Rettet die Berge – ein Appell von Reinhold Messner

Am 22. August erschien das neue Buch von Reinhold Messner. Das Herz des Bergsteigers gehört den Bergen, weshalb er in „Rettet die Berge“ auf die Missstände hinweist, die oben über den Wolken herrschen.

In diesem Jahr schockierten Bilder vom Gipfel des Mount Everest die Welt. Dort stehen Tag für Tag Menschen Schlange, um ein Foto von sich an der Spitze der Welt zu machen. Was ein herausragender und einzigartiger Moment sein sollte, ist mittlerweile ein simples Beispiel von Massentourismus.

Zurück bleibt eine beeinträchtige Berglandschaft und viel Müll. Nicht nur im Himalaya sind Berge zu einer gewöhnlichen Tourismusattraktion geworden, auch in den Alpen hinterlassen jedes Jahr 150 Millionen Gäste mit über 500 Millionen Übernachtungen ihre Spuren.

Reinhold Messner macht seit vielen Jahren auf die stetige Verschmutzung und das zivilisatorische Vordringen in alpine Regionen sowie ihre Folgen aufmerksam. Sein Buch „Rettet die Berge“ ist ein Appell, endlich umzudenken.

Sanfter Tourismus für sensible Kulturlandschaft

In seinem Buch zeigt der Bergsteiger und Autor in einer bildhaften Sprache, wie die Alpen, aber auch die Hohe Tatra, der höchste Teil der Karpaten in der Slowakei und Polen, oder der Himalaya immer mehr zu Freizeitparks werden. Es werden enorme Anstrengungen unternommen, um Touristen mit Skiliftanlagen bis in höchste Gegenden zu transportieren, es werden Strecken präpariert und Freizeitangebote für die ganze Familie aus dem Boden gestampft.

© Benevento

Messner weist auf die enormen Folgen hin: Die Tierwelt wird immer weiter zurückgedrängt, Lebensraum für Flora und Fauna und das sensible ökologische System zerstört. Damit wird das atemberaubende Erlebnis einer unberührten Bergwelt, das Wanderer so sehr schätzen, zu einem austauschbaren Ausflug in ein künstliches Bergpanorama.

Hinzu kommen die Vermüllung hochalpiner Räume und die Klimafolgen durch eine zunehmende Bebauung von Bergregionen. „Rettet die Berge“ ist ein Appell an uns als Freizeitsportler, Kletterer und Wanderer, aber auch an die Politik, etwas in der Bewirtschaftung der Gebirge zu verändern und eine nachhaltige Tourismuswende einzuschlagen. Als Südtiroler sind Reinhold Messner die Alpen besonders wichtig.

Forderungen an Politik und Gesellschaft: Charta für die Berge

Bereits 2001 veröffentlichte der Bergsteiger und ehemalige Regionalpolitiker eine Werte-Charta für die Berge, die zehn Anregungen und Forderungen für nachhaltige Rahmenbedingungen beinhalten. Darin fordert Messner unter anderem, Berggebiete als Kulturlandschaft zu begreifen, die Erholungsraum sind und zum Umweltschutz sowie zur Produktion hochwertiger Nahrungsmittel beitragen. Damit die Alpen und andere Gebirge ihre Funktionen beibehalten können, braucht es demnach eine verantwortungsvolle Bevölkerung, die mit den Ressourcen am Berg nachhaltig wirtschaftet.

Dazu ist laut Messner eine nachhaltige Verzahnung von Kultur- und Naturlandschaft, die ohne Infrastruktur auskommt, notwendig. Für die Hochgebirgsregionen fordert Reinhold Messner hingegen einen Erschließungsstopp, damit die Werte dieser Orte durch die touristische Erschließung nicht zerstört werden.

Mit seinen Forderungen steht der Bergsteiger nicht allein da. Die drei Alpenvereine AVS, DAV und ÖAV fordern mit ihrer gemeinsamen Kampagne #unsereAlpen einen Wandel in der Alpenpolitik, zu der die Verkehrswende, ein sanfter Tourismus, der Schutz von alpinen Gewässern sowie eine Festsetzung von Ausbaugrenzen gehören.

Rette auch Du die Berge: Das kannst Du tun

Auch Du als Einzelperson kannst viel dazu beitragen, dass es im Alpenraum zu einem Umdenken kommt. Denn: Wenn Reisende einen nachhaltigen Tourismus fordern, wird die Tourismusbranche diesen Wunsch längerfristig auch erhören.

1. Reise nachhaltig

Es beginnt bei der Anreise und endet bei der Abreise. Nutze, wenn möglich den Zug, um zu Deinem Urlaub in die Berge anzureisen. Verzichte auf Auto und Flugzeug, denn der Flugverkehr und auch der Individualverkehr machen Gebirgen schwer zu schaffen. So wurden beispielsweise 2016 etwa 10,4 Millionen LKW-Fahrten im Alpenraum gezählt, womit die Anzahl der Fahrten seit 2007 (6,06 Millionen) um 66 Prozent gestiegen ist.

2. Plane Deinen Wander- und Fahrradurlaub nachhaltig

Um einen erlebnisreichen Urlaub im alpinen Raum zu verbringen, braucht es wenig. Eine gute Ausrüstung, Deine individuelle Versorgung und eine gute Rad- oder Wanderkarte reichen oft aus. Wer braucht da schon Freizeitattraktionen auf 1200 Metern, All-You-Can-Eat auf der Alpenhütte und Après-Ski bis spät in die Nacht? Es liegt in Deiner Verantwortung als Skisportler oder Bergwanderer, einen nachhaltigen Tourismus auch selbst zu leben und die alpine Natur so weit wie möglich intakt zu halten.

3. Wähle Deine Unterkunft bedacht

Du kannst selbst bei der Auswahl Deines Hotels ein Zeichen setzen. Buche wenn möglich nicht die All-Inclusive-Hotelanlage mit Infinitypool, sondern eine Pension, die von Einheimischen betrieben wird. Die Initiative „Bergsteigerdörfer“ vereint alpine Orte, die Nachhaltigkeit im Tourismus leben.

 

Weitere Infos: 
– Bergsteigerdörfer: Auf ihrer Webseite findest Du viele Adressen und Tipps für Deinen nächsten Bergurlaub.
– Kampagne der Alpenvereine #unserealpen
– Buch „Rettet die Berge“ von Reinhold Messner, erschienen am 22. August 2019 im Benevento Verlag

 

Über Reinhold Messner

Reinhold Messner (geboren im Jahr 1944 in Brixen, Südtirol) ist einer der berühmtesten Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Gemeinsam mit Peter Habeler bestieg er im Jahre 1978 als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff, zwei Jahre später war er der erste Mensch, der den höchsten Gipfel der Welt ohne Flaschensauerstoff und im Alleingang erreichte.

Weiterhin stand auch als Erster auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender (ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff), er durchquerte gemeinsam mit Arved Fuchs die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Als Kletterer, Grenzgänger und „Philosoph in Aktion“ hat er immer wieder neue Maßstäbe gesetzt.

Heute kämpft er für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Natur und widmet sich dem Bergfilm als Autor, Regisseur und Produzent.