• Die Überquerung zum Encumeada-Pass
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Die Überquerung zum Encumeada-Pass - Wandertour

Die Königstour im zentralen Gebirgsgrat

14 km
05:15 h
545 hm
1145 hm
Start | Achada do Teixeira (1592 m) am Ende der ER 218, die in Santana beginnt; keine Busverbindungen zur Achada do Teixeira. [GPS: UTM Zone 28 x: 320.050 m y: 3.626.860 m]
Charakter | Anspruchsvolle Wanderung entlang der Zentralkette, leichte Wanderung auf gepflastertem Weg bis zur Pico-Ruivo-Hütte und zum Pico Ruivo mit knapp 300 m Höhenunterschied, dann steinige Bergpfade und teilweise steile Treppen; steile Abstiege und Gegenanstiege, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind von Vorteil; es kann untertags rasch Nebel einfallen, daher sollte man früh starten, schlechtes Wetter oder Wind können die Tour verschärfen.
Die Wanderung von der Achada
de Teixeira zur Boca de Encumeada
verläuft entlang der Wasserund
Wetterscheide der zentralen
Gebirgskette
und gehört zu den
schönsten Touren, die man auf Madeira unternehmen kann. Wir
bewegen uns stets in luftigen Höhen
an den Nord- und Südhängen
des schroffen Zentralgebirges und
kratzen meist unmittelbar an den
Wolken, die bald im Tagesverlauf
durch die Passatwinde herangetragen
werden können. Deshalb
ist unbedingt auf eine alpine
Ausrüstung zu achten, um nicht
von Wind, Kälte oder gar Regen
überrascht zu werden. Dazu gehört
eine ausreichende Menge an
Proviant und Wasser, denn erst
am Encumeada-Pass trifft man
wieder auf Einkehrmöglichkeiten.
Entlang der Tour können wir jene
Einsamkeit der Bergwelt Madeiras
genießen und zurückgewinnen,
die wir am Beginn der Tour vermissen
werden. Denn der erste Wegabschnitt
ist mit der Besteigung
des Pico Ruivo identisch und mit
Tagesbesuchern meist überlaufen.
Da der Start- und Zielort weit
auseinander liegen und der Ausgangspunkt
nicht mit öffentlichen
Verkehrsmitteln erreichbar ist,
erfordert die Organisation dieser
Wanderung, sofern man sich
keiner Gruppe anschließt, etwas
Geschick. Am besten nimmt man
den Bus bis Santana und absolviert
die Auffahrt zur Achada do
Teixeira mit dem Taxi. Vom Encumeada-
Pass kehrt man mit dem
Bus nach Funchal zurück. Ideal
ist es natürlich, wenn man sich
am Zielort abholen lassen kann.
Jedoch dauert die Fahrt von der
Achada do Teixeira zum Encumeada-
Pass relativ lang. Wenn man
zum Beispiel zusammen zum Pico
Ruivo geht und der Abholende
dann umkehrt, kann es sein, dass
der Wanderer schneller am Zielort
ist als der Fahrer.
Grundsätzlich handelt es sich aber
bei dieser Tour um eine anstrengende
Wanderung in Höhen zwischen
1760 und 1000 m Seehöhe,
die durch raschen Wetterwech- sel und Wind verschärft werden
kann. Darüber hinaus sollte man
einiges an Bergerfahrung und
Trittsicherheit mitbringen. Rutschige
Wegverhältnisse, feuchte
Stein- und Lavatreppen sowie
felsige Passagen bieten weitere
wegtechnische Erschwernisse.
Dabei wechselt die Route stets
zwischen der Nord- und Südseite
des Kamms, die steilen Gegenanstiege
verlangen es, sich die Kräfte
entlang der 14 km langen Route
einzuteilen. Grundsätzlich geht es
aber mit Ausnahme des Gegenanstiegs
nach der Boca das Torrinhas
vermehrt abwärts, vor allem im
letzten Drittel der Tour.
Ausgesetzte Passagen sind jedoch
weitgehend nicht vorhanden,
nach den Waldbränden von 2010
hat man den Weg im Frühjahr 2011
saniert und alle luftigen Stellen
mit Seilgeländern gesichert. Der
teilweise fehlende oder verkohlte
ehemalige Bewuchs aus Baumerika
gibt nun mehr Tiefblicke frei,
weshalb manche Wegpassagen
heute etwas luftiger erscheinen.
Immerhin umfassten die Waldbrandgebiete
zwei Drittel der
Wegstrecke. Ab und zu ist noch
die gelb-rote Markierung zu sehen,
die Route ist jedoch bis auf
eine Abzweigung eindeutig zu
erkennen.
Peter Mertz

Tourenverlauf

Tourenbeschreibung

01
Achada do Teixeira, 1592 m

Der Weg vom großen Parkplatz an der Achada do Tei­x­eira bis zur Pico-Ruivo-Hütte

02
Pico-Ruivo-Hütte, 1780 m

ist mit der Wanderung auf den höchsten Berg Madeiras identisch (siehe Tour 34). Oberhalb der Hütte teilen sich die Wege. Während der Aufstieg zum 1862 m hohen Pico Ruivo

03
Pico Ruivo, 1862 m

nach links verläuft und in wenigen Minuten absolviert werden kann, folgt unsere Route dem nach rechts abgehenden Weg PR 1.3, ein Wegweiser zeigt Encumeada 11,1 km

04
Abzweigung, 1800 m

.Der immer noch gut gepflasterte Bergpfad zieht nun mit mehreren Stufen und Serpentinen abwärts in die Nordwesthänge unterhalb des Pico Ruivo

05
Höhe, 1600 m

. Später führt ein Quergang mit leichtem Auf und Ab an der Südseite des Kamms entlang und passiert eine Stelle, in der die Trasse in braunes Lavagestein eingeschlagen wurde. Immer wieder wechseln wir zwischen Süd- und Nordseite hin und her. Während an der Südseite die Baumkrüppel Tiefblicke freigeben, wandern wir an der Nordseite des Pico Coehlo in kühlem Wald

06
Höhe, 1675 m

. Nach einigem Hin und Her sowie Auf und Ab kommen wir nach dem Pico das Erinhas an eine Weggabelung heran, bei der nach links ein abwärts führender Pfad in Richtung Curral das Freiras abzweigt. Wir bleiben auf dem Weg geradeaus, der wenig später eine Linkskurve beschreibt – geradeaus geht es zu einem wiesenähnlichen Lagerplatz – und über Steintreppen in die Nordseite hinabsteigt.Bald folgt eine mit Geländern gesicherte steile und etwas luftige Treppe, nach weiterem Auf und Ab müssen wir nach einigen hundert Metern eine noch steilere Steintreppe wieder aufwärts steigen. Etwa 300 m vor der Boca das Torrinhas kommen wir in einer Aufwärtspassage an einer Quelle vorbei, wo sich das Wasser in einem kleinen Lavabecken sammelt und Erfrischung bietet. Danach wechseln wir auf die Südseite und gelangen durch ein felsiges Wegstück auf den kleinen Sattel Boca das ­Torrinhas

07
Boca das Torrinhas, 1440 m

mit dem herrlichen Blick auf das Tal von Curral das Freiras und dem monumental wirkenden Pico Grande.Dieser Einschnitt in der Zentralkette erlaubt den Übergang von der Nord- auf die Südseite, dementsprechend mündet von links der Weg aus Curral das Freiras ein, während nach rechts ein Pfad in Richtung Lombo do Urzal abwärts führt. Ein ausgebleichter Wegweiser zeigt an, dass der Encumeada-Pass noch 5,8 km entfernt ist, also etwa die Hälfte der Wegstrecke hinter uns liegt. Bei einbrechendem Schlechtwetter oder bei Müdigkeit lässt sich die Tour hier abbrechen, man kann in gut 1½ Stunden ins Tal absteigen (etwas mehr als 900 Höhenmeter, Rückfahrt mit dem Taxi oder ab Faja dos Cardos mit dem Bus).
 
Nun folgt der Gegenanstieg in Richtung Pico de Jorge

08
Pico do Jorge, 1650 m

, der stets über teils steile Treppen verläuft und von einem längeren Quergang unterbrochen wird. Nach diesem kommen wir zu einem markanten Felsspalt, der von einer senkrechten Lavasteinplatte gebildet wird, und wandern ein Stück durch die mit Felsbrocken übersäte Kluft hindurch. Der zweite Teil des Gegenanstiegs wird über etliche Serpentinen im kühlen Wald absolviert, wir kommen an einem in den Tufffelsen gehauenen Hirtenunterstand vorbei und steigen weiter auf, bis wir den luftigen Kamm erreichen. Unterhalb von markant aufragenden weißlichen Felsbändern endet der Aufstieg auf einer mit braunem Lavagrus bedeckten Kuppe.
 
„Von nun an geht’s bergab“, könnte man die letzte Passage der Tour übertiteln, denn wir müssen bis zum Ziel am Encumeada-Pass auf Felspfaden und verschieden hohen Stein- und Lavatreppen etwa 550 Höhenmeter verlieren und dafür knapp 1½ Stunden Gehzeit aufwenden. Bei der letzten Kuppe, dem Pico do Encumeada, wird unser Pfad von dem ursprünglich entlang einem Großteil der Wegstrecke vorhandenen Baum­erikawald umrahmt.Die Abstiegspassagen werden von Quergängen aufgelockert, die zumeist an der Südseite des Kamms verlaufen und infolge des fehlenden Bewuchses etwas luftig sind. Wir passieren ein Holzgatter, ehe wir den Pico do Encumeada an der Südseite umwandern und danach über eine lange Steintreppe zum Pico da Cabra

09
Pico da Cabra, 1580 m

absteigen. Noch weiter folgen teils steile, rutschige Lavatreppen an den Nordhängen des Kamms, bis die Passstelle und die Sendeanlage am Encumeada immer näher rücken.Der letzte Abschnitt ist kurzzeitig gepflastert und kommt bei einem Hinweisschild zu einer Weg­gabelung, an der wir abwärts über eine hohlwegartige Passage knapp unterhalb des Encumeada-­Passes auf die Fahrstraße ER 228 treffen. Die letzten Meter zur Pass­stelle

10
Encumeada-Pass, 1000 m

legen wir auf dieser zurück und erreichen nach etwa 4½ Stunden Gehzeit das Ziel dieser landschaftlich äußerst beeindruckenden Wanderung. An der Passhöhe befinden sich eine Aussichtsplattform, ein Kiosk und an der Südseite das Restaurant.

©  KOMPASS-Karten
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