersteiggehern zu schwerwiegenden Stürzen kommt, weil die eigene Erfahrung in vermeintlicher Sicherheit wiegt und zu leichtsinnigen Taten hinreißen lässt.

Deswegen sollte man sich immer kurz gegenseitig abchecken, bevor es in den Steig losgeht:

  • Ist der Klettergurt korrekt angelegt? Sind alle Schlaufen geschlossen und eng genug?
  • Ist das Klettersteigset richtig angelegt? Passt auch hier der Knoten (i.d.R. Ankerstich)?
  • Helm auf, ggf. Klettersteighandschuhe an?
  • Erste Hilfe-Ausrüstung im Rucksack?
  • Letzter gemeinsamer Check von Wetter, Route und Zeitplan

Ausreichend Abstand

Auf dem Klettersteig selbst ist es wichtig, immer genügend Abstand zu lassen – zwischen zwei Fixpunkten darf sich immer nur eine Person bewegen. Sollte es einmal nötig sein, eine Person oder gar eine ganze Gruppe zu überholen, dann sind klare Absprachen, eindeutige Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme ganz besonders wichtig.