Wir haben die besten Tipps zusammengetragen, die euch das Leben auf dem Jakobsweg, das durchaus seine eigenen Regeln hat, erleichtern und euch helfen wird, die vielen Kilometer gesund und munter hinter euch zu bringen. Vergegenwärtigt euch sich immer, dass euer Vorhaben, den Camino zu begehen, etwas anderes ist als eine gewöhnliche Sonntagswanderung. Plant daher aus Zeit-Gründen nicht dreißig Kilometer pro Tag, wenn eure Kondition vielleicht nur zwanzig hergibt. Und bedenkt bei euren Zeitberechnungen, dass man auf den letzten Tages-Kilometer oft langsamer läuft.

Das Credencial

Besorgt euch ein „Credencial“ bei einer der Jakobusgesellschaften, zum Beispiel bei der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft in Aachen oder einer der anderen Jakobusgesellschaften oder spätestens an der spanischen Grenze. Das ist ein täglich in den Albergues abzustempelndes Wanderpapier, das euch als Peregrino/a ausweist. Versucht erst gar nicht, ohne dieses Papier in die sehr preiswerten Herbergen, genannt Albergues (etwa sechs bis zehn Euro pro Nacht, manchmal sogar kostenlos) hineinzukommen.

Gewicht des Rucksacks

Der Rucksack sollte voll gepackt nicht mehr als höchstens acht bis zehn Kilogramm wiegen. Unterwegs kommen unvermeidlich noch mal zwei oder drei Kilo durch Wasser und Verpflegung hinzu. Das drückt auf Schultern, Wirbelsäule, Knie und Füße. Also jedes Gramm einsparen. Ganz ernsthaft: Jedes Gramm! Was ihr nicht wirklich benötigt, bleibt zu Hause! Eure Gesundheit, speziell eure Füße und der Rücken, werden es euch danken. Ihr benötigt zwei Sätze Kleidung, falls ihr noch Platz im Rucksack habt, besser sogar drei. Eine Garnitur tragt ihr am Körper, zwei Sätze kommen in den Rucksack. Mehr nicht, denn ihr werdet unterwegs die Möglichkeit haben, eure Klamotten zu waschen. Achtet einfach auf eine wetterfeste, leichte und platzsparende Kleidung. Überflüssig sind Straßenschuhe. Einfache (und damit leichtere) wasserfeste Latschen, geeignet für die Dusche, tun es nach Ende des Wandertages auch.

Praktische Kleinigkeiten

Zwei (nicht ein!) längenverstellbare Stöcke. Sie helfen in Furten und halten beim Gehen die gesamte Oberkörpermuskulatur in Bewegung. Ihr werdet sehen, eure Finger schwellen nicht mehr an (Wasseransammlungen). Sonst sind sie abends regelmäßig dick… Schon einmal darauf geachtet?

Ein, zwei Päckchen Toilettenpapier wären nicht schlecht, falls „es“ einen unterwegs einmal überkommt. Außerdem: Nicht in jeder Herberge gibt es Papier. Es reicht ein Notvorrat. Wäscheklammern, sind nötig! Denkt daran: Ihr wascht täglich, mindestens alle zwei Tage. Ein Dutzend Plastikklammern und eine fünf Meter lange, dünne Plastikkordel als Leine. Praktisch am Rucksack sind vier oder sechs metallene Gardinenklammern. An denen kann man alles Mögliche befestigen, etwa vorübergehend den Hut, ein Paar noch feuchte Strümpfe, ein nasses Handtuch, ein gewaschenes Hemd… Geschirr bleibt zu Hause, aber ein Klappmesser und vielleicht ein Alu-Becher sind praktisch im Gepäck.

Handtücher

Mitnehmen muss man auch Handtücher. Frottee ist jedoch schlecht, da erstens schwer und zweitens nur langsam trocknend. Nehmt stattdessen Fleece: Das wiegt fast nichts und ist am nächsten Morgen trocken. In Hotels sind zwar Handtücher vorhanden, in jedoch Albergues nicht.

Auch auf dem Jakobsweg sollte man den Rucksack so leicht wie möglich packen

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Schuhwerk für die lange Wanderung

Die Meinungen sind geteilt: Besonders junge Leute nehmen gern Sandalen, ältere Wanderprofis tragen meistens knöchelhohe High-Tech-Stiefel. Es macht wenig Spaß, verschlammte, von Kühen zertrampelte und verdreckte Hohlwege oder felsige Bergstrecken in Straßenschuhen oder Riemchentretern begehen zu müssen. Turnschuhe sind sowieso auf steinigen Wegen bald durchgelaufen und dann Schrott. Vor allen Dingen schützen knöchelhohe Wanderstiefel oftmals vor Umknicken beim Stolpern – und das allein ist schon ein unbedingter Grund. Auch hier gilt: Teuerstes High-Tech-Schuhwerk ist billiger als eine unvorhergesehene Rückreise wegen verstauchter Füße oder gebrochener Knöchel. Kauft die Stiefel etwas größer als eure Schuhgröße und polstert sie dann mit zwei übereinander gelegten Kohlefasersohlen aus. Es ist ratsam, sich im spezialisierten Sportgeschäft zu informieren. Das gilt auch für die Strümpfe, die zum Langstreckenwandern andere Qualitäten haben müssen als zum Stadtspaziergang.

Wasservorrat

Was ihr dringend braucht, ist genügend Wasservorrat für unterwegs. Ihr solltet mit zwei bis drei Litern rechnen, denn ihr schwitzt auf eurer Wanderung Unmengen Flüssigkeit aus. Wenn ihr diese nicht zeitnah ersetzt, seid ihr mit eurer Kondition viel schneller am Ende. Eine kleine 0,2-Liter-Flasche nützt auf einer zwanzig Kilometer langen Etappe ohne Wasserstelle nicht viel. Ohne ausreichend Flüssigkeitszufuhr seid ihr weniger leistungsfähig, als ihr es sein könntet und bei Hitze kann das lebensbedrohlich werden. Nehmt aus Gewichtsgründen eine leichte Trinkflasche eurer Wahl mit. Ein leichter, kleiner Becher dazu ist praktisch, um unterwegs aus den Brunnen zu trinken.

Zusätzliche Ausrüstung

Extrem wichtig: Heller Hut + Sonnencreme gegen die mitunter erbarmungslose spanische Sonne sowie vielleicht noch ein Gore-Tex-Regenhut mit breiter Krempe. Zwei Tage Schnürlregen machen ohne wasserdichte Kopfbedeckung noch weniger Spaß als solch ein Regentag ohnehin. Außerdem sollte eurer moderner Tourenrucksack einen Regenschutz (Raincover) haben. Es ist schlimm, wenn abends der Schlafsack durchnässt ist! Packt den Schlafsack sicherheitshalber zusätzlich in eine stabile Plastiktüte, so bleibt er garantiert trocken.

Wichtig ist auch eine Jacke für die verregneten Tage. Federleicht und wind- und wasserdicht, so soll sie sein. Ein leichter Poncho ist bei Dauerregen nicht zu verachten. Aber leicht muss er sein und atmungsaktiv sollte er sein. Gerade an warmen Tagen, wenn es zu regnen anfängt, ist es unter einer geschlossenen Jacke oft zu heiß und man fängt an zu schwitzen.

Wanderapotheke

In eurer Wanderapotheke sollten unter anderem eine elastische Binde mit Klammern, mehrere Blasenpflaster, Fußpilzmedikament, Schmerzmittel und Durchfallmedikament sowie persönliche Pillen vorhanden sein. Auch hier gilt natürlich: Nichts Überflüssiges einpacken. Apotheken gibt es in Spanien reichlich, selbst in kleineren Orten wenn natürlich auch nicht in jedem Dorf.

Telefon

Öffentliche Telefone, an denen man mit 50-Cent-Münze, der Ländervorwahl, z.B. 0049 + Ortsvorwahl ohne Null + Rufnummer telefonieren kann, gibt es in Spanien reichlich. Daher kann man das Handy (+ Gewicht des Ladegeräts!) am besten zu Hause lassen. Andererseits könnet ihr mit einem Handy bei einem Sturz oder einem anderen Unfall in der Wildnis um Hilfe rufen. Den Notruf erreicht ihr überall in Spanien unter 112.

Orientierung

Der Jakobsweg ist so gut markiert, dass jegliches Navigationsgerät überflüssig erscheint und man das Gewicht ruhig sparen kann. Der KOMPASS-Wanderführer Jakobsweg (Spanien) mit seinen Wegebeschreibungen und Wanderkarten sollte reichen, ist allerdings auch wegen der Infrastrukturangaben wichtig. Wenn ihr im Gelände einmal nicht wisst, ob ihr rechts oder links gehen sollt, betrachte´t aufmerksam den Boden. Die Abdrücke von Wanderschuhen und Fahrradreifen weisen in den meisten Fällen unweigerlich in die richtige Richtung.

Anreise zum Jakobsweg

Sofern ihr nicht nach Bilbao oder Toulouse, oder auch Pamplona fliegen wollt, nehmt ihr den ICE + Thalys nach Paris, fahrt dort mit der Metro oder einem Taxi für wenig Geld zum Gare d’Austerlitz, besteigt den reservierungspflichtigen Nachtschnellzug nach Pau und steigen dort in einen Regionalzug nach Oloron-Ste.-Marie. Vor dem Bahnhof wartet schon ein Bus zum Somport-Pass. Das Ticket dafür gibt es im Bus. Dieser bringt euch fünfunffünfzig Kilometer weit zur Grenze in 1.640 Metern Höhe, sofern ihr diese Höhe nicht selbst erklimmen wollen (etwa drei Tagesetappen). Nach St. Jean-Pied-de-Port steigt man in Bayonne aus (sowohl von Paris als auch von Toulouse kommend) und dort in den Regionalzug.