Nachdem im Frühjahr bereits die ersten Kletterhallen den Einsatz von sogenannten Tubes zur Sicherung verboten hatten, reagiert nun auch der Deutsche Alpenverein auf die steigende Zahl der Unfälle. Der DAV empfiehlt ab sofort den Einsatz von Halbautomaten beim Sportklettern in Kletterhallen und Klettergärten.

Die halbautomatischen Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung bieten einen klaren Sicherheitsvorteil gegenüber Geräten wie Tubes und HMS, die über keine Blockierunterstützung bieten. Letztere werden als dynamische Sicherungsgeräte bezeichnet und sind bei vielen Kletterern sehr beliebt. Die Handhabung der Geräte erfordert jedoch viel Routine und Kraft in den Händen.

Bei Halbautomaten benötigt der Sichernde nicht besonders viel Handkraft. Ein weiterer Vorteil ist die erwähnte Blockierunterstützung. In künstlichen Kletteranlagen und in Felsklettergärten ist man oft leicht abgelenkt und begünstigt so schwere Unfälle. Durch die Blockierunterstützung der Halbautomaten erhöht sich die Chance, dass ein Bodensturz trotz Sicherungsfehler verhindert werden kann.

Vor allem an künstlichen Kletterwänden verläuft das Sicherungsseil oft geradlinig und ohne viel Reibung. Bei einem Sturz des Kletterers kommt dadurch ein Großteil der Sturzenergie beim Sicherungsgerät an. Hier zeigt sich der Vorteil des Sicherns mit Halbautomaten – diese ermöglichen es auch Kletterneulingen oder Sichernden mit einem geringen Körpergewicht Stürze zu halten. Dynamische Geräte erfordern hingegen viel Handkraft und Bewegungsroutine, um Stürze zu verhindern.

Der Deutsche Alpenverein betont aber auch, dass beim Klettern im Mehrseillängenbereich der Einsatz von HMS und Tube unverzichtbar ist. Bei dieser Form des Kletterns sind die Geräte der Standard. Natürlich muss der Umgang wie bei allen Sicherungsgerät zuvor geübt werden. Denn wie immer beim Klettern gilt: der Sichernde ist das schwächste Glied in der Sicherungskette – menschliches Fehlverhalten ist nach wie vor die häufigste Unfallursache im Klettersport.

Vor dem Einsatz des Klettergeräts – egal ob Halbautomat oder Tube – muss sich der Sichernde mit dem Gerät vertraut machen und den Umgang damit üben, um Anwendungsfehler und daraus resultierende Unfälle zu verhindern. Folgende Punkte sind beim Sichern eines Kletterers laut DAV unerlässlich:

  • Konsequente Einhaltung des „Bremshandprinzips“ (die Bremshand umschließt immer das Bremsseil)
  • Bewegungsroutine beim Ausgeben, Einholen, Blockieren und Ablassen des Seils
  • Erfahrung im Halten von Stürzen
  • Beachtung des Gewichtsunterschieds in der Seilschaft
  • Berücksichtigung der Handkraft (und entsprechende Wahl des Gerätes)
  • Richtige Positionierung vor der Wand, insbesondere bei Kletternden in Bodennähe
  • Reduzierung der Schlappseilmenge auf das Nötigste, insbesondere beim „bodennahen Sichern“
  • Ständige Aufmerksamkeit

 

Weitere Infos zur Sicherungsgeräte-Empfehlung des DAV