Am letzten Tag der Ski-WM machte er es nochmal ganz besonders spannend – und verwandelte den Slalom der Herren in einen regelrechten Krimi: Felix Neureuther holte am letzten Wettkampftag die einzige WM-Medaille für das deutsche Team. Der 32-Jährige sicherte sich den 3. Platz auf dem Treppchen, und das, obwohl er nach dem ersten Lauf nur auf Rang zehn landete. Doch dank starker Nerven, eines fehlerlosen zweiten Rennens und einiger Patzer seiner Mitstreiter reichte es am Ende doch noch für die langersehnte Medaille.

Und für die ganz großen Gefühle: Es war ein ungewohnter Anblick, als der sichtlich ergriffene und von Emotionen überwältigte Neureuther vor dem TV-Mikrofon stand und nach Worten rang. Als er schließlich welche fand, gestand er : „Normalerweise bin ich nicht so eine Pussy, aber heute kommt einfach alles hoch.“

Verständlich: Groß war der Druck gewesen, erst Recht nach dem verpatzten Team-Event mit dem Erstrunden-Aus für Deutschland. Dazu die Rückenverletzung, die den Start hatte fraglich werden lassen – er hatte wohl selbst am wenigsten mit einer Medaille gerechnet.

Und doch hat es geklappt. In einem Rennen, das nicht nur das letzte Rennen der Ski-WM 2017, sondern höchstwahrscheinlich auch das letzte WM-Rennen seiner Karriere gewesen sein dürfte. Und das gerade hier, in St. Moritz: Als 18-Jähriger hatte er hier 2003 sein WM-Debüt gegeben. Da dürfen sich auch mal bei einem Felix Neureuther die Emotionen zu Wort melden.

Marcel Hirscher: Eine Liga für sich

Schneller als Felix Neureuther waren beim Slalom nur zwei: Nach einem souveränen ersten Lauf siegte Marcel Harscher ebenso souverän im zweiten Lauf und sicherte sich die Goldmedaille im Slalom. Sein Teamkollege Manuel Feller wird mit 68 Hundertstel Rückstand zweiter.

Mit der Silbermedaille aus der Kombination und seiner ersten Goldmedaille im Riesenslalom war er in seine abschließende Paradedisziplin gestartet – und mit seiner Goldmedaille im Slalom kürte er sich endgültig zum König der WM. Es ist für ihn bereits die zweite Goldmedaille im Slalom, die erste gewann er 2013 in Schladming. Dieses „Double“ ist zuletzt 1996 dem Italiener Alberto Tomba gelungen.

Medaillenspiegel: Österreich vor der Schweiz und eine Magere DSV-Bilanz

Und dank des österreichischen Doppelerfolges im Slalom konnten sich die Österreicher auch im Medaillenspiegel der WM ganz oben auf dem Treppchen platzieren – vor dem Gastgeber, der Schweiz. Auf Rang drei landete Frankreich.

Für die Bilanz des DSV-Teams ist die Medaille Felix Neureuthers wenigstens ein kleines Licht in der Dämmerung: Das Medaillenziel von drei Medaillen wurde klar verfehlt und einige der deutschen Athleten dürften enttäuscht und ernüchtert wieder aus St. Moritz abgereist sein. Da bot die einzige deutsche Medaille wenigstens einen versöhnlichen Abschluss. Oder, um es mit den Worten des DSV-Alpinchefs Wolfgang Maier zusammenzufassen: „Der Felix hat uns den Arsch gerettet.“

Neu entflammt: Diskussionen rund um Sicherheit

Abseits von strahlenden Siegern und enttäuschten Medaillen-Hoffnungen wurde die Ski-WM von einigen schweren Stürzen überschattet. Die Österreicherin Mirjam Puchner brach sich Schien- und Wadenbein, der Kasache Martin Khuber musste an zwei Halswirbeln operiert werden, der Monegasse Olivier Jenot erlitt innere Blutungen und eine Lungenprellung und auch für das Gesicht der Weltmeisterschaft, die Schweizerin Lara Gut, endete die WM vorzeitig dank Kreuzband- und Meniskusriss.

Diese und zahlreiche weitere Verletzungen entflammten auch wieder bereits altbekannte Diskussionen rund um Sicherheit, Pistenverhältnisse, das Material der Fahrer – und nicht zuletzt auch um Teilnahmebeschränkungen.

Bei der diesjährigen Ski-WM traten insgesamt 589 Teilnehmer aus 76 Nationen an – das ist Rekord. Die Stimmen, die nach einer Verschärfung der WM-Teilnahmekriterien und einer strengeren Vorauswahl rufen, werden immer lauter. Unerfahrene und den anspruchsvollen und steilen Strecken der WM nicht gewachsene Fahrer könnten so besser aussortiert werden. Zudem würden so auch die Starterfelder reduziert werden, die teilweise schon groteske Ausmaße annehmen.

Gegner der Herren-Abfahrt: Die Maloja-Schlange

Ein ganz besonderes Schauspiel der Alpinen Ski-WM ereignete sich am Samstag, den 11. Februar 2017: Im Zielraum warteten bereits rund 38.000 Zuschauer, mit Sonnenbrillen und Sonnencreme bewaffnet, auf die Abfahrt der Herren. Der blaue und wolkenlose Himmel versprach einen grandiosen Tag, und auch oben im Startgelände präsentierte sich der Freie Fall, die steilste Abfahrtsrampe der Welt, im schönsten Sonnenschein. Dennoch wurde die Abfahrt fünfmal verschoben – und danach endgültig abgesagt und auf den Sonntag verlegt. Was war geschehen?

Schuld war die sogenannte Maloja-Schlange: Eine besonders dichte Nebelbank, die sich im Oberengadin-Tal über den Seen bildet und vom Malojapass in Richtung St. Moritz zieht – und die es sich im Mittelteil der 3050 Meter langen Abfahrtsstrecke an eben diesem Samstag so richtig gemütlich gemacht hat. Von unten sowie von der Startrampe aus nicht sichtbar, verhinderte sie jedoch eine erfolgreiche Durchführung des Wettkampfes. An eine Abfahrt war an diesem Tag nicht mehr zu denken.

Glücklicherweise war das ihr letzter Auftritt – die Abfahrt konnte Sonntags nachgeholt und auch die zweite Wettkampfwoche ohne weitere Attacken durchgeführt werden.

Über die Alpine Ski-WM

Die FIS Alpine Ski-WM, die alle zwei Jahre stattfindet, gastierte 2017 im schweizerischen St. Moritz. Insgesamt finden elf Wettbewerbe statt: für Damen und Herren jeweils der Super-G, die Kombination, die Abfahrt, der Riesenslalom und der Slalom, zudem gibt es das Team-Event. Es war bereits das fünfte Mal, dass die Ski-WM in St. Moritz stattfand – so oft wie in keinem anderen Ort.

Die nächste Ski-WM findet 2019 im schwedischen Åre statt. Åre war Veranstalter der WM im Jahre 2007 und hatte sich bereits erfolglos um die WM 2017 beworben.

Veröffentlicht am 21. Februar 2017