Geländedarstellung auf einer Wanderkarte

Was bedeuten eigentlich die Höhenzahlen auf einer Wanderkarte und wie findet man heraus, welche Vegetation auf der Karte eingezeichnet ist? Hier findet ihr die Antworten auf eure Fragen rund um Wanderkarten.

Um die dreidimensionale Landschaft auf einer zweidimensionalen Wanderkarte realitätsgetreu abbilden zu können, verwenden Kartografen Höhenzahlen, Höhenlinien und/oder die Schummerung. „Wir haben in Studien herausgefunden, dass Männer eher Höhenlinien bevorzugen, Frauen eher Höhenzahlen und Schummerung. Deshalb bilden wir alle drei Varianten ab“, sagt Michael Schröder, Leiter der Kartografie und Textredaktion der KOMPASS-Karten GmbH. So können Bergkuppe oder Talkessel vom Wanderer bereits bei der Planung einer Tour als solche erkannt werden. Um ein optimales Abbild der Natur zu schaffen, wird versucht, auch die Vegetation, die Gewässer und die Siedlungen so gut wie möglich darzustellen. Ein größerer Maßstab liefert dafür natürlich bessere Ergebnisse als ein kleiner, da detailgetreuer „abgezeichnet“ werden kann.

 

Höhenzahlen

Auf Wanderkarten befinden sich bei markanten Punkten wie Orten, Berggipfeln und Aussichtspunkten kleine Zahlen – sogenannte Höhenzahlen – die in Metern über der Normal-Null (NN) angegeben werden. Bezugspunkt für die Normal-Null ist der mittlere Meeresspiegel in Amsterdam.

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Tipp: Befindet sich der Ausgangspunkt Ihrer Wanderung auf 690 m und die Bergkuppe auf 1690 m, müsst ihr bis zum Gipfel 1000 Höhenmeter überwinden. Das wird – vor allem wenn ihr nicht sehr häufig trainiert – sehr anstrengend werden. Wer nicht regelmäßig wandert, sollte deshalb besser eine Tour wählen, auf der maximal 500 Höhenmeter überwunden werden müssen.

 

Höhenlinien

Um ein Gelände auf der zweidimensionalen Karte plastischer darstellen zu können, wird dieses theoretisch in gleichbleibend dicke Scheiben geschnitten. Diese Schnittlinien bezeichnet man als Höhenlinien. Farblich werden sie im Normalfall braun dargestellt, in Gletschergebieten blau. Den gleichmäßigen vertikalen Abstand zwischen den Höhenlinien nennt man Äquidistanz. Jeder Wanderkarten-Verlag variiert die Äquidistanz je nach Maßstab beziehungsweise Geländeprofil. Je flacher das Gebiet, desto geringer die Äquidistanz. Angeführt wird sie in der Legende.

Tipp: Möchtet ihr bei der Planung einer Wandertour die Höhenmeter ermitteln, welche zwischen zwei Punkten (z. B. Bergfuß bis Bergkuppe) zurückgelegt werden müssen, ist es notwendig, die Höhenlinien zu zählen und mit dem Wert der Äquidistanz zu multiplizieren. Daraus ergibt sich die Höhendifferenz in Metern.

Um das Höhenliniensystem übersichtlicher zu gestalten, werden Höhenlinienzahlen eingesetzt. Sie geben Aufschluss darüber, wo das Gelände fällt oder steigt, denn im Regelfall werden sie so platziert, dass sie in Richtung der Geländesteigung lesbar sind. Die Höhenlinienzahlen werden in Metern angegeben und richten sich nach der Normal-Null (NN), welche sich auf den Meeresspiegel in Amsterdam bezieht.

Tipp: Je enger die Höhenlinien beisammen liegen, desto steiler ist der Berg. Je weiter die Höhenlinien auseinander liegen, desto flacher ist er. Bei der Planung einer Wanderung ist es auch wichtig zu beachten, wie der Wanderweg zu den Höhenlinien verläuft. Kreuzt der Weg die Linien senkrecht, wird es sehr steile Anstiege geben. Verläuft er hingegen meist parallel zu den Höhenlinien, wird es eine Wanderung mit wenigen Steigungen sein.

Definitionen:

Von einer Kuppe spricht man, wenn eine Erhebung nach allen Seiten hin abfällt. Sie wird in Wanderkarten je nach Höhe mit einer oder mehreren geschlossenen Höhenlinien dargestellt. Der Kegel hat die gleichen Eigenschaften wie die Kuppe, allerdings sind die Höhenlinien kreisförmig angelegt. Das Gegenteil einer Kuppe ist der Kessel. Von der Kesselsohle, dem tiefsten Punkt des Kessels, steigt das Gelände nach allen Seiten hin an.

Ein Grat wird in der Wanderkarte als spitze Ausbuchtung einer Kuppe eingezeichnet. Handelt es sich um einen Bergrücken, ist die Ausbiegung nicht so scharf und schmal wie bei einem Grat. Die Scheitellinie bildet die Wasserscheide.

Eine Geländevertiefung zwischen zwei benachbarten Kuppen bezeichnet man als Sattel, wohingegen ein Tal eine langgestreckte Hohlform bildet. Es ist ein Einschnitt im Gelände, der oftmals von einem Fluss oder Bach durchflossen wird. Zu beiden Seiten steigt das Gelände mehr oder weniger steil an.

 

 Schummerung

Um auf einer Wanderkarte Berge plastischer, d. h. realistischer darzustellen, wird eine Schummerung (Grauschattierung) eingezeichnet. So kann der räumliche Eindruck einer Landschaft besser vermittelt werden. Je dunkelgrauer eine Fläche auf der Wanderkarte eingezeichnet ist, desto steiler ist das Gelände in der Natur. Graue Flächen auf einer Karte bedeuten also alpines Gelände. Als Faustregel gilt, dass ein Erwachsener – je nach Kondition – in einer Stunde 300 Höhenmeter bergauf beziehungsweise 500 Höhenmeter bergab zurücklegen kann. Wenn ihr die Wanderkarte von Weitem betrachtet, dann wirkt das Gelände durch die Schummerung noch plastischer.

 

Vegetation

Gebiete, in denen Wald zu finden ist, werden in Wanderkarten grün dargestellt. Im Gebirge, wo sich auch die Vegetation ändert, und der Kampfwald (Latschen, Krummholz) beginnt, findet man eine grüne Flächenschraffur (grünes Flächenmuster) vor. Das Hochgebirge, wo Felsen und Geröll vorherrschen, wird mit kurzen grauen Strichen bzw. einem grauen Punktmuster wiedergegeben.

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Um Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie National- und Naturparks werden auf Karten mit einer grünen Flächenschraffur (feine, parallele Strichlein) Grenzen gezogen. Der Name des Schutzgebietes wird ebenso mit grün dargestellt.

Größere Wein- und Obstanbaugebiete werden auf Karten in unterschiedlicher Farbgebung wiedergegeben. Hier lohnt sich ein Blick in die Legende.

 

Gewässer

Sowohl stehende als auch fließende Gewässer werden in Wanderkarten mit einer blauen Farbe dargestellt. Ebenso trifft dies auf künstliche Objekte wie Frei- und Hallenbäder, die in der abgebildeten Region zu finden sind, zu. Auch Gletscher werden zum Teil hellblau eingezeichnet. Wo Bäche, Flüsse und Seen mittels Brücken oder Fähren überquert werden können, ist ebenso auf Wanderkarten dargestellt.

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Sumpfgebiete und Moore werden vorwiegend mit einer blauen Flächenschraffur (feine, parallele Striche) dargestellt. Hier gilt es bei einer Wanderung besonders achtzugeben, denn auch wenn ein Weg in diesem Gebiet verläuft, kann dieser nach einer Phase intensiven Regens unpassierbar sein.

Tipp: Wird eine Wanderung im Gebirge geplant, ist es wichtig, dass Bäche und Flussläufe genau verfolgt werden. Sie dienen einerseits zur Orientierung, können aber auch zu einer Behinderung werden, wenn sie durch eine Schlucht oder Klamm fließen. Selbst wenn ein Bach nur als dünne blaue Linie eingezeichnet ist, jedoch in einer engen Schlucht verläuft, wird man ihn kaum überqueren können, weil der Ab- und Aufstieg einfach nicht möglich ist. Hierbei gilt es auf der Karte die Höhenlinien zu beachten, die Aufschluss über die Steilheit eines Geländes geben.

Periodische Flussbette – also Flussbette die nicht immer Wasser führen – werden in Karten als gestrichelte blaue Linie dargestellt. In diesem Fall ist bei einer geplanten Überquerung ebenso Vorsicht geboten, da der Fluss nach einer Regenzeit viel Wasser führen kann.

 

Siedlungen

Freistehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude werden in Wanderkarten einzeln, in Form von kleinen Vierecken, in schwarz oder grau eingezeichnet. Ist eine maßstabsgetreue Darstellung nicht mehr möglich sowie bei Siedlungen weicht man oft auf eine Blockdarstellung aus. Dadurch behält die Karte ihre Übersichtlichkeit. Kirchen, Klöster und Burgen werden immer mit Piktogrammen in die Karte eingezeichnet. In der Legende ist das jeweilige Piktogramm ersichtlich.

Ortsbezeichnungen sind ebenso schwarz eingezeichnet. Die Schriftgröße richtet sich dabei nach der Einwohnerzahl. Je größer der Ortsname dargestellt ist, desto mehr Einwohner hat der Ort. Der Schriftzug verläuft dabei meist parallel zum Kartenrahmen. Somit eignen sich Ortsbeschriftungen auch zum Einnorden der Karte.

Zu beachten: Fluss- und Gebirgsnamen sowie Flur- und Landschaftsnamen sind nicht immer parallel zum Kartenrahmen, sondern nach ihrem Verlauf ausgerichtet.


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