Bei Unfällen in den Bergen gilt als erstes das, was bei allen anderen Unfällen auch gilt:

Ruhe bewahren!

Das klingt banal und ist stets leicht gesagt – ist in der emotionsgeladenen Praxis dann aber doch nicht immer so selbstverständlich. Deswegen ist es enorm wichtig, bereits eine Vorstellung vom Ablauf im Notfall zu haben. Je mehr dieser verinnerlicht ist, desto besser. Denn dann könnt ihr euch auch in dem emotionalen Zustand während eines Unfalls daran orientieren.

Die erste Reaktion

Die Lage muss rasch und richtig eingeschätzt werden, sodass entsprechend gehandelt werden kann. Als erstes müsst ihr die akute Gefahr berücksichtigen:

  • Besteht direkte Lebensgefahr, Bewusstlosigkeit oder eine schwere Verletzung?

Dazu kommen die äußeren Umstände:

  • Sicherung gegen (weitere) Abstürze, Lawinen, Steinschläge – der Gefahrenbereich muss beurteilt und dem Verletzten aus diesem herausgeholfen werden.

Wenn keine akute Gefahr besteht, kann der Notruf gemacht werden. Natürlich sollte dieser bei Bedarf so früh wie möglich erfolgen. Allerdings niemals auf Kosten der Berücksichtigung unmittelbarer Gefahren! Und generell gilt natürlich: Auch als Retter solltet ihr euch niemals selbst in Lebensgefahr begeben!

Die absolut erste Hilfe

Das Wichtigste für den schlimmsten Fall sind lebensrettende Sofortmaßnahmen. Dafür ist folgender Ablauf wichtig:

  • Ist das Unfallopfer bei Bewusstsein? Lässt es sich durch Ansprechen oder leichtes Berühren, Schütteln oder Kneifen wieder zu Bewusstsein bringen?
  • Wenn nicht, Prüfung der Atmung: Person vorsichtig auf den Rücken drehen, Mund öffnen, den Kopf leicht überstrecken und etwa zehn Sekunden lang auf Atemgeräusche, Brustbewegung, Luftstrom oder Puls prüfen.
  • Wenn ja: Anwendung der stabilen Seitenlage
  • Wenn nein: Durchführen der Herz-Lungen-Wiederbelebung

Der Notruf

Ein Notruf muss nicht nur bei schweren Verletzungen, die dringend behandelt werden müssen oder die es dem Bergsteiger unmöglich machen, sich weiter fortzubewegen, gerufen werden. Darüber hinaus kann professionelle Hilfe auch ohne schwere Verletzungen sinnvoll sein. Wenn man z. B. durch einen Rutsch oder Sturz in eine Lage geraten ist, aus der man selbst nicht herauskommt. Das gilt auch für einen etwaigen Helfer, der besser den Notruf betätigt, als sich selbst in Lebensgefahr zu begeben.

Die europaweite Notrufnummer ist die 112.

Inhaltlich orientiert ihr euch an den „fünf W“:

  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Was genau ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzungen?
  • Warten auf Rückfragen

Dabei sollten die einzelnen Punkte so genau wie möglich beantwortet werden. Bezüglich des Ortes können ggf. GPS, die Wanderkarte oder bei modernen Smartphones auch die Ortungsfunktion hilfreich sein. Wichtig: Nach dem Notruf sollte nicht telefoniert werden, um den Akku zu schonen und Rückrufe der Helfer entgegen nehmen zu können.

Der Notfall-Notruf: Das Alpine Notsignal

Falls keine Telefonverbindung möglich ist, könnt ihr das Alpine Notsignal verwenden. Dieses kann in Pfiffen, Rufen oder Lichtsignalen nach folgendem Muster bestehen:

6x alle zehn Sekunden ein Signal – Pause von einer Minute – Wiederholung.

Die Antwort besteht in 3x alle zwanzig Sekunden ein Signal, Pause und Wiederholung.

Die Notfallapotheke im Rucksack

Folgendes sollte zur Minimalausstattung jedes Bergsteigers gehören:

  • großes Pflaster-Sortiment
  • elastische Binde
  • sterile Kompressen
  • Verbandspäckchen
  • Tape
  • Dreieckstücher
  • Einmalhandschuhe
  • kleine Schere + Pinzette
  • Rettungsdecken
  • ein Desinfektionsmittel

Optional, aber schon empfehlenswert:

  • SAM-Splint (Alu-Polsterschiene)
  • Verletzungssalben
  • evtl. Schmerzmittel

Diese Notfallapotheke deckt die häufigsten Unfallverletzungen ab.

Der Erste-Hilfe-Kurs

Allerdings bedarf es für echte erste Hilfe natürlich auch das nötige Wissen (etwa die Anwendung der Herz-Lungen-Wiederbelebung). Deshalb ist es für Bergsteiger auf jeden Fall sehr ratsam, den Erste-Hilfe-Kurs stets aufzufrischen, um den Inhalt auch in stressigen Ausnahmesituationen parat zu haben. Doch auch, wenn das nicht der Fall ist, gilt: Selbst ein schlechter Hilfeversuch ist besser als gar keiner. Und mit diesem hier skizzierten Grundablauf habt ihr auch dann zumindest einen Fahrplan, der an dem ihr euch orientieren könnt.

 

 

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