An der Stirnseite riesiger Eiszeitgletscher formten abfließen de Schmelzwasser breite Abflussrinnen, wie zum Beispiel das Baruther Urstromtal. Von Süden her spülte die Spree einen breiten Schwemmsandfächer in dieses Urstromtal und büßte dabei ihr Bett ein, denn die Spreewasser verzweigten sich rasch auf den leicht zu erodierenden Schwemmsanden in viele kleine Arme, die Fließen. Mit dem Bau von Kanälen und Gräben trug der Mensch zur starken Verästelung in diesem Binnendelta bei. Auf den kleinen Talsandinseln („Kaupen“) entwickelten sich die spreewaldtypischen Streusiedlungen, allen voran Burg.

In der Weichseleiszeit vor rund 20.000 Jahren sowie bei den nacheiszeitlichen Sedimentations- und Moorentstehungsvorgängen bildeten sich die Böden des Spreewalds. Es entstanden ausgedehnte Niedermoorbereiche mit hohem Grundwasserstand. Besonders entlang der Fließe lagerten sich lehmig-sandige Auensedimente ab.

Flora und Fauna des Spreewalds

In den extrem feuchten Niedermoorbereichen wächst Erlenbruchwald, vornehmlich die Nässe liebende Schwarzerle. Seggen bestimmen hier den Bewuchs des Bodens, aber auch Gilbweiderich und Gelbe Schwertlilie sind zu finden. Der Erlenbruchwald bietet Kranich, Waldwasserläufer und Schlagschwirl ideale Lebensbedingungen. Auf sehr feuchten Standorten mit sandig-lehmigen Auensedimenten gedeiht Eschenwald, mit hervorragenden Wachstumsbedingungen im Unterspreewald. In diesem Waldtyp blühen im Frühjahr Anemone, Scharbockskraut, Milzkraut, Gemeiner Schneeball und Wilde Johannisbeere.

Zur Esche gesellen sich auch Erle, Ulme und Stieleiche; der bekannte Erlenhochwald entstand allerdings durch gezielte Aufforstung vor gut 100 Jahren. Auf höher gelegenen Talsanden mit einem niedrigeren Grundwasserspiegel entwickelte sich ein Stieleichen-Hainbuchenwald, heute großflächig fast ausschließlich auf den Unterspreewald (zwischen Schlepzig und Krausnick sowie im Kriegbusch) beschränkt. Hier blühen im Frühjahr Buschwindröschen, Scharbockskraut, Platterbse und Leberblümchen. In dieser langlebigen, stabilen Waldgesellschaft sind Schwarzstorch und Seeadler heimisch.

Eine Fahrt mit dem Kahn gehört beim Besuch des Spreewalds dazu

TMB-Fotoarchiv/Martina Göttsching

Dank kleinklimatischer Besonderheiten (hohe Luftfeuchtigkeit) konnten sich auf den am höchsten gelegenen Talsandinseln des Unterspreewaldes Buchenwälder ausbilden; wegen ihres dichten Blätterdachs ist die Bodenvegetation spärlich. Als Folge menschlicher Eingriffe hat sich in den Randbereichen der Spreewaldniederung die Kiefer angesiedelt.

Geschichte des Spreewalds

Die in der Völkerwanderungszeit umherziehenden germanischen Stämme konnten auch in der Lausitz nicht sesshaft werden, gaben alsbald ihre Siedlungsplätze, von denen nur spärliche Funde zeugen, wieder auf und zogen weiter oder vermischten sich in Teilen mit den nachrückenden slawischen Stämmen. Ab dem 6. Jh. besiedelten die „Lusici“, die der Lausitz ihren Namen gaben, das entleerte Land und betrieben friedlich Ackerbau und Fischfang, bis sie ab dem 10. Jh. von deutschen Siedlern, die im Zuge der Ostkolonisierung und Christianisierung in die slawischen Siedlungsgebiete vorstießen, bedrängt wurden. Zumindest in der Lausitz verlief die „Kolonisierung“ und Missionierung ohne große kriegerische Auseinandersetzungen: Slawen und frühdeutsche Siedler richteten sich nebeneinander ein und respektierten einander. Nur so konnten sich die Sorben, die Nachfahren der „Lusici“, bis heute in ihrem angestammten Siedlungsgebiet behaupten.

Zur Siedlungsgeschichte des Spreewaldes

In frühgeschichtlicher Zeit war der Spreewald nur sehr dünn besiedelt. Erst mit der „Lausitzer Kultur“ (1500 – 400 v. Chr.) sind bedeutendere Siedlungsplätze nachweisbar, die alle befestigt waren, wie der „Barzlin“ bei Lübbenau und der „Schlossberg“ bei Burg. Die in der Völkerwanderungszeit abgezogenen Germanenstämme haben kaum Spuren hinterlassen, da für umso mehr der im 8. Jh. nachrückende Slawenstamm der „Lusici“, dem die Lausitz ihren Namen verdankt.

Etwa 40 Wallburgen (Rundwälle) entstanden zwischen dem 8. und 10. Jh., bevor deutsche Siedler zunehmend ab dem 11. Jh. diese Befestigungswerke übernahmen oder in ihrer Nähe eigene Burgen bauten. Erste Städte wurden am Rande des „Waldes der Spree“ gegründet, wie es in einer Urkunde von 1328 heißt. Die slawische Urbevölkerung kultivierte den „bhus“ (noch heute nennen Einheimische den Spreewald „Pusch“), die deutschen Siedler betrieben in den Städten Handwerk, Handel und Gewerbe. Vornehmlich die Leinweberei, basierend auf dem reichlich im Spreewald wachsenden Flachs, gelangte zu hoher Blüte, bis die einsetzende Industrialisierung Mitte des 19. Jh. dieses Gewerbe fast völlig zum Erliegen brachte. Mit dem Bau von Bahnlinien und von Reisebeschreibungen erlangte der Spreewald gegen Ende des 19. Jh. einen so hohen Bekanntheitsgrad, dass sich die bäuerliche Lebensweise allmählich wandelte – aus dem Bauer wurde der Fährmann.

Heute sind nur noch wenige bäuerliche Anwesen rein landwirtschaftlich orientiert, oft dient der Tourismus als Haupterwerbsquelle. Es wird zunehmend problematischer, die Landschaft zu pflegen und die überkommene Siedlungsstruktur zu erhalten. Eine wesentliche Unterstützung, diese Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren, erhofft man sich nicht zuletzt durch die Anerkennung des Spreewalds als UNESCO-Biosphärenreservat.

Naturpark Dahme-Heideseen

Die zahlreichen Gewässer und die ausgedehnten Wälder geben dem Naturpark Dahme- Heideseen sein besonderes Gepräge. Die Dahme als Namenspatin durchquert das Großschutzgebiet von Süd nach Nord. Ab Staakmühle schlängelt sie sich in windungsreichem Lauf bis Märkisch Buchholz. Ab hier wird die Dahme durch den Spree-Dahme-Umflutkanal zusätzlich gespeist und fließt langsam gen Norden. Ab Prieros reihen sich an ihr mehrere Seen wie an einer Perlenschnur auf. Zwischen seenartigen Erweiterungen und schmalen Flussabschnitten bietet die Dahme eine ungewöhnliche Landschaftsvielfalt. Fern von der Hektik der Großstadt und doch nahe bei Berlin lassen sich viele idyllische Winkel entdecken: zauberhafte Quellen, wie das Klingespring am Tornower See, die Quellen am Springsee, anmutige Wiesenlandschaften, wie z. B. im Dahmetal bei Freidorf, obstbaumgesäumte Wege und Felder, z. B. auf der Streganzer Hochfläche. Doch die Landschaft ist nicht immer lieblich, sondern auch von herber Schönheit: karge Kiefernwälder auf Dünen, urtümliche Erlenbruchwälder, unzugängliche Schilf- und Seggenbestände. Die Luchgebiete, wie z. B. nördlich von Storkow, besitzen bei nebligem Wetter nahezu mystische Kraft. Gerade im Wechsel zwischen Dünen-, Wald- und Moorlandschaften liegt der besondere Reiz des Gebietes. Die Landschaft des Dahme-Heideseen-Gebietes bezaubert nicht nur durch ihre Attraktivität und Vielgestaltigkeit, sondern auch durch ihre Tier- und Pflanzenwelt. Nicht wenige seltene oder vom Aussterben gefährdete Arten kommen hier vor. Die Besiedlung des Dahme-Heideseengebiets reicht bis in die Steinzeit zurück. Wie Ausgrabungen bei Klein Köris beweisen, war die Gegend im 6. Jh. von Germanen bewohnt. Sie wurden nach der Völkerwanderung von westslawischen Wenden abgelöst, die Rundlingsdörfer wie Streganz und Pätz gründeten. Ihre Siedlungen legten sie wegen der Fischgründe meist am Rand von Gewässern an. Deutsche und holländische Feudalherren kolonisierten im 12. Jh. das Gebiet. Die Burgen Storkow und Teupitz wurden errichtet und es entstanden Rodungsdörfer. Der Wald gewann, neben Landwirtschaft und Fischerei, zunehmend an Bedeutung für Wei- de und Jagd, Holzgewinnung und Teerschwelerei. Die Fließe wurden ausgebaut, um auf ihnen Holz und Sägemühlen nutzen zu können. Die Friderizianische Kolonisation im 18. Jh. hinterließ Namen wie Philadelphia und Neu Boston – Dörfer in der großen Sumpflandschaft nördlich von Storkow. Später war es vor allem die Ziegelindustrie, die der Region zu einem Aufschwung verhalf. Mit dem Wunsch „Raus in’t Jrüne“ entdeckten die Großstädter zu Beginn des 20. Jh. den Landstrich für die Erholung und Entspannung. Ab 1920 entstanden vor allem entlang der Dahmegewässer neue Einfamilien- und Wochenendhaussiedlungen, Hotels, Zeltplätze und Ferienanlagen.

Farradfahrer unterwegs auf dem Gurkenradweg im Spreewald

TMB-Fotoarchiv/Paul Hahn

Natur erleben heißt im Naturpark Dahme-Heideseen zunächst Ruhe tanken. Wie von selbst verscheucht die ruhige Bewegung des Wassers bei den beliebten Paddeltouren die Alltagshektik. Ebenso wirkungsvoll ist die Atmosphäre, die von den kleinen Städtchen und Gemeinden, in die man auf dem Landweg zu Fuß, mit dem Rad oder auch auf einer Kutschfahrt gelangt, ausgeht. Hier scheint die Uhr sich einfach noch etwas langsamer zu drehen. Im Frühling sind es die prächtig blühenden Wiesenpflanzen der Feuchtwiesen, die mit ihrer Vielfalt die Gäste anziehen. Der Sommer ist eindeutig die Hochsaison für den Naturpark Dahme-Heideseen. Die Seen sind beliebte Ziele zahlreicher Badegäste aus Berlin und dem brandenburgischen Umland. Dies ist auch die Zeit, wo selbst im Naturpark die ruhigen Ecken rar werden. Im Herbst locken die reichhaltigen Pilzvorkommen der ausgedehnten Wälder. Entgehen lassen sollte man sich auf keinen Fall das einzigartige Farbenspiel zwischen den tiefblauen Seen und den sie umgebenen Laubmischwäldern, die nun in unzähligen Gelb- und Rottönen leuchten. Im Winter sind die bizarren Bauernkiefernwälder besonders schön, wenn sie mit Schnee oder Reif bedeckt an Wintermärchen aus alten Zeiten erinnern.

Die Küche der Region

Oft war Schmalhans Küchenmeister im Hause des Märkers, denn der sandige Boden der Mark gab nicht viel Nahrung her. Nur zur Schlachtfestzeit im Winter war der Tisch reichlicher gedeckt, und was da hergestellt wurde, musste oft für viele Monate reichen. Die „Grützwurst“ ist ein solches Produkt aus ärmeren Tagen, wird aber auch heute noch gerne gegessen. Auch „Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl“ erinnert an nicht gerade wohlhabende Zeiten, ist als Speise gleichwohl heute noch überall begehrt. In den mit Zwiebeln und Kräutern gewürzten Quark drückt man ein Loch, gibt Leinöl hinein und dippt die Pellkartoffel ein – ein gesundes und nahrhaftes Essen. Leinöl ist aus der Küche des Spreewälders gar nicht wegzudenken, gedeiht doch der Rohstoff Flachs direkt vor der Haustür. Und was wäre die Spreewaldküche ohne Gurken, ob nun sauer eingelegt oder zu schmackhaften Gerichten verarbeitet? Den Genuss einer „Spreewälder Gurkensuppe mit Pökelrippchen“ oder das pikante Aroma einer „Schmorgurke“ (gewürzt und angereichert mit Speck und Zwiebelwürfeln) sollte sich kein Spreewald-Besucher entgehen lassen. Aber auch Kürbisse und Meerrettich gedeihen prächtig auf dem fruchtbaren Auelehm des Spreewaldes. Apfelmeerrettich und Meerrettichsoße passen gut zu Fisch aus heimischem Gewässer, der Kürbis gibt eine leckere süß-saure Nachspeise ab. So verfeinert der Meerrettich den „Hecht in Spreewaldsoße“ oder auch das „Hammelfleisch mit sauren Gurken und Zwiebel-Meerrettichsoße“.

Wasserwandern

Im Dahme-Spree-Land kann man auf vielen Seen, die durch natürliche und künstliche Wasserläufe miteinander verbunden sind, sowie auf den Fließen des Spreewaldes ideal wasserwandern. Leicht bedienbare Schleusen sind kein Hindernis.

Der 66-Seen-Wanderweg

Als einer der Hauptwanderwege Brandenburgs präsentiert der 66-Seen-Weg auf fast 400 km Länge dieses von Wald, Wasser und Kultur geprägte Land auf besonders eindrucksvolle Weise. In der Park- und Schlösserlandschaft Potsdams beginnt und endet dieser Rundwanderweg um Berlin, der weitab der Hauptstadt durch eine eindrucksvolle Vielfalt unter- schiedlicher Landschaftsformen führt. Laub-, Misch- und Nadelwälder, Auwald- und Sumpfgebiete wechseln sich ab mit offenen Feld- und Wiesenflächen. Obstplantagen, Pferdekoppeln, Rinderherden, kleine Dörfer mit mannigfaltiger Kleinlandwirtschaft sind ebenso zu erleben wie Orte, die durch Parkanlagen und Gärten geprägt sind.

Die Route, die man in 17 Etappen laufen kann, folgt den Ufern der bekanntesten Flüsse Brandenburgs, der Spree und Havel, erreicht sogar die Nordspitze des Spreewaldgebietes und präsentiert eine Vielzahl kleinerer Fließgewässer: Gräben, Kanäle, Bäche und kleine, kaum bekannte Flüsschen. Der Titel dieser Wanderroute stellt das Einmalige heraus. Von den über 3000 Seen Brandenburgs erlebt der Wanderer mehr als nur 66 Seen. Einige sind still und verborgen in den Wäldern versteckt und nur zu Fuß erreichbar, andere zeigen die Fülle der Freizeitgestaltung, die das Wasser ermöglicht. Einige sind klar und offen und laden zum Baden ein, andere wirken mit Seerosen abgedeckt oder versumpften Uferbereichen oder dunklem Wasser fast unheimlich. Dabei wird auch der mit 12 km Länge größte See Brandenburgs, der Scharmützelsee, erreicht und das prominente Bad Saarow. Die größten Findlingssteine, Aussichtstürme, Wasser- und Windmühlen und eine Vielzahl von Bauten, die aus Feldsteinen errichtet wurden, bilden neben der Fülle der Fauna und Flora immer wieder abwechselnde und eindrucksvolle Wandererlebnisse. Die gesamte Route ist in Teilstrecken mit günstigen Verkehrsanbindungen und Übernachtungsmöglichkeiten wanderbar.