Malerisch & Alpin: Entlang der Grenze am Karnischen Höhenweg

Der Karnische Höhenweg gilt als einer der schönsten Fernwanderwege alpenweit.

Der Karnische Höhenweg ist ein Wanderweg in den Karnischen Alpen. Er verläuft in weiten Teilen auf der Höhe des Karnischen Hauptkamms in mehrere Varianten entlang der Staatsgrenze zwischen Italien und Österreich.

Es ist die bezaubernde Landschaft des Karnischen Hauptkamms mit reizvollen Gipfeln und malerischen Ausblicken, die die Romantik dieser Strecke ausmachen. Zugleich wird der Wanderer stiller Zeuge der grausamen Kämpfe des Ersten Weltkriegs – denn der Karnische Höhenweg heißt auch „Friedensweg“ und folgt der damals bitter umfochtenen Front. Neben den alten Stellungen sind geologisch wertvolle Spuren von 500 Millionen Jahren Erdgeschichte zu entdecken. In erster Linie ist es jedoch eine alpin anspruchsvolle Hochgebirgswanderung von zehn bis zwölf Tagen.

Karnischer Höhenweg: Route

Von Thörl-Maglern im Kärntner Gaital führt der Pfad zunächst über weitflächige, sanfte Almböden zum Plöckenpass. Ab dem Pass geht es dann hochalpin über Felsen nach Sillian in Osttirol. Die Begehung ist einzigartig und bietet eine Vielfalt an Eindrücken und Ausblicken – weswegen der Karnische Höhenweg zu den schönsten Weitwanderwegen in Europa zählt.

Rot-weiße Markierungen erleichtern es, dem Weg mit der Nummer „KHW 403“ zu folgen. Ca. 150 Kilometer geht es entlang der österreichisch, italienischen Grenze durch eine wunderschöne, alpine Landschaft. Dabei wartet jeden Abend eine romantische Hütte auf müde Fernwanderer mit leckeren Schmankerln und warmen Stuben.

Unser Tipp: Früh buchen! Denn im Sommer gibt einen hohen Andrang auf die Schlafplätze der Hütten. Besondere Romantik bieten auch die tiefblauen Bergseen mit traumhaften Plätzen zum Verweilen.

Der Kriegsfront folgend

„Wege, die einst Fronten trennten, sollen uns heute verbinden.“
(Walter Schaumann)

Der Karnische Kamm, dem der Karnische Höhenweg folgt, bildet die Grenze zwischen Italien und Österreich. Heute liegt er friedlich da, doch war die Grenze noch vor knapp 100 Jahren erbittert umkämpft. 1915 zerbrach der Dreibund zwischen Deutschland, Österreich und Deutschland und löste diesen grausamen Gebirgskrieg in den Karnischen Alpen aus. Überreste von Bunkern, Soldatenfriedhöfen, Steiganlagen und Stellungen entlang des alpinen Kamms erinnern an diese schreckliche Zeit, in der hunderttausende Soldaten ihr Leben ließen.

Der Verein der Dolomitenfreunde betreibt ein Museum im Rathaus von Kötschach-Mauthen, dass diesen Krieg mit all seiner Sinnlosigkeit und Grausamkeit dokumentiert. Der Krieg hinterließ auch viele zerstörte Wegstücke in den Karnischen Alpen, die 1970 wiederaufbereitet und als Friedensweg verbunden wurden – auf Initiative von Bergsteiger und Bundesheeroffizier Walter Schaumann. Der Karnische Höhenweg ist Teil dieser Friedenswege, einem Netz aus wieder instandgesetzter Frontwege zwischen Ortler und Isonzo.

Karnischer Höhenweg: Etappen

Acht bis zwölf Tage plant man für die gesamte Strecke ein, es bieten sich aber auch Teilbegehungen an. Während der östliche Abschnitt von Wiesen und Wäldern geprägt ist, offenbart der westliche Streckenabschnitt ab dem Plöckenpass einen deutlich alpineren Charakter – was ihn besonders beliebt macht. Die 12 Etappen sind kein Zuckerschlecken und haben es oft mit über 15 Kilometern und über 1.000 Höhenmetern in sich.

Die atemberaubende Landschaft macht allerdings alle Anstrengungen wieder wett. Einige Etappen lassen sich auch zusammenlegen, aber auch Teilbegehungen sind möglich. Hier eine Liste der zwölf Etappen nach unserem Kompass-Wanderführer mit den wichtigsten Angaben:

  • Etappe 1: Thörl-Maglern – Feistritzer Alm (16,5 km; 1800 Hm; 7:45 h)
    bzw. Vorderberg – Feistritzer Alm (10,3 km; 1160 Hm; 3:30 h)
  • Etappe 2: Feistritzer Alm – Egger Alm (14,7 km; 630 Hm; 4:45 h)
  • Etappe 3: Egger Alm – Nassfeld (11,3 km; 620 Hm; 4:00 h)
  • Etappe 4: Nassfeld – Straniger Alm (15,9 km; 750 Hm; 5:45 h)
  • Etappe 5: Straniger Alm – Zollnerseehütte (5,8 km; 400 Hm; 2:30 h)
  • Etappe 6: Zollnerseehütte – Plöckenpass – Valentinalm (17,1 km; 820 Hm; 7:00 h)
  • Etappe 7: Valentinalm – Wolayerseehütte (7,4 km; 1260 Hm; 4:30 h)
  • Etappe 8: Wolayerseehütte – Hochweißsteinhaus (13,3 km; 1000 Hm; 6:00 h)
  • Etappe 9: Hochweißsteinhaus – Neue Porzehütte (16,7 km; 1300 Hm; 8:00 h)
  • Etappe 10: Neue Porzehütte – Obstanserseehütte (11,1 km; 1050 Hm; 5:45 h)
  • Etappe 11: Obstanserseehütte – Sillianer Hütte (8,4 km; 650 Hm; 4:15 h)
  • Etappe 12: Sillianer Hütte – Sillian (7,7 km; 0 Hm; 2:45 h)
    bzw. Sillianer Hütte – Arnbach (8,6 km; 20 Hm; 3:00 h)

Hochaufragende Berge auf dem Karnischen Weg locken so manchen Bergsteiger auf ihre Gipfel. Nimmt man ein paar zusätzliche Gipfel mit, sind weit über zwei Wochen für den Höhenweg einzuplanen.

Gipfel entlang des Karnischen Höhenweges

Wie ein Panoramaweg führt der Karnische Höhenweg durch beeindruckende Berge und Felsmassive. Der Kammzug gipfelt in der Hohen Warte (2.780 m), dem höchsten Spitz der Karnier. In einer bergsportlich anspruchsvollen Überschreitung mit Klettereien im zweiten Grad und Klettersteigpassagen kann der versierte Bergsteiger diesem beeindruckenden Gipfel einen Besuch abstatten – und oben den Blick vom Alpenhauptkamm bis zur Adria, von den Felskolossen der Dolomiten im Westen bis zu jenen der Julier im Westen schweifen lassen.

Doch auch die benachbarten Kellerspitzen, die Gipfel des Biegengebirges, der stolze Peralba, die Porze, das Kinigat-Königswand-Massiv oder die Pfannspitze sind imposante Erscheinungen, die zu Varianten und Gipfeltagen einladen. Viele Varianten und Gipfelbesteigungen sind im KOMPASS-Wanderführer „Karnischer Höhenweg“ ausführlich beschrieben. Jedoch sollten auch diese anspruchsvollen Gipfelbesteigungen nicht unterschätzt werden.

500 Millionen Jahre Erdgeschichte sichtbar

Diese Berge weisen durch den komplexen geologischen Aufbau der Karnischen Alpen vielfältige Bergformen auf. Für Geologen ist diese Landschaft wie ein Geschichtsbuch, denn sie spiegelt 500 Millionen Jahre der Erdgeschichte wieder. Das geologische Hintergrundwissen erlangt der interessierte Bergsteiger auf sogenannten Geo-Trails. Auf diesen Trails, die circa einen halben Tag lang an geologische besonders aufschlussreichen Punkten vorbeiführen, bieten Tafeln Erklärungen für spannende Phänomene.

Von wegen trockene Wissenschaft – hier sieht jeder Wanderer, was das Gelände über seine eigene Entstehung erzählt. Zum Beispiel sind am Zollnersee Spuren des alten paläozoischen Grundgebirges zu entdecken, während im Gailtal die Periadriatische Naht, eine Störungslinie zwischen Eurasischer und Afrikanischer Kontinentalplatte, zu erkennen ist. Übrigens, die abwechslungsreiche Landschaft, durch die sich der Karnische Höhenweg windet, erhielt ihre jetzige Form erst mit der letzten Eiszeit.

Karnischer Höhenweg: Tipps & Karte

    • Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Ende September (Bitte aktuelle Wetterverhältnisse und Hüttenöffnungszeiten beachten!)
    • Taktik unterwegs: Früher Start in lange, anspruchsvolle Etappen; Beachten der nachmittäglichen latenten Gewittergefahr im Sommer; Anpassen von Tempo und Pausen
    • Öffentliche Anreise: Komplett öffentliche An- und Rückreise wird empfohlen (z.B. Bahn bis Villach bzw. Arnoldstein, von dort Bus nach Thörl-Maglern); Hüttentaxis zu vielen Hütten möglich
    • Ausrüstung: Komplette, wetterangepasste Ausrüstung für eine alpine Weitwanderung
    • Anforderungen: Fitness für Tagesmärsche von bis zu acht Stunden Gehzeit, Grundausdauer, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit
    • Kartenmaterial:
      • Extra-Tourenkarte mit eingezeichneten Etappen des KOMPASS-Wanderführers 5633 „Karnischer Höhenweg“:

 

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