Auf dem Meeresboden wandern, das ist an der Nordseeküste möglich, denn zweimal pro Tag geht und kommt das Wasser. In ständigem Rhythmus fällt der Meeresspiegel vom Hochwasser, Flut genannt, zum Niedrigwasser, der Ebbe. Ursache für diese Gezeiten, auch Tiden genannt, sind die Anziehungs- und Fliehkräfte zwischen Erde, Mond und Sonne. Die Erde dreht sich in elliptischer Bahn mit einer Eigendrehung, der Mond ohne Eigendrehung um die Erde, beide zusammen um die Sonne herum. Dadurch entstehen Fliehkräfte, die die Massen der Erdoberfläche an der dem Mond abgewandten Seite nach außen drücken. Die Flächen, die bei Niedrigwasser trocken fallen, bezeichnet man als Watt, ein Begriff, der vom altfriesischen Wort „wad“ (seicht, untief) abstammt.

2009 wurde das Wattenmeer von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Man kann es, unter Berücksichtigung bestimmter Verhaltensregeln, selbst erkunden oder sich geführten Wattwanderungen anschließen.

Watt entdecken

Gibt das Wasser bei Ebbe den Meeresboden frei, kann man durch das Watt wandern. Hier leben zahllose Tiere, unter anderem Plattfische und Grundeln, Würmer und Muscheln, Krabben und andere Krebse. Dieses Nahrungsangebot lockt bis zu siebzig Vogelarten an.

Unspektakulär sind die Pflanzen im Watt. Seegräser und Algen bleiben klein, damit der Wassersog sie nicht aus dem lockeren Sandboden reißt. Priele sind natürliche Wasserrinnen, die bei Flut und Ebbe gefüllt und geleert werden. Je nach Strömung werden Sand und Schlick wegtransportiert oder angeliefert, so dass sich der Verlauf der Priele ständig verlagert.

Am besten geht man barfuß ins Watt. Vorher muss man sich jedoch unbedingt über die Tidezeiten informieren. Tidekalender erhält man vor Ort bei den Tourist-Informationen.

Verhalten im Watt

Das Wandern im Watt ist nicht ungefährlich, weshalb einige Regeln befolgt werden müssen:

  • Wattwanderungen nur bei Tage und nur bei ruhigem Wetter und guten Sichtverhältnissen durchführen
  • Niemals bei auflaufendem Wasser (Flut) eine Wattwanderung beginnen. Günstiger Start: etwa zwei Stunden vor dem örtlichen Niedrigwasser
  • Nie allein, ohne Uhr und Kenntnis der Niedrigwasserzeit losgehen
  • Die Zeit für den Rückweg berechnen, bevor man loswandert
  • Geeignete Kleidung wählen wegen der Gefahr des Sonnenbran- des bzw. der Auskühlung
  • Bei Vermietern usw. ab- bzw. rückmelden
  • Nach Niedrigwasser keinen Priel zwischen sich und dem Festland lassen, da Priele bei Flut zuerst voll laufen und starke Strömung haben
  • Nicht in Prielen oder von Sandbänken aus baden wegen der starken Strömung

Geführte Wattwanderungen und andere Exkursionen

An zahlreichen Stellen werden geführte Wattwanderungen angeboten, unter anderem auf Pellworm, von wo aus man zum Beispiel nach Hallig Süderoog oder zu Kulturspuren ehemaliger Siedlungen wandern kann. Auf Pellworm erklärt außerdem der Nationalpark-Ranger bei Seetierfangfahrten, was auf dem Meeresboden zu finden ist. In der Husumer Bucht werden von mehreren Stellen, beispielsweise von den Badestellen Husum-Dockkoog, Husum-Schobüll und Simonsberg-Lundenbergsand aus Besuchergruppen von Nationalpark-Wattführern beziehungsweise Nationalpark-Rangern ins Watt geführt.

Nationalpark-Wattführer und die Schutzstation Wattenmeer bieten nicht nur Wattwanderungen, sondern auch Beobachtungen an den Rastplätzen der Zugvögel oder an den Brutgebieten der Strandvögel sowie Salzwiesenführungen an. Geführte Touren durch die Salzwiesen werden auch auf Nordstrand von der Schutzstation Wattenmeer angeboten.