Wandern auf Sardinien

Ob Wandern entlang der Küste des Golfo di Orosei, Bergsteigen auf dem Bergmassiv Supramonte, oder Tierbeobachtungen auf den Giare in der Marmilla – die italienische Insel Sardinien bietet eine großartige Wanderkulisse.

Zu den bekanntesten Wandergebieten Sardiniens gehört das imposante, stark zerklüftete Zentralmassiv des Supramonte. Das Bergmassiv zieht sich von Nuoro bis Baunei entlang der Ostküste der Insel und wird von engen Schluchten, weiten Plateaus und vielen versteckten Klammen ausgemacht. Zu den Höhepunkten des Gebirges zählt die Hochebene Su Gologo in Supramonte du Baunei, mit dem Voragine di Golgo, einem beeindruckenden Karstloch. In Supramonte di Oliena existiert eine die verborgene Höhle am Monte Tiscali, die einst dem steinzeitlichen Nurgahervolks als letzte Zufluchtsstätte diente.

Die Ausläufer des Supramontes führen bis zum Golfo di Orosei, eine raue Steilküste, die sich etwa 30 Kilometer entlang der Ostküste Sardiniens zieht. Die Steilküste zählt zu den gewaltigsten des gesamten Mittelmeerraumes und birgt viele wildromantische Strände, wie die malerischen Buchten Cala Luna und Cala Goritzé, die nur über Wander- und Kletterwege zu erreichen sind.

Zum gemütlichen Wandern laden die Hügel des Gennargentu-Gebirges ein, dessen Landschaft wild und vielseitig ist. Im Vergleich zum Supramonte ist das hügelreiche Wandergebiet im Gennargentu-Gebirge sanfter und auch für Familienwanderungen geeignet. Eine besonders schöne Wanderung führt zu der Punta la Mamora, der höchsten Bergspitze Sardiniens auf 1.834 Metern. Oben angekommen, lässt sich das einmalige Panorama der umliegenden Küste und dem türkisfarbenen Meer genießen. Sehr zu empfehlen ist auch ein Besuch des Canyon Gola di Gorropu. Der Wanderweg durch die kühle Schlucht wird immer wieder von glattgeschliffenen, riesigen Findlingen unterbrochen, sodass man einige Stellen klettern muss, um weiter in die Schlucht vorzudringen.

Ein besonderes Naturerlebnis bietet die Wanderung auf den Tafelberg Giara di Gesturi. Bei dem Tafelberg handelt es sich um ein artenreiches Naturreservat mitten in der Marmilla-Ebene, das 14 Kilometer lang und 6,5 Kilometer breit und ist. Auf der Hochebene können mit etwas Glück Herden kleiner Wildpferde beobachtet werden, die zwischen Korkeichen und dichter Macchia aus Zistrosen leben.


Sardinien: Das sagen Deine Wanderführer

Als meine Frau und ich vor Jahren zum ersten Mal beruflich nach Sardinien kamen, ahnte keiner von uns, welch magische Anziehungskraft diese herrliche Insel schon bald auf uns ausüben würde.

Von unserem Arbeitsplatz an der Nordwestküste aus begannen wir sogleich mit der Erforschung Sardiniens und blieben eins ums andere Mal stets aufs Neue erstaunt von der landschaftlichen Vielfalt, die sich uns bot. Von den bizarren Granithügeln im Norden über „richtige“ Berge im Gennargentu und im Südwesten bis hin zu den Vulkanhügeln und Ebenen zwischen Cagliari und Oristano reicht die Szenerie, die regelmäßig Wanderer auf Sardinien zum Schwärmen bringt.

Wohin wir auch kamen, stets fand sich ein himmlischer Strand in der Nähe, um den andere Regionen des Mittelmeers Sardinien beneiden. Den Vergleich mit der Karibik braucht man hierzulande keineswegs zu scheuen, derart traumhaft glitzert das Meer in allen nur möglichen Nuancen von Blau.

Doch wir fanden nicht nur unvergesslich schöne Strände, sondern auch atemberaubend faszinierende Landschaften in allen nur erdenklichen Variationen vor. Die bizarren Granit- und Porphyrfiguren an den Küsten im Nordwesten und bei den Sette Fratelli im Südosten bieten ein reichhaltiges Repertoire für allerlei Fantastereien.

Die oft senkrecht auf ihren Hügeln thronenden Tafelberge – „Tacchi“ – der Region Ogliastra verzaubern ebenso wie die schroffen Schluchten und tiefen Grotten der Schiefer- und Kalkberge des Gennargentu oder die Steilklippe von Capo Caccia bei Alghero. Und so entstand im Laufe der Zeit in Zusammenarbeit mit meiner Autorenkollegin Astrid dieser Wanderführer, der 75 möglichst vielfältige Vorschläge für Ihre Wanderungen entlang sardischer Küsten oder auf einen der vielen aussichtsreichen Gipfel Sardiniens enthält. Die Auswahl ist sehr breit gestreut, sodass Genießer und Ambitionierte gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Damit bleibt uns, Dir schöne Wandertage auf dieser wunderbaren Insel zu wünschen!                                                                    

Gerhard Stummvoll und Astrid Sturm


Deine Wanderführer in der Region

Touren in der Region Sardinien

1

Große Monte-Limbara- Umrundung Spektakuläre Rundtour über die höchsten Gipfel des weithin sichbaren Monte-Limbara-Massivs

gratis
9,2 km
04:00 h
425 hm
425 hm
Das Gebirge des Monte Limbara zählt mit seinen über 1300 m zu den größten Bergstöcken auf Sardinien und ist die höchste Erhebung der Gallura. Als solches sind die schroffen Felskegel weithin sichtbar, andererseits genießt man von hier oben an klaren Tagen einen tatsächlich sagenhaften Rundblick: Capo Testa, der Südzipfel Korsikas, die Costa Smeralda, die Ebene um Olbia, ja bis hin zum Supramonte von Oliena reicht der Rundblick. Beinahe ein Viertel der Insel ist somit ausmachbar. Kein Wunder also, dass der Parco Naturale della Monte Limbara speziell an heißen Sommertagen zu den beliebtesten Ausflugszielen der Einwohner von Tempio und auch Olbia gehört. Da stört es auch wenig, dass RAI und das italienische Militär die Erhebung für ihre Anlagen nutzt. Die vorgestellte Runde tangiert die Masten minimal und hält meist großen Abstand um sie. Nach einem längeren Aufstieg an den Fuß des Punta Giugantinu wandern wir an dem Kirchlein Madonna della Neve vorbei in stetigem Auf und Ab durch die Granithügel. Der zweite Teil der Wanderung beschreibt eine sehr aussichtsreiche und angenehm hauptsächlich abwärts führende Linkskurve zurück zum Ausgangspunkt.
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2

Punta La Marmora Über die Bruncu Spina • 1828 m und Punta Paulinu

gratis
16,2 km
05:00 h
640 hm
640 hm
Natürlich ist das Dach Sardiniens ein besonderer Anziehungspunkt, keine Frage! Und so thront auf dem Gipfel der Punta La Marmora auch ein riesiges Gipfelkreuz, während die meisten anderen Gipfel der Insel sprichwörtlich leer ausgehen. Die Wanderung zählt zu den einfacheren Bergtouren dieses Führers und ist ohne größere Schwierigkeiten machbar. Und sie zählt zweifelsohne auch zu den schönsten Touren, wofür der alles überragende Rundblick, den wir auf der langen Strecke am Grat pausenlos genießen dürfen, garantiert. Auf der Bruncu Spina begegnen wir einer Kuriosität, einem Skilift. Dieser einsame, doch recht steile Schlepper zieht sich vom Rifugio Baita Bruncu Spina (1570 m) herauf, von wo aus wir die Tour ebenfalls starten könnten. Im Winter sind die hohen Gipfel hier oft tief verschneit, dafür setzt im Frühling eine besonders intensive Krokusblüte ein. Und zwischen April und Jänner sollte die Tour machbar sein.
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3

Von Calarossa auf den Monte Tinnari Auf schmalstem Pfad durchs Dickicht erst zu einem Traumstrand, dann auf den Gipfel

gratis
10 km
03:15 h
300 hm
300 hm
Die hier vorgestellte Route auf den Monte Tinnari, einem schönen Aussichtsberg, ist ideal für Abenteurer, die sich ausgezeichnet orientieren können, und denen es nichts ausmacht, wenn der Steig mitunter sehr verwachsen ist. Dafür werden wir mit tollen Landschaftsszenerien belohnt. Einsamkeit ist auf dem ersten Streckenabschnitt garantiert. Die Tour ist mit Tour 1 und Tour 3 kombinierbar.Anfahrt: Ab der Kreuzung in Paduledda folgt man der SP90 Richtung Norden für 2,2 km. Nach der Pizzeria Il Geranio (100 m vor km 25) biegen wir links in die Sandstraße ein, beim ersten Abzweig halten wir uns links, dann auf dem Hauptweg geradeaus bis zur Einfahrt ins Feriendorf Calarossa, hier nach Bodenschwelle links in den kleinen Parkplatz.Anfahrt: ab der Kreuzung in Paduledda der SP90 Richtung Norden für 2,2 km folgen. Nach Pizzeria Il Getani (100 m vor Kilometerschild 25) links gerade in Sandstraße einbiegen, beim 1. Abzweig links halten, dann auf Hauptweg geradeaus bis zur Einfahrt ins Feriendorf Calarossa, hier nach Bodenschwelle links in den kleinen Parkplatz.
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4

Vom Pass Senna Silana zur Gola Su Gorroppu Spektakulärer Abstieg in eine der tiefsten Schluchten Europas

pro
14 km
04:15 h
725 hm
725 hm
Neben der Cala Goloritze gehört die Gola di Gorroppu zu den spektakulärsten Naturszenerien auf Sardinien. Die Wände der Schlucht ragen bis zu 500 m in den Himmel, teilweise sind sie sogar überhängend. Auf der hier vorgestellten Wanderung ist jedoch bereits der Zustieg spektakulär, da wir entlang der Costa Silana und unterhalb der Punta Cucuttos (888  m) absteigen. Mit jedem Schritt bergab werden die Kalkwände aufregender, unterwegs kommen wir direkt an den Fels heran, unter dem die Hirten ihre traditionellen und vor Witterung geschützten Hüttenstallungen errichtet haben.
5

Cammino dei Carbonai Köhlerhütten in schroffer Felslandschaft

pro
5,5 km
02:00 h
309 hm
309 hm
Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jh. begann ein Kahlschlag in den Wäldern Sardiniens. Das Holz der Steineichen wurde im Bergbau als Brennmaterial zur Verhüttung der Erze benötigt. Bis 1910 war rund ein Viertel der Gesamtfläche Sardiniens abgeholzt. Zur Erhöhung des Brennwertes und zur Gewichtsreduzierung wurde in Meilern, direkt im Wald, Holzkohle erzeugt. Neben den Ruinen der alten Köhlerstätten treffen wir auf unserer Tour auch auf Zeugnisse aus der Nuraghenkultur. Über sechs Stationen tauchen wir in die Geschichte der Region ein.Gegenüber der Cantonera Nuraxi de Mesu startet unser historischer Rundgang.
6

Sentiero delle Aquile Auf dem Adlerweg zur Nuraghe Perdu Isu

pro
12,6 km
04:00 h
540 hm
540 hm
Die hier vorgestellte Rundtour ist äußerst abwechslungsreich und dennoch recht unbekannt und zählt daher zu den Geheimtipps dieses Wanderführers. Sie beginnt landschaftlich sehr reizvoll, indem wir an dem Felsband unterhalb der Bruncu Mattedi entlangwandern und unsere Blicke immer wieder auf den Gegenhang mit der Nuraghe von Serbissi, welche von Osini aus mit dem Auto erreicht werden kann, schweifen lassen. Nach einer Stunde drehen wir nach Norden und überqueren das karstige kupierte Gelände, ehe wir zur sehenswerten Schäfersiedlung Is Tostoinus absteigen. Der Rückweg führt über die ebene Fläche der Perdu Isu, an deren Ende wir durch dichten Wald auf die gleichnamige Nuraghe hinaufwandern, von der aus wir auch einen tollen Blick Richtung Gennargentu genießen. So jagt bei dieser beeindruckenden Wanderung ein Höhepunkt den anderen, und wir kommen aus dem Staunen kaum je heraus.
7

Zur Punta Giradili über die Pedra Longa Spektakuläre Runde auf dem Selvaggio Blu

pro
20,4 km
07:15 h
925 hm
925 hm
Die Berge des östlichen Ausläufers des Supramonte-Gebirges zählen zu den schönsten Sardiniens. Nicht umsonst wurde hier der berühmte Selvaggio Blu, eine Trekkingroute von Santa Maria Navarrese bis kurz vor Dorgali, angelegt. Die Szenerie ist einmalig, kess recken die Berge ihre Spitzen in die Höhe und fallen senkrecht zum Meer ab, das in allen möglichen Blautönen schillert. Zwischen den hohen Klippen finden sich traumhafte Strände, die jedoch zumeist nur per Boot aus erreichbar sind. Unsere Tour führt zunächst zum Eingehen zur markanten Felsnadel Pedra Longa hinab, ehe wir entlang der Küste ein Stück nach Norden wandern, um anschließend die Besteigung jener vor uns aufragenden Felsspitze zu wagen. Auf einem schönen Abschnitt über die Hochebene oberhalb von Baunei wandern wir dann zur Abbruchkante und direkt durch diese nach Baunei zurück.
8

Bruncu ’e Su Standartu Über die Janasgrotte

pro
13,6 km
04:30 h
590 hm
590 hm
Die südwestlichen Ausläufer des Gennargentu sind ein weitgehend einsames Gebiet mit nur kleinen Ortschaften. Wer hierher kommt, sollte das Auto getankt und genug Bargeld bei sich haben, denn die Tankstellen haben nicht immer Benzin, und Bankomaten sucht man oft vergeblich. Zwischen den Orten finden sich zumeist karge Bergkuppen und landschaftlich schöne Taleinschnitte, die zudem noch besondere Sehenswürdigkeiten wie Grotten und Wasserfälle aufweisen. Die hier vorgestellte Runde führt uns an all diese heran, sodass wir immer wieder staunen dürfen.
9

Von Capo Pecora zur Punta Mumollonis Steiler Aufstieg zum Panoramaberg

pro
13 km
05:00 h
651 hm
651 hm
Wind und Wetter haben das Capo Pecora, das Kap des Schafes, geformt. Mit seiner Landzunge reicht es spitz in das Mar di Sadegna und bildet das südliche Ende der Costa Verde. Durch die günstige Lage, an einer Sackgasse, ist dort auch in der Hochsaison wenig Betrieb. Wer auf weiße Sandstrände steht, bleibt in Portixeddu hängen. Kleine Kieselbuchten und flache Steinplatten, eingerahmt von Mastixbäumen und dichten Sträuchern, kennzeichnen die Strände am Capo Pecora. Bei starkem Wind ist man am Kap genau richtig. Von hoch oben, von der Punta Mumollonis, hat man einen herrlichen Blick – nicht nur auf das Kap.

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Wandern auf Sardinien: Die wichtigsten Infos

Sardinien, das von den Griechen „Sandalyon“ genannt wurde, da seine Form an einen Fußabdruck erinnert, ist mit gut 25.000 km² nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Viele Urlauber, die im Sommer die eine oder andere Woche auf Sardinien verbracht haben, kommen mit unvergesslichen Strandeindrücken zurück. Zu Recht, denn die 1848 km langen Küsten beheimaten mit ihren türkisfarbenen Buchten die schönsten Strände Europas.

Wer nach Sardinien kommt, erhält unmittelbar den Eindruck einer sehr welligen Landschaft. Die 270 km lange und 145 km breite Insel weist nur in der Gegend zwischen Cagliari und Oristano wirklich ebene Flächen auf. Der Großteil jedoch ist Hügelland, das oft von steinigen und kegelförmigen Felsen durchzogen wird. Diese bestehen zumeist aus Granit und nehmen alle nur vorstellbaren Formen an. Die Berge der Ostküste sind hingegen aus Schiefer und aus Kalkstein. Hier treffen wir auf richtig schroffe Karstlandschaften, die in der Punta La Marmora auf 1834 m ihren Höhepunkt finden.

Das Dach Sardiniens und die umliegenden Berge des Gennargentu – „Tor des Windes“ – Gebirges sind wahrlich für Bergwanderer prädestiniert, während Wanderungen in anderen Regionen manchmal eher überraschen. Neben den vielen kleinen und großen Erhebungen fällt dem Besucher sofort auf, dass Sardinien auch in heißen Sommern eine grüne Insel bleibt. Der Großteil der Landschaft ist entweder von mediterranen Eichen, von Kulturbäumen oder aber von dichter Macchia bewachsen. Diese besteht aus bis zu 4 m hohen Sträuchern, zumeist aus Zistrosen, Ginster, Lorbeer- und Erdbeer- und Wacholder­bäumen. Aber auch diverse Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Lavendel und Salbei sowie Wolfsmilchbäumchen und verschiedene Knollengewächse findet man häufig vor.

Die Weidewirtschaft spielt auf Sardinien eine dominante Rolle. Fast 30.000 Hirten kümmern sich um ihre 3,6 Millionen Schafe, 2 Millionen Rinder und 300.000 Ziegen. Daher verwundert es nicht, dass wir bei unseren Touren oft an kleinen Herden oder frei herumlaufenden, halb verwilderten Schweinen vorbeikommen, die später einmal zur regionalen Spezialität Porceddu – Spanferkel – verarbeitet werden.

Im Gegensatz zu den vielen Nutztieren ist Sardiniens Fauna stark dezimiert. Während wir in den Bergen des Gennargentu auf einige wenige Mufflonschafe treffen, freuen wir uns meist über die reiche Vogelwelt. In den Flachwassergebieten bei Cagliari und Oristano halten sich das ganze Jahr über Tausende von rosa Flamingos auf. Andernorts baden Kormorane und Reiherenten oft in unmittelbarer Nähe der Touristen. Einheimische im Bergland, die besonders gerne der Jagd nachgehen, wissen tolle Geschichten von Adlern, Füchsen, Wildkatzen, Wildschweinen, Rebhühnern, Fa­sanen und Hasen zu berichten. Allerdings sind all diese wilden Tiere immer seltener anzutreffen, während in den Gewässern nach wie vor eifrig Thunfische (Tonno) und Langusten (Aragosta) gefangen werden.

Geschichte Sardiniens

Einzelne Funde haben ergeben, dass die Ursprünge der menschlichen Besiedlung Sardiniens bis in die Altsteinzeit zurückreichen. Eine größere Anzahl an Keramik- und Werkzeugfunden wurde auf das 6. Jh. v. Chr. datiert.

Wer nach Sardinien kommt, begegnet bald einer der insgesamt über 7000 Nuraghen. Diese stammen aus der nuraghischen Kultur, welche eine kämpferische Hirtenkultur in der Zeit von 1800 – 300 v. Chr. war. Eine Nuraghe ist ein kegelförmiger Festungsturm aus meterdick aufeinander aufgeschichteten Steinblöcken und als solches weltweit einzigartig. Abgesehen von einem schmalen Gang und einzelnen Schießscharten war ihr Innenraum völlig von der Außenwelt abgeschottet. Der genaue Zweck der Nuraghen konnte noch nicht eindeutig geklärt werden.

Mit dem Eintreffen der Phönizier ab dem 10. Jh. v. Chr. an Sardiniens Küsten, spätestens jedoch mit dem Einmarsch der Karthager (Ende des 6. Jh. v. Chr.), beginnt eine knapp 3000 Jahre andauernde Ära der Fremdherrschaft. Den punischen Besatzern folgten viele andere Kulturen, für die Sardinien aufgrund der geographisch zentralen Lage im Mittelmeer, seinen Erzvorkommen und seiner großen Fruchtbarkeit eine äußerst begehrte Beute darstellten. Nach den Römern (238 v. Chr.) kamen die Wandalen und nach diesen die Byzantiner. Lediglich vom 9. Jh. bis zum Jahr 1258 erlebte Sardinien in der Zeit der vier selbständigen Richterbezirke (Cagliari, Torres, Gallura und Arborea) eine relative Unabhängigkeit. Diese wurde jedoch durch das oft grausame Joch der nachfolgenden Aragonesen und Kastiliern sofort wieder im Keim erstickt.

Als Sardinien nach kurzer österreichischer Herrschaft 1718 zu Savoyen- Piemont kam und zum Königreich Sardinien wurde, änderte sich ebenso wenig wie 1861, als Sardinien im neu gegründeten italienischen Staat aufging. Stets fühlten sich die Sarden besetzt und bevormundet und führten durch die Jahrtausende Aufstände gegen die jeweiligen Machthaber durch. Und so gelten die Sarden auch heute noch als Eigenbrötler, die nur wenig mit den Festlanditalienern verbindet. Einzig durch die Anerkennung Sardiniens als autonome Region wurde den Sarden zu guter Letzt eine gewisse Eigenständigkeit anerkannt.

Wandern auf Sardinien: Natur

Sardinien ist vor allem für sein kristallklares Meer bekannt, dem es zu Recht den Beinamen „Karibik des Mittelmeeres“ verdankt. Es bietet eine äußerst abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft, in der sogar die auf der ganzen Insel geschätzten roten Korallen noch immer vorkommen. Das Meer ist reich an Leben, das die Grundlage für allerlei Meeresvögel wie Gelb- und Schwarzschnabelsturmtaucher, Krähenscharbe, Sturm­vogel und Kormoran bietet.

Sardinien verfügt über 1848 km Küste, welche oft in Form von Steilküsten jäh ins Meer abbricht. Am sehenswertesten geschieht dies wohl am Golf von Orosei, wo der Supramonte in bis zu 400 m hohen Wänden ins türkis- und smaragdfarbene Meer fällt. An den Steilküsten finden Raubvögel ideale Bedingungen vor. Hier leben unter anderem Fischadler, Gänsegeier sowie Eleonorenfalken, die als Zugvögel den anderen Teil des Jahres in Madagaskar verbringen.

Als natürlichen Kontrast zu den Steilküsten sorgen die ausgedehnten Strände für eine harmonische Schönheit. Diese liegen oft an Flussmündungen, wo sich eine Vielzahl an Lagunen befindet. Zusammen mit den Seen der Insel sind diese der Lebensraum für Ruderenten, Purpurhühner und rote Flamingos, die seit 1993 in den Lagunen rund um Cagliari heimisch sind. Die großen Tiefebenen Sardiniens stammen aus dem Tertiär, in dem Teile des Landes unter Wasser lagen und vom Schutt umliegender Berge aufgefüllt wurden. Hier wuchern zahllose Affodille und Riesenfenchel, zwischen denen sardische Hasen und Felsenhühner sowie eine Unzahl an Vögeln leben. Die Palette reicht von Lerchen über Ammern zu Kiebitzen, und auch Wiedehopf und Star werden hier oft gesehen. Mäusebussarde und Turmfalken profitieren ebenfalls von den guten Jagdbedingungen der Ebene.

Sardinien gilt als bergige Insel, jedoch sind die meisten Erhebungen nicht besonders hoch. Von Interesse ist jedoch der geologische Aufbau. Über 400 Millionen Jahre alte Schieferberge prägen das Landschaftsbild um den Gennargentu („Tor des Windes“), wo die Insel auf der Punta La Marmora mit 1834 m ihren höchsten Punkt erreicht. Die Granitberge am Monte Limbara und am Monte Linas im Südwesten sind weniger als 300 Millionen Jahre alt und durch atmosphärische Einwirkungen bizarr geformt. Die Kalkgebirge im mittleren Osten Sardiniens sind „erst“ 150 Millionen Jahre alt und aufgrund ihrer Schroffheit besonders sehenswert. Zu ihnen zählen auch die Steinsockel der Ogliastra. Man findet auf Sardinien jedoch auch Berge vulkanischen Ursprungs, vor allem in der Tiefebene zwischen Cagliari und Oristano, aber auch am Monte Ferru. Auch die Basaltformen verschiedener kleinerer Hochebenen – der sogenannten Giare – stammen hiervon. Sardinien verfügt in allen seinen Landschaften über eine archaisch anmutende, unverfälschte Ausstrahlung. Die großteils unbefleckte Weite verströmt eine stille Einsamkeit, in der sich eine besonders wertvolle Fauna erhalten konnte. In den Bergregionen trifft man auf Steinadler, Mufflonschafe und allerlei Wild. Die vielen Wälder strotzen nur so vor Wildschweinen, Wildkatzen, Fuchsen, Habichten, Sperbern, Mardern und Siebenschläfern. Nach der rigorosen Abholzung der inseltypischen Wälder für den Eisenbahnbau in Italien wurden die offenen Flächen für große Schafherden genutzt, wodurch die Schafzucht zum zentralen Wirtschaftszweig der Insel avancierte. Dadurch veränderte sich die Landschaft vom Wald zur Weide bzw. an deren Rändern zu einer dichten Macchia.

Sardinien hinterlässt so heute einen sehr eigenständigen und unverwechselbaren Eindruck und vermag durch die große Farbenvielfalt insbesondere im Frühjahr zu beeindrucken, wenn die vielfältigen Pflanzen üppigst blühen. Von ihnen sind besonders der sardische Ginster, der Nymphen-Strandflieder, mehrere Zwergpalmenarten, Wildveilchen und der allerorts duftende Thymian hervorzuheben. Stand man in der Vergangenheit der Natur recht gleichgültig gegenüber, so änderte sich in den letzten 25 Jahren die eigene Sichtweise dramatisch. Überall im Land sind in großer Zahl Naturschutzgebiete entstanden, in denen man ideale Bedingungen für Wanderungen findet.


Wandern auf Sardinien: Reisezeit

Das Frühjahr und der Herbst gelten allgemein als beste Wanderzeit auf Sardinien. Während es im Juli und August auch in der Nacht nur wenig abkühlt, bieten die anderen Monate speziell am Morgen ideale Temperaturen. Das Winterhalbjahr sollte als gute Reisezeit nicht unterschätzt werden. Hier ist das Wetter jedoch sehr launisch und kann in einem Jahr jeweils zur gleichen Zeit beste und im nächsten Jahr hingegen recht bescheidene Bedingungen bieten.


Wandern auf Sardinien: GPS-Daten

Da viele der vorgestellten Touren in sehr einsame Gebiete führen und Markierungen oft nicht oder nicht ausreichend bzw. in guter Qualität vorhanden sind, empfehlen wir generell die Nutzung eines GPS-Geräts. Und auch unsere KOMPASS Wander-App zusammen mit entsprechendem Kartenmaterial sehr zweckdienlich. Die Speicherung des jeweiligen Kartenmaterials sollte zuhause mit einer schnellen Internetverbindung erfolgen. Die Benutzung des GPS vor Ort benötigt dann keine Daten und verursacht keine Roaming-Gebühren.


Wandern auf Sardinien: Anforderungen

Die Mehrzahl der Wanderungen verlaufen auf deutlichen Forst- und Wanderwegen. Sie sind teilweise und regional sehr verschieden mehr oder weniger gut markiert. Einzelne Touren führen unmarkiert durch abgelegene Gegenden, hier ist ein guter Orientierungssinn von Vorteil. Detailangaben finden sich bei den jeweiligen Touren.


Wandern auf Sardinien: Ausrüstung

Generell sind bei Wandertouren stets gute Schuhe mit rutschfesten Sohlen zu empfehlen. Auf Sardinien ist insbesondere auf die Mitnahme von genügend Trinkwasser, eines UV-undurchlässigen Sonnenschutzes, Sonnencreme und einer Windjacke zu achten. Bei Touren auf schmalen Wegen ist eine lange Hose als Schutz vor der kratzbürstigen Macchia von Vorteil, während sich bei steinigen Abschnitten die Mitnahme von Wanderstöcken bewährt.


Wandern auf Sardinien: Gefahren

Sardinien zählt zu den sichersten Urlaubsdestinationen Europas. Die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig, auch weil sich die Mafia hier nie so richtig ausbreiten konnte. Auch von der Fauna her ist wenig zu befürchten. Einige durchaus auch größere Nattern sind ungiftig. Der Stich von einem kleinen Skorpion oder dem Petermännchen-Fisch verursacht Schwellungen, während die Berührung einer Qualle zu Hautrötungen und brennenden Schmerzen führt. Weidevieh sollte man nicht mit Haustieren verwechseln! Es ist unbedingt zu verhindern, dass man zwischen eine Kuh und ihr Kalb gerät, weil sie dieses im Zweifelsfall verteidigen wird. Von einem Wildschwein können wir eine idente Verhaltensweise erwarten. Bei der Mitnahme eines Hundes ist zu gewährleisten, dass dieser das Vieh nicht erschrickt. Die größte Gefahr geht indes von einer ungenügenden Tourplanung aus. Die eigenen Fähigkeiten sollten nicht überschätzt werden! Das Klima und die oft hohe Luftfeuchtigkeit stellen besondere Anforderungen an den Kreislauf. Ein in der Hitze gesteigerter Wasserverbrauch sollte ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeit eines raschen Wetterwechsels im Gebirge.