Das Klettern in Kletterhallen ist sicher und es passieren verhältnismäßig sehr wenige Unfälle. Statistisch gesehen müsste ein Kletterer mehr als 100 Jahre lang zwei Mal in der Woche für je drei Stunden in einer Halle unterwegs sein, bis ihm ein Unfall geschieht – das heißt, die Wahrscheinlichkeit irgendwann von einem Unfall betroffen zu sein, ist sehr gering.

In den vergangenen Jahren hat die DAV-Sicherheitsforschung Daten zu Kletterunfällen gesammelt, ausgewertet und in einer Studie veröffentlicht. Zwar ist die Zahl der Unfälle niedrig, wenn aber doch mal etwas passiert, ist meist ein Sicherungsfehler daran Schuld. Rund 78% der dem Deutschen Alpenverein (DAV) gemeldeten Kletterunfälle betreffen das Klettern im Vorstieg. Erschreckend oft ereignen sich aber auch beim Ablassen Unfälle (12%), bei einigen davon trägt der Stürzende Wirbelsäulenverletzungen davon. Dabei macht in 58% der Fälle der Sichernde und nicht der Kletterer einen Fehler und verursacht so einen Bodensturz. Die restlichen Unfälle ereignen sich beim Toprope-Klettern (7%) und beim Sturztraining (3%).

Viele Unfälle passieren bei der Sicherung mit einem Tube

Nachdem der DAV diese Zahlen im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte, gab es vielerorts hitzige Diskussionen um die im Klettersport verwendeten Sicherungsgeräte. Denn die Zahlen des DAVs belegten, dass etwa 70% aller Unfälle mit einem Tube, der von 60% der Kletterer verwendet wird, passieren. Dabei lassen sich vor allem drei fatale Fehlerarten identifizieren: Verletzung des Bremshandprinzips, ein unsauberer Griff um das Bremsseil oder eine falsche Position der Bremshand.

Der Tube ist in der Anwendung nicht ganz einfach zu handhaben, weshalb es eigentlich nur von erfahrenen Kletterern verwendet werden sollte, die Stürze halten können und über ausreichend Kraft und Bewegungsroutine verfügen. Der DAV empfiehlt deshalb vor allem Anfängern und Gelegenheitskletterern die sogenannten Halbautomaten, die leichter zu bedienen und somit sicherer sind. Unabhängig vom verwendeten Modell ist es vor der ersten Nutzung eines neuen Geräts unabdingbar, sich mit den Besonderheiten vertraut zu machen.

Erste Kletterhallen verbieten Einsatz von Tubes

Mit dem Kletterzentrum Nordhessen in Kassel hat nun die erste deutsche Kletterhalle den Einsatz von Tubes untersagt und rät den Kletterern stattdessen die Nutzung eines Smarts oder eines Grigri. In ihrer offiziellen Stellungnahme nannten die Betreiber die steigende Zahl an Tube-Unfällen in ihrer Halle als Grund für das nun durchgesetzte Verbot. „Am 5. April 2015 ereignete sich im Kletterzentrum Nordhessen ein schwerer Kletterunfall. Als Reaktion darauf wurde seitens der Leitung des Kletterzentrums die Benutzung des Sicherungsgerätes Tube mit sofortiger Wirkung untersagt. Diese Maßnahme wird vom Trainerteam und Vorstand der DAV-Sektion Kassel mitgetragen. Diese Maßnahme resultiert aus zwei Faktoren: der zunehmenden Anzahl von Tube-Unfällen in unserer wie auch anderen Hallen und aus der Tatsache, dass auch in einschlägigen Fachpublikationen und Untersuchungen zu den verschiedenen Sicherungsgeräten immer mehr Bedenken gegenüber der Funktionsweise der Tube geäußert wurden.“ Ob weitere Kletterhallen dieser Entscheidung folgen und die Nutzung von Tubes in ihren Hallen untersagen werden, wird sich zeigen.

 

Die ausführliche Studie der DAV-Sicherheitsforschung findet ihr auf der Website des Deutschen Alpenvereins.

 

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