Im Norden der Arlberg-Region findet ihr zwei der „großen“ Eisenwege der Allgäuer Alpen: Der wohl bekannteste, ganz sicher jedoch einfachste von ihnen ist der Heilbronner Weg, der die Rappenseehütte mit der Bockkarscharte verbindet. So charakterisiert ihn Klettersteigpapst Eugen E. Hüsler in seinem Klettersteigatlas Alpen: „Wer kennt sie nicht, die klassische ‚Haute Route‘ der Allgäuer Alpen? Generationen von Bergfreunden war sie ein Begriff, unzählige Nagelschuhe, Bergstiefel und Trekking-Boots haben den Weg kennen gelernt, Steine rund geschliffen. Und um die lange Leiter am Grat des Steinschartenkopfs, der den höchsten Punkt am Weg markiert, ranken sich kleine Legenden.“ Man sollte ihn also einmal gemacht haben, vielleicht mit dem Hüttenzustieg von Warth (3,5 h), im Zuge des Übergangs zur Kemptner Hütte (5-6 h) und mit dem Abstieg nach Holzgau im Lechtal (2,5 h) – aber wenn möglich nicht während der Hochsaison, denn da kommen viele auf diese Idee!

Schwieriger zeigt sich der Mindelheimer Klettersteig, die luftige und drei Stunden lange Gratroute von der Fiderepasshütte zur Mindelheimer Hütte. Auch hier gibt es mitunter höchst lebhaften Betrieb. Bei der Überschreitung von vier Gipfeln und etlichen anregenden Eisen-Passagen kommt keine Langeweile auf, auch der Zustieg vom Mittelberger Ortsteil Schwendle (2,5-3 h) und der finale Abstieg dorthin (1,5 h) sind landschaftlich sehr reizvoll. Unter Einbindung des Krumbacher Höhenweges lässt sich der Mindelheimer sogar in eine wunderbare Rundtour einbinden.

Daneben findet man in den Allgäuer Alpen und im Lechquellengebirge mehrere kürzere, meist eher einfachere Eisen-Passagen – etwa am Hochstarzel, an der Hinteren Untschenspitze im Südwesten des Kleinwalsertals oder am Weimarer Steig auf die Braunarlspitze. Als Klassiker unter den Eisenwegen im Vorarlberger Bereich des Kartenblatts gilt der Alpenvereinssteig auf den 2.403 m hohen Zitterklapfen, dem Wächter über dem Großen Walsertal. Der Zugang beginnt bei Schoppernau an der Bregenzerach und führt durch das Dürrenbachtal bis unter die Töbelalpe; von dort rechts durch ein Schuttkar auf den Grat, der mit gesicherten und freien Kletterpassagen (I–II) aufwartet (5 h). Ein weiteres Klettersteig-Zuckerl bietet die Bergwelt um Warth: Ab der Bergstation der Steffisalpbahn führt eine leichte gesicherte Gratroute auf das Karhorn. Eineinhalb bis zwei Stunden sind für dieses aussichtsreiche Vergnügen zu veranschlagen.

Zu einem wahren Ferrata-Hot-Spot hat sich das Arlberggebiet entwickelt: Der sehr schwierige Arlberger Klettersteig, für den etwa 500 Haken, 1.050 Seilklemmen und mehr als zwei Kilometer Drahtseil aufgewendet wurden, bietet ein eisenhaltiges Vergnügen auf einem hochalpinen Grat. Die Tour beginnt bei der Seilbahnstation auf dem Vallugagrat und führt als luftige und stellenweise Kraft raubende, aber gut gesicherte Panoramaschaukel zur Weißschrofenspitze (4,5 h). Steiler und ebenfalls gesicherter Abstieg zur Seilbahn-Bergstation auf dem Kapall (1-1,5 h). Achtung: Nicht bei Gewittergefahr gehen – und erkundigt euch vor der Tour über die Betriebszeiten der beiden Bergbahnen!

Gegenüber, im Verwallgebirge, erwartet euch etwas Besonderes: der erste Arlberger Winterklettersteig, der vom St. Antoner Skigebiet Rendl auf die Vordere Rendlspitze zieht. Ziemlich schwierig und ausgesetzt, aber gut gesichert und gerade bei Schneelage gut begehbar – zumindest wenn die Stahlseile nicht unter der weißen Pracht liegen. So geht es also mit den Ski am Rucksack von der Riffelscharte über den Gipfel bis zur Mitterkarspitze (etwa 1,5 h). Von der nahen Roßfallscharte locken zwei tolle Tourenabfahrten durch hochalpines Gelände, entweder nach Westen ins Skigebiet oder ostwärts durch das Malfontal – nur bei sicheren Schneeverhältnissen! Doch zurück in die Lechtaler Alpen: Dort fasziniert – neben etlichen kleinen gesicherten Passagen – vor allem der technisch einfache, aber sehr lange und hochalpine Augsburger Höhenweg zwischen der Augsburger und der Ansbacher Hütte (8-10 h). Eisfelder, Steinschlaggefahr und der oft unterschätzte Gesamt-Höhenunterschied rund um die Parseier Spitze verlangen neben den Klettersteig-Tugenden auch viel alpine Erfahrung und gute Kondition.

Veröffentlicht am 27. Juli 2016