Kaum noch angezweifelt werden Theorien, dass sich im Erdmantel riesige Kontinentalplatten gegeneinander verschieben, wobei es zu Stauchungen und Zerrungen an den Stirnseiten der Platten kommt. So stieß die von der Atlantischen Platte abdriftende Afrikanische Platte auf die Asiatische Platte, es kam zu Bruchbildungen im Bereich der heutigen Kanarischen Inseln. Das alles geschah vor etwa zwanzig Millionen Jahren, als sich zuerst Fuerteventura aus dem Meer erhob. Einzelne Schollen aus dem untermeerischen Bruchgebiet wurden nach oben gedrückt, andere wiederum nach unten. Im Gebirgsmassiv um die alte Hauptstadt Betancuria sind an die Erdoberfläche gedrückte Tiefengesteine angeschnitten (Aufschluss), die man auf etwa 40 Mio Jahre schätzt.

Nachdem Fuerteventura (20 Mio. Jahre alt) aus dem Meer aufgetaucht war, drückte flüssiges Magma entlang der Bruchstellen aus dem Erdinneren nach oben und überzog den neu entstandenen Inselsockel mit Eruptionsgestein. Aus einer Vielzahl von Kratern floss immer neues Magma (Lava) an die Erdoberfläche, verteilte sich über die Inseln und hinterließ eine Vulkanlandschaft. Diese Vulkane wurden  in unterschiedlichen Zeiten aktiv und veränderten ihrerseits durch Eruptivmaterial (Lava, Asche, Gestein) ihre Umgebung. Seit den letzten Vulkanausbrüchen auf Fuerteventura sind mehr als 5.000 Jahre vergangen.

Höchst unterschiedlich und daher fürs Auge gut wahrnehmbar ist der Verwitterungszustand der Lavagesteine: Wo Wind und Wasser ihre zerstörerische Kraft einsetzen können, gibt sich die Lava kaum noch als solche zu erkennen, in geschützteren Lagen dagegen sieht sie aus, als sei sie gestern erst erstarrt. Auch die ins Meer gestürzten und dort abrupt erkalteten Lavaströme haben ei ne bizarre Küstenlandschaft gestaltet, oberhalb als auch unterhalb der Wasserlinie (Grotten, Schluchten, Höhlen, Tore, Becken),  besonders schön gestaltet an der Meerenge El Río zwischen  Fuerteventura und der Insel Lobos.

Die Landschaft

Als älteste aller Kanareninseln zeigt Fuerteventura ein „fossiles“ Gesicht, weil jüngere Vulkantätigkeit ausgeblieben ist. Vulkanische Gebirge sind bereits stark zerfranst (zertalt), uraltes Tiefengestein findet sich neben oft schon eingeebneten Vulkankegeln, denen sich Sandwüsten zu­ gesellt haben, die nur zu einem geringen Teil aus der nahen Sahara von Passatwinden hier­ her verfrachtet wurden (Quarze), zum weitaus größten Teil Ergebnis des Zerfalls tierischen Lebens im Meer sind (Karbonate).

Unterschiedlich wird der Inselname gedeutet. Ein ständig wehender Passatwind unter­ stützt die Deutung ‘Fuerteventura’ als „heftig wehender Wind“. Andere Wissenschaftler neigen eher zur Glückstheorie und übersetzen ‘ventura’ mit „Glück“. Ins Reich der Fabel gehört der Ausruf des Inseleroberers Béthencourt bei seiner Landung 1404 auf Fuerteventura: „Que fuerte ventura“ („Welch großes Abenteuer“), wobei er sicherlich an seinen Eroberungs­Fehlversuch wenige Jahre zuvor dachte.

Flora und Fauna

Historische Aufzeichnungen belegen, dass Fuerteventura einst eine blühende Insel war. Wassermangel, Raubbau an den Wäldern und Überweidung durch Ziegen degradierten sie zur „Wüsteninsel“, auf der sich Dattelpalmen, Kandelaberwolfsmilch und Feigenkakteen standhaft gegen die Widrigkeiten der Natur stemmen.  Touristen registrieren dank­ bar, dass es auf der Insel keine Skorpione und Giftschlangen gibt. Gelegentlich überfallen Heuschreckenschwärme Fuerteventura und suchen die spärliche Inselvegetation heim; heute bekämpft man sie schon, wenn sie sich noch „im Anflug“ auf Fuerteventura befinden.

Geschichtliche Entwicklung

Fuerteventuras historische Entwicklung liegt (noch) weitgehend im Dunkeln. Geschichtsschreiber, die Zeitzeugen von Eroberungen, Überfällen, Versklavung und Zerstörung auf Fuerteventura wurden, haben sich kaum zu Wort gemeldet. Griechische Historiker der Antike sprachen überschwänglich von glücklichen Menschen auf paradiesischen Inseln, nur weiß bis heute niemand genau, ob damit die Kanarischen Inseln gemeint waren. Vermutlich waren schon die Phönizier aus dem östlichen Mittelmeerraum oder von ihren Niederlassungen in Nordafrika (Karthago) und auf den Balearen mit dem Nordostpassat bis zu den Kanaren gesegelt. Doch kamen diese ersten Siedler mit der Strömung des Nordostpassats aus dem Norden, also aus Spanien oder Portugal? Oder gar entgegen der vorherrschenden Meeresströmung aus Afrika? Von „großen Hunden“ berichteten römische Eroberer und nannten die Inseln nach ihnen Gran Canaria. Funde bestätigen die Anwesenheit der Römer auf den Kanaren etwa um die Zeitenwende.

Nach den Römern fand nach heute gesicherter Gelehrtenmeinung eine Besiedelung der Inseln von Nordwestafrika aus statt. An dieser Erkenntnis zweifelt heute eigentlich niemand mehr, zu stark sind die Ähnlichkeiten der entstehenden Guanchenkultur mit Merkmalen (Hausbau, Sprache, Aussehen, Kultsymbole) aus dem Siedlungsraum der Berber.

Doch wie gelangten Siedler aus Nordafrika auf die Kanaren, wo doch die ersten dort auftauchenden Europäer keine Boote oder gar Schiffe vorfanden? So manches Rätsel um Fuerteventura und seine Nachbarinseln ist bis heute nicht gelüftet. Auch die Kultur der Altkanarier (Guanchen) ist nicht endgültig erforscht, gab es doch fast keine schriftlichen Aufzeichnungen, auf die sich Historiker aus dem Mittelmeer­ raum stützen konnten.

Im Zuge des Aufbruchs zu unbekannten Welten setzte 1312 der Genueser Lancelotto seinen Fuß auf den Boden Lanzarotes. Ihm folgte dort­ hin 1402 der normannische Eroberer Jean de Béthencourt, der wegen zu starken Wider­ stands der Ureinwohner die Eroberung von Fuerteventura bis ins Jahr 1405 verschob. Dabei stieß er auf zwei Insel-­Königreiche (Maxorata und Jandía), die durch eine etwa 5 km lange Steinmauer an der Landenge „Istmo de la Pared“ voneinander getrennt waren. 1406 übertrug der Normanne alle Verwaltungsbefugnisse auf seinen Neffen Manciot, der sich jedoch bald als Ausbeuter der eroberten Inseln und seiner Ureinwohner entpuppte und vom kastilischen Königshaus 1418 verbannt wurde.

Auch mit den Nachfolgern im Amt hatte der König keine glückliche Wahl getroffen, denn auch diese „Señores“ beuteten Fuerteventura aus. Tyrannenmorde gehörten in diesen unruhigen Zeiten auf den Kanarischen Inseln schon fast zur Tagesordnung. Zusehends vermischte sich die Urbevölkerung mit normannischen und spanischen Siedlern.

1496 wurden die Kanarischen Inseln dem neu entstandenen Königreich Spanien (1469) eingegliedert. Unter der spanischen Krone verbesserten sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung („Majoreros“) nicht wesentlich. Im 16. bis 18. Jahrhundert setzten Piratenüberfälle, Verschleppungen in die Sklaverei und Trockenperioden  der verbliebenen Bevölkerung hart zu. Zwischen 1570 und 1750 taten sich besonders die Araber als Sklavenjäger auf Fuerteventura hervor. In der berühmten „Schlacht von Tamacite“ wehrten sich 1740 beherzte Insulaner erfolgreich gegen britische Freibeuter. 1836/1837 brachte eine Verwaltungsreform mehr Rechte für die Kanarischen Inseln, der Feudalismus (Señorio­ Statut) war auf dem Rückzug, auch die Bevölkerung Fuerteventuras nahm nach Überwindung der Lehnsherrschaft ihr wirtschaftliches Schicksal verstärkt selbst in die Hand. Unterstützt wurden diese Bestrebungen durch Einrichtung der Kanareninseln als Freihandelszone (1852).

Dass Fuerteventura im 19. und 20. Jahrhundert als Verbannungsinsel missbraucht wurde, störte die Bewohner wenig, sie profitierten eher davon, indem sie sich mit den Verbannten arrangierten. Unrühmlich hervorgetan hat sich nach 1923 besonders die Diktatur Primo de Riveras in Spanien, die zu einem Stillstand der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Kanaren führte. Seit 1927 gehört Fuerteventura zur neu gebildeten Provinz Gran Canaria.  Während der Franco­-Diktatur war es nicht mehr möglich, durch Auswanderung wirtschaftlicher Not zu entgehen. Ende der 60er ­Jahre des 20. Jahrhunderts brachte das Einsetzen eines zaghaften Tourismus neue Lichtblicke ins Inselleben, bescherte der Insel aber auch eine steigende Zahl touristischer Bauruinen.

Die Wirtschaft

In der Antike waren wohl schon die Phönizier auf die Bestände an Orchilla-Flechten aufmerksam geworden, die damals zur Herstellung von Farben verwendet wurden. In dieser Tradition stand die Züchtung der Koschenille-Laus auf Feigenkakteen vom frühen bis ins späte 19. Jahrhundert, als die synthetische Herstellung 8 von Anilin die Gewinnung von Karminrot aus Läusen überflüssig machte. Schon im 16. Jahrhundert lieferte Lavendel blau en Farbstoff, doch auch diese Produktion wurde durch chemische Herstellung abgelöst.

Die Gewinnung von Bodenschätzen spielt auf Fuerteventura kaum eine Rolle. Bedeutung erlangt haben die Abbaufelder von Lavagestein am Vulkan Tindaya nahe dem gleichnamigen Ort und südlich von Corralejo. Was der Fischfang an Erträgen abwirft, vermarkten die Fischer selber. Viehwirtschaft (Ziegen) wird extensiv in bäuerlicher Eigenarbeit betrieben und trägt zur weiteren „Verkarstung“ der Insel bei, die ohnehin kaum nennenswerte Vegetation aufweist.

Beim Anbau von Gemüse nimmt die Tomate, Fuerteventuras einziger Exportschlager, eine herausragende Position ein. Anlagen zur Meerwasserentsalzung, die allein den Wasserbedarf der Insulaner und Touristen nicht decken können, stehen bei Corralejo, Morro Jable und Puerto del Rosario. Unterm Strich also eine äußerst bescheidene wirtschaftliche Bilanz der „Wüsteninsel“. So ist es nicht verwunderlich, dass man auf Fuerteventura auch auf den Tourismus setzt, der schon jetzt vier von fünf Arbeitsplätzen sichert und der inselverträglich ausgebaut werden soll.

Die Insel-Küche

Wasserknappheit herrschte auf Fuerteventura schon immer. Doch bereits die Altkanarier stellten sich den Widrigkeiten der Natur und entwickelten raffinierte Methoden, um das kostbare Nass zu gewinnen und zu speichern. Heute sorgen auch Meerwasserentsalzungsanlagen für das lebenswichtige Wasser. Der Insulaner unserer Tage muss keinen Hunger mehr leiden, doch können viele Gerichte, die zu Hause oder im Lokal auf den Tisch kommen, ihren Ursprung in kargen Zeiten nicht leugnen. Erfindungsreichtum hat aus manchem Nahrungsmittel wahre Leckerbissen gezaubert.

Allen voran steht der „Gofio“, schon zur Guanchenzeit Grundnahrungsmittel und auch heute immer noch nicht wegzudenken aus der inseltypischen Küche. Gofio aus geröstetem und gemahlenem Weizen und Mais findet als Mehl bei vielen Gerichten Verwendung, aber auch als Brei aus einer Mischung aus Mehl, Gewürzen und flüssigen Zutaten. Noch heute wird manches Gericht, vor allem Fisch, mit einer Salzkruste schmackhaft gebacken. Aus diesen Beizen (adobos), die in reichhaltigen Variationen entstanden, entwickelten sich Soßen (mojos) aus Essig, Öl, Kräutern, Knoblauch und Gemüsen, die der kanarischen Küche das gewisse Etwas verleihen. Vieles, was Schwein, Rind, Geflügel oder Kaninchen hergeben, landet in solchen Beizen. Oder was wäre so mancher Fisch ohne eine Salzkruste? Sogar der Kartoffel (papas) bleibt das Salzbad nicht erspart. Runzlig und mit einer Salzkruste überzogen findet sie sich auf den Tellern von Einheimischen und Touristen wieder. Nur nicht beim Verzehr von „Papas arrugadas“ die Schale entfernen!

Verdorben ist dem Majorero sicherlich trotz Salzlake und Beize unter der im Sommer brennenden Son ne so manche Speise, absichtlich verkommen lassen hat er nie etwas. Dafür war der tägliche Existenzkampf zu hart. Also bereicherte alles, was sich während der Woche an Essensresten angesammelt hatte, den beliebten Inseleintopf (ropa vieja), heute nennt er sich etwas vornehmer „Puchero“ oder „Rancho canario“. Auch mancher Fisch endet im Eintopf und isst sich zum Beispiel als „Sancocho canario“ ganz vorzüglich. Keineswegs nur eine Vorspeise muss die „Potaje“ sein, eine Suppe aus frischem Gemüse von der Insel.  Vom spanischen Festland kommen die in fast jeder Bar erhältlichen „Tapas“, ein kleiner, aber einfallsreicher Imbiss. Den kleinen Hunger stillt auch schon mal ein Ziegenkäse (queso de cabras), appetitlich garniert mit Salami und Tomaten.  Bei sommerlicher Hitze ist die Nachfrage nach Mineralwasser groß, das meist in Flaschen mit Kohlensäure (con gas) oder ohne (sin gas) serviert wird. Ein „Café solo“, der spanische Espresso, rundet ein gutes Mahl ab. Viel Milch bereichert den „Café con leche“, wenig Milch färbt kaum den „Café cortado“ weiß. Vielleicht dann lieber gleich einen „Carajillo“, einen mit Cognac kräftig durchsetzten Espresso? Und für die Kinder ein „Bonbon gigante“, eine süße Nachspeise!