Blaue Gletscherspalten überwinden und große Schneefelder durchqueren, um ein Mal auf einem Viertausender zu stehen – davon träumen viele Bergsteiger. Mit ein bisschen Vorbereitung, einer guten Kondition und einer Reise in die Schweizer Alpen kann dieser Traum ganz leicht wahr werden. Denn dort finden sich gleich eine ganze Reihe von Viertausendern, die – zusammen mit einem Bergführer oder in einer erfahrenen Seilschaft – auch relativ leicht von Einsteigern bestiegen werden können.

Von den 82 Viertausender-Gipfeln, die es in den Alpen gibt, befinden sich 48 auf Schweizer Staatsgebiet. Vor allem im Schweizer Kanton Wallis findet man zahlreiche Viertausendern, die sich auch für Einsteiger eignen. Neben alpinistisch anspruchsvolleren Routen, haben diese Viertausendern auch einen sogenannten Normalweg, der auf den einfach zu besteigende Seiten verläuft.

Wer sich zum ersten Mal an einen Viertausender heranwagen will, sollte für die Besteigung zusammen mit einem erfahrenen Alpinisten oder einem Bergführer eine Seilschaft bilden. Zwar sind sind einige der Viertausender in den Walliser Alpen relativ einfach zu besteigen, es bleiben dennoch anspruchsvolle Hochtouren und ein gewisses Risiko durch Lawinen und Gletscherspalten bleibt immer. Wer noch keine Erfahrung mit Gletscherquerungen und Wanderungen in einer solchen Höhe – in der man bereits höhenkrank werden kann! – hat, sollte also auf erfahrene Begleiter setzen.

Allalinhorn (4.027 m)

Das Allalinhorn ist einer der leichtesten und am häufigsten bestiegenen Viertausender der Alpen. Vom knapp viertausend Meter hohen Gipfel können an Tagen mit guter Sicht fast die gesamten Westalpen überblickt werden. Der Auf- und Abstieg dauert nur wenige Stunden, sodass man nicht schon vor Tagesanbruch starten muss, wie es bei anderen Gipfelstürmen durchaus üblich ist. Für die Besteigung des Allalin ist es ausreichend, wenn man gemütlich am Morgen startet. Es gibt aber auch durchaus Bergsteiger, die erst nach dem Mittag aufbrechen. Dann ist der Schnee jedoch meist schon angetaut, wodurch das Gehen mit Steigeisen anstrengender wird. Es empfiehlt sich also ein Start am Morgen, wenn bereits Dutzende Viertausender-Aspiranten mit der Metro Alpin, der unterirdischen Standseilbahn die Saas-Fee mit der Bergstation Mittelallalin verbindet, am Ausgangspunkt für den Normalweg ankommen. Vom Mittelallalin führt die Route auf den Hohlaubgletscher und von dort auf das Feejoch. Den gespurten Weg sollte man nicht verlassen, da sich oft links und rechts der Spur Spalten auftuen, die zum Teil von Schnee bedeckt und somit nur schwer einschätzbar sind. Nach einigen mittelsteilen Kehren erreicht man das Feejoch in einer Höhe von knapp 3.850 m. Hier eröffnet sich bereits der Blick auf das Gipfelkreuz und den Felsgipfel des Allalinhorns, den man nach einem weiteren kurzen Austieg erreicht.

Weissmies (4.017 m)

Eine weitere schöne und weniger anspruchsvolle Hochtour im Wallis, die sich auch für Einsteiger eignet, ist die Besteigung des Weissmies. Zwar ist das Weissmies einige Meter kleiner als das Allalinhorn, aufgrund seiner mitunter steilen Eishänge sollte der Anstieg aber keinesfalls unterschätzt werden. Ausgangspunkt für diese Tour ist die Allmageller Hütte, die sich auf einer Höhe von 2.894 m befindet und mit der Bergbahn von Saas Grund erreicht werden kann. Von dort steigt man zunächst hinauf zum Zwischenbergenpass und hält sich dann Richtung Osten. Ist der Süd-Südost-Grat erreicht, führt der Weg auf dem Schneegrat weiter, der kurz vorm Erreichen des Gipfels immer ausgesetzter wird. Vom Gipfel aus offenbart sich ein grandioser Ausblick auf die zahlreichen anderen Gipfel des Wallis. Für die Route über den Südgrat werden in der Regel zwischen vier und fünf Stunden benötigt.

Alphubel (4.206 m)

Der Alphubel ist der wahrscheinlich markanteste Viertausender in den Alpen. Der gewaltige Gletscherkoloss erhebt sich oberhalb des Gletscherdorfs Saas-Fee. Beim Alphubel ist ein wenig mehr Ausdauer nötig als beim Allalinhorn und dem Weissmies. Da er die beiden anderen Gipfel um fast zweihundert Meter überragt, ist der Normalweg mit 1.300 zu bewältigenden Höhenmetern über die Ostflanke auch um einiges länger und anstrengender. Gestartet wird am Berghaus Längfluh (2.867 Meter), von wo aus es nach Süden zum Fleegletscher geht. Dort angekommen, steigt man über die Felsen des Alphubel-Massivs hinauf. Bereits 800 Höhenmeter vor dem Gipfel wird der Anstieg immer steiler. Der weitere Verlauf der Route über den Gletscher ist immer abhängig von der aktuellen Spaltensituation. Wenn es nur wenige Gletscherspalten gibt, kann man geradezu auf den Gipfel zusteuern, andernfalls müssen die Spalten umgangen werden. Auch hier gilt: wer früh am Morgen startet, kann das hartgefrorene Eis einfacher und sicherer überqueren als während der Mittagszeit. Die letzten Meter führen über ein plateauähnliches Gipfeleisfeld bis hin zum mächtigen Gipfelkreuz, das den höchsten Punkt des Alphubels markiert.

Veröffentlicht am 23. März 2016