Das Halltal

Das Halltal im Karwendel im österreichischen Bundesland Tirol – bezeichnet als kleines Seitental des Inntals – scheint plötzlich gigantisch, macht man sich zu Fuß auf, die Halltaler-Riesen zu besteigen: der Große (2.726 m) und der Kleine (2.650 m) Bettelwurf, die Speckkarspitze (2.621 m), der Große (2.696 m) und der Kleine (2.635 m) Lafatscher oder der Thaurer Zunterkopf (1.918 m) sind das Ziel vieler Bergbegeisterter.

Seit 2012 ist die ehemalige Mautstraße ins Halltal für den öffentlichen Pkw-Verkehr gesperrt. Die Sperrung erfolgte aus Sicherheitsgründen – regelmäßige Murenabgänge werden verzeichnet. So kann man sich heute an einem nahezu autofreien Halltal erfreuen. Der große Parkplatz am Taleingang ist liebevoll angelegt mit zahlreichen Infotafeln rund um das Halltal, einem Spielplatz und Rastmöglichkeiten, um die gerade gemeisterte Tour noch einmal Revue passieren zu lassen. Wer die erste Strecke auf der Fahrstraße oder dem Fluchtsteig, vom Parkplatz bis zur II. Ladhütte nicht zu Fuß zurücklegen möchte, kann sich per Halltal-Taxiservice in und aus dem Halltal chauffieren lassen.

Zweitagestour auf den Großen Bettelwurf

Nachdem wir an einem Freitag als „Normalo-Bürger“ zumindest einen halben Tag in der Arbeit verbringen, beginnen wir unsere Tour erst gegen 14 Uhr am Parkplatz zum Eingang des Halltals. Da wir uns den Abstieg erst für den kommenden Tag vorgenommen haben, ist es bei gutem Wetter und etwas Kondition auch im September um 14 Uhr kein Problem den Aufstieg über den Absamer-Klettersteig zu wagen. Viel später sollte man dann aber doch nicht starten, denn bis zur schützenden Bettelwurfhütte liegen noch etwa fünf Stunden vor einem. Nach einer knappen Stunde, über die ehemalige Mautstraße, vorbei an der II. Ladhütte und den Fahrradstellplätzen, über die kleine Brücke hinüber und links durch die Latschen, haben wir den Einstieg zum Absamer-Klettersteig erreicht.

Tag 1: Absamer Klettersteig – Aufstieg zur Bettelwurfhütte

Nachdem wir die erste Stunde Wanderung hinter uns gebracht haben, freuen wir uns nun auf drei Stunden, 1.300 m Länge und 600 m Höhenunterschied im Klettersteig. Die sogenannte Schlüsselstelle kommt bald zu Anfang: Hat man dort hart mit sich zu kämpfen, sollte man in Erwägung ziehen auszusteigen und doch den Weg 222 zur Hütte zu nehmen. Schwieriger wird es zwar nicht, aber der ausgesetzte Steig, zahlreiche Stellen mit der Schwierigkeit C und vor allem die Länge, können einem mit der Zeit die Kräfte rauben. Traut man es sich zu, hat man nichts verkehrt gemacht – wunderbare Aussichten auf Hall, das Halltal und die Stubaier Alpen lassen alle Anstrengung vergessen. Zwei kleinere Schluchten müssen überquert werden – kein Problem, denn jemand mit Höhenangst hängt ohnehin nicht in dieser Wand. Gute 600 Höhenmeter und drei Stunden später, haben wir den Ausstieg erreicht.

Die letzten dreihundert Höhenmeter auf die Bettelwurfhütte (2.077 m) machen wir in einer knappen Stunde. Der Weg führt uns durch Latschen, über Stock und Stein mit Blick zur ersehnten Hütte. Auf der Bettelwurfhütte angekommen erwarten uns ein warmes Essen, ein kühles Bier und ein herzlicher Empfang unserer Freunde, die den Zustieg zur Hütte über den Weg 222 genommen haben.

Tag 2: Gipfelbesteigung

Nach einem sehr gemütlichen und witzigen Abend – von Activity über Stadt-Land-Fluss und ein, zwei Bier später, gibt es um 8 Uhr am nächsten Morgen zwar etwas müde, aber mit Vorfreude auf den Gipfel, erst mal ein Frühstück und einen Kaffee. Anschließend trennt sich unsere Gruppe ein weiteres Mal, um sich später gemeinsam am Gipfelkreuz wieder zu treffen. Zwei von uns nehmen den Bettelwurf – Klettersteig, während sich der Rest von uns auf den Eisengattergrat freut.

Der Weg von der Hütte auf den Großen Bettelwurf (2.726 m) beginnt gemütlich, doch lässt der stete Blick auf Berg und Gipfel erahnen, welch spannender Aufstieg uns noch erwartet. Haben wir den Eisengattergrat erreicht geht es auch schon los: Ausgesetzt und zum Teil Drahtseil versichert steigen wir unserem Ziel entgegen. Ständig begleitet durch einen wunderbaren Ausblick zurück Richtung Inntal und die Stubaier Alpen, denn das Wetter ist uns an diesem Samstag wohl gesonnen. Und trotz der guten Tarnung konnten wir sogar eine Gams erspähen.

Nach guten zwei Stunden erreichen wir unser Ziel. Der Rundblick ist überwältigend: Vom Karwendelgebirge zu den Berchtesgadener Alpen mit dem Watzmann (2.713 m), weiter zu den Hohen Tauern mit Blick auf den Großglockner (3.798m) und den Großvenediger (3,657 m), bis hin zu den Zillertaler Alpen, den Stubaier Alpen und den Kreis schließend, die Nordkette – alles im Blick. Nach einer ausgiebigen Pause und einer kleinen Stärkung wandern wir den gekommenen Weg gemeinsam wieder zur Hütte zurück, denn wir hatten unser Gepäck auf der Hütte zwischengelagert.

Nachdem wir unsere Trinkflaschen vollgemacht haben, starten wir den Abstieg zum Parkplatz zurück. An einem sonnigen Tag, wie wir ihn erwischt haben, sollte man genug zu Trinken dabei haben, denn der Abstieg zieht sich und ist sehr sonnenexponiert. Im unteren Teil führt der Weg eine Zeit lang über ein großes Schotterfeld, gerade hier kann es sehr heiß werden. Dann hat man es bald geschafft, bis man sich am Weißenbach erfrischen kann, bevor man das Tal auf der ehemaligen Mautstraße wieder hinausläuft. Nach knappen zwei Stunden und vierzig Minuten erreichen wir erschöpft aber glücklich den Parkplatz.

Info

Da der Klettersteig südseitig exponiert ist, sollte genug zu Trinken mitgenommen werden; zusätzlich sollte die Länge nicht unterschätzt werden. Nur von Mai bis Oktober begehbar, je nach Wetterverhältnissen.