Ein strahlend blauer Himmel, milde Temperaturen und ein leuchtend rot-gelbes Blättermeer – jeden Herbst begeistert die intensive Blätterfärbung während des sogenannten Indian Summers die Besucher der nordamerikanischen Wälder. In den Neuengland-Staaten, Ostkanada und der Region rund um die Großen Seen ist das Herbst-Phänomen besonders ausgeprägt, vereinzelt kann man die extreme Laubfärbung auch im Mittleren Westen und dem nördlichen Teil der Great Plains beobachten.

In der nordamerikanischen Region sind mehr als 800 Baumarten heimisch – in Westeuropa sind es gerade einmal 51 Arten, weshalb Europa in den Herbstmonaten auch nur schwer mit der Farbenpracht Nordamerikas mithalten kann. Die Laubfärbung, die durch die Unterbrechung des Saftstroms in den Bäumen und der daraus resultierenden Ausbleichung des Chlorophylls entsteht, beginnt für gewöhnlich im September in Kanada und den nördlichen Neuengland-Staaten Maine, Vermont und New Hampshire und bewegt sich dann bis Ende Oktober in Richtung Connecticut, Massachusetts und Rhode Island. Je nach Wetterlage können sich die Zeiträume aber auch verschieben. Setzt der Nachtfrost in einem Jahr schon sehr früh ein, beschleunigt die Kälte den Prozess der Laubfärbung. Bei einem warmen Spätsommer wird sie hingegen verlangsamt.

Die Farbenpracht des Indian Summers hat ihren Höhepunkt im Oktober

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Woher die Bezeichnung „Indian Summer“ stammt, ist bis heute ungeklärt. Eine Theorie lautet, dass die indigen Völker Nordamerikas – die sogenannten Indianer – im Herbst ihre Jagdsaison hatten. Von den Irokesen stammt die Legende, dass zwei Jäger einen großen Bären töteten und dessen Blut die Blätter des Ahornbaums rot färbten. In den Vereinigten Staaten wird die Bezeichnung Indian Summer derzeit im Political Correctness-Diskurs heiß diskutiert und meist als sehr negativ besetzt angesehen.

Wer plant, zum Indian Summer nach Neuengland oder in die entsprechenden kanadischen Regionen zu reisen, sollte sich frühzeitig um eine Unterkunft kümmern. Viele Hotels und Pensionen sind während der Herbstmonate vor allem am Wochenende ausgebucht, da nicht nur Amerikaner, sondern auch Touristen aus Übersee den Herbst für Wander- und Kanutouren nutzen.

Damit die Besucher nie die besten Zeitpunkte des Indian Summers in den einzelnen Regionen verpassen, hat die US-Regierung eigens eine Info-Hotline eingerichtet, bei der sich Interessierte über den aktuellen Fortschritt der Blattverfärbung informieren können.

Ihr wollt den Indian Summer für ausgedehnte Wanderungen, Kanu- und Radtouren nutzen? Dann habt ihr die Qual der Wahl, welche Region ihr während dieser Jahreszeit besucht. Um euch die Planung ein wenig zu erleichtern, verraten wir euch, in welchen Regionen ihr den Indian Summer am besten genießen könnt und wo sich das Laub am schönsten verfärbt.

Maine

Maine ist der mit Abstand größte Staat in Neuengland und bietet dementsprechend viele Wandertouren in mehr als dreißig State Parks. Der bekannteste Wanderweg ist sicherlich der Appalachian Trail, der auf dem Mount Katahdin, dem höchsten Berg des Bundesstaates, endet. Vom Gipfel des Katahdins kann man in alle Richtungen die endlos scheinenden Wälder überblicken.

Im Baxter State Park im nördlichen Zentralmaine hat die Laubfärbung bereits im September ihren Höhenpunkt. Wer das nicht verpassen möchte, sollte das Wildnisgebiet spätestens bis Ende September besuchen. Wer später anreist, hat vielleicht schon Pech – Ende Oktober sind die Laubbäume hier meist schon kahl. Doch der Baxter State Park ist nicht nur im Indian Summer ein echtes Highlight, im Park kann man noch echte Wildnis erleben. Hier gibt es weder Strom, noch asphaltierte Straßen, die Nutzung von Handys oder Funkgeräten ist verboten. So möchte die Parkdirektion das Gebiet für immer ursprünglich halten.

Vermont

Vermont gilt als das Gebiet mit der größten Farbenvielfalt während des Indian Summers. Und tatsächlich: in Vermont wächst der Zuckerarhorn, der sich schon im frühen Herbst rot verfärbt, besonders häufig. Für viele Besucher ist der Green Mountain National Forest ein absolutes Must-See. Auf 1.500 km² bietet er eindrucksvolle Landschaften und man kann die Bäume in den schönsten Geld- und Rottönen leuchten sehen.

Zahlreiche Routen führen durch die schönsten Gegenden während des Indian Summers

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In Vermont kann man außerdem auf dem ältesten Fernwanderweg der Vereinigte Staaten durch den gesamten Bundesstaat wandern. Auf 438 Kilometern führt er von der Grenze zu Massachusetts bis hinauf zur kanadischen Grenze. Der Weg durchquert dabei die Green Mountains und verläuft auf über hundert Kilometern auf dem berühmten Appalachian Trail.

New Hampshire

Mindestens genauso schön wie Vermont ist der benachbarte Bundesstaat New Hampshire mit seinen huntertausenden Hektar Wald. Ein ganz besonderes Ausflugsziel ist der White Mountain National Forest, der zum größten Teil in New Hampshire liegt und einen kleinen Ausläufer in den Nachbarstaat Maine hat. Insgesamt verlaufen 1.900 Kilometer Wanderwege durch den Nationalforst. Auch dank seiner zahlreichen Campingplätze und seiner großen Anzahl an Wintersportgebieten, ist der Wald das ganze Jahr über gut besucht und zählt mit knapp sechs Millionen Besuchern im Jahr zu den meistbesuchten Nationalparks des Landes.

Rhode Island

Rhode Island ist zwar der kleinste Bundesstaat der USA und ist im Vergleich kaum größer als das Saarland, dennoch verwandelt der Herbst auch hier die Wälder in ein Farbenmeer. Obwohl Rhode Island hauptsächlich für seine Küsten bekannt ist, finden sich im gesamten Staat bunte Mischwälder. Insbesondere die Wälder rund um die Kleinstadt Kingston eignen sich für einen Besuch während der Herbstmonate.

Connecticut

Der in den Litchfield Hills gelegene Kent Falls State Park bietet nicht nur einen spektakulären Wasserfall und zwei Wanderwege mit spektakulären Aussichten, sondern gilt auch als einer der beste Spots in Neuengland, um das bunte Herbstlaub während des Indian Summers zu erleben. Wer anspruchsvolle Wanderungen bevorzugt, findet diese am Bear Mountain, der höchsten Erhebung Connecticuts.

Massachusetts

Der Aufstieg auf den höchsten Berg Massachusetts, dem 1.064 Meter hohen Mount Greylock, lohnt sich vor allem im Herbst. Vom Gipfel aus eröffnet sich ein fantastischer Blick auf die gefärbten Wälder und bei gutem Wetter kann man ganze fünf (!) Bundestaaten überblicken.

Der Blätterzauber beginnt im Süden Ostkanadas und breitet sich nach Neuengland aus

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Quebec (Kanada)

Auch Teile Kanadas zeigen sich während der Herbstmonate von ihrer buntesten Seite. In den großen Wäldern der kanadischen Provinz Quebec leuchten die Ahornbäume, die Blätter der Birken und Espen verfärben sich goldgelb und bilden einen schönen Kontrast zu den immergrünen Tannen. Der nördlich von Quebec gelegene La-Mauricie-Nationalpark steht bei Wassersportlern besonders hoch im Kurs. Im Park allein gibt es mehr als 150 Seen die zum Paddeln und Baden einladen. Wer lieber durch die Mischwälder streifen will, kann dies auf dem 75 Kilometer langen Laurentien Trail tun – und mit ein wenig Glück läuft euch sogar ein Elch oder ein Bär über den Weg.

Nova Scotia (Kanada)

Zwar ist der Cape-Breton-Highlands-Nationalpark im Norden der Kap-Breton-Insel von Nadelbäumen geprägt, im Herbst stechen aber die bunten Laubbäume hervor. Im Park gibt es insgesamt 25 ausgeschilderte Wanderwege, Zeltplätze ermöglichen das Übernachten im Park. Auch Geocacher kommen hier voll auf ihre Kosten – seit 2009 gibt es zahlreiche Caches innerhalb des Nationalparks.

Ihr wollt zum Indian Summer nach Nordamerika? Am besten ist es, ihr bringt ausreichend Zeit mit. Es gibt zahlreiche Routen, auf denen man in zwei, drei Wochen alle Neuengland-Staaten abfahren oder auch einen Abstecher in die kanadischen Wälder machen kann. Aber auch, wenn man sich entscheidet, den Urlaub in einer Region zu verbringen – der Indian Summer wird so oder so ein unvergessliches Erlebnis werden!