Hochgall, 3436m

Tourdaten
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Art
Bergtour
Staat / Region / Gebirgsgruppe
Schwierigkeit
schwer
Charakter der Tour
2 Tages-Bergtour, Kletterei im Grad II bis III-, 50m Seil, Klettergurt, einige Express- und Bandschlingen zum sichern angenehm. Steigeisen und Pickel bei guten (trockenen) Verhältnissen nicht notwendig.
Geprüft
ja
Ausgangsort
Rein in Taufers
Ausgangspunkt
Parkplatz Rein
Zufahrt
Von Bruneck ins Ahrntal bis Sand in Taufers, rechts ins Reintal bis zur Ortschaft Rein.
Parkmöglichkeiten
Großer, gebührenpflichtiger Parkplatz in Rein
Geh-/Fahrzeit
Aufstieg: Hüttenzustieg 2h, Gipfelanstieg 4,5h
Streckenlänge
Aufstieg 10,2km
Höhenunterschied
Hüttenzustieg 650Hm, Gipfelanstieg 1350Hm
Höchster Punkt
3436m
Auskunft
Tel. Kasseler Hütte +39 0474 672 550
Einkehrmöglichkeit/Unterkunft
Kasselerhütte (Hochgallhütte) 2276m
für Kinder geeignet
nein
Rundtour
nein

Bergtour: Hochgall

Parkplatz Rein am Beginn des Bachertales um halb acht Uhr abends: ich steige aus dem Auto, mein Blick ist statisch, der Pulsschlag fast schon fanatisch - so muss es ausgesehen haben, als Hans der zu viel in die Luft „guckte“ seine Abenteuer erlebte. Bei mir kam dann noch der weit geöffnete Mund dazu – und auch ich wäre beinahe gegen einen Müllkübel gerannt. Und Schuld daran ist nur er: der Hochgall.
Der „Hohe, Schimmernde“ begrüßt uns mit seiner majestätischen Breitseite, standesgemäß in der Abendsonne leuchtend. Fasziniert steigen wir in der fortschreitenden Dämmerung der Kasseler Hütte, unserem Ziel für heute, entgegen.

Auf dem langen Weg zur Hütte schweifen meine Gedanken ab: „Wie werden die Schwierigkeiten sein, wie ist die Absicherung und und und. Besonders freut mich, das Urban mich zu dieser Tour begleitet. Für ihn ist diese Tour etwas ganz Besonderes, will er doch dem eigenen Aberglauben ein für allemal den Garaus machen.

Urban war schon vor einem Jahr mit seiner Verena auf der Kasseler Hütte und mit Sicherheit hat schon damals der beeindruckende Hochgall sämtliche Blicke auf sich gezogen. Und als er mir nachher vom Anblick dieses traumhaften Berges erzählt hat - gleich darauf aber bemerkte „dass er wohl nie auf ihn steigen würde“ war meine Neugier geweckt.
Auf meine Nachfrage erzählt mir Urban, dass auf der Kasseler Hütte ein paar Gedenkbilder von verunglückten Bergsteigern aufgehängt sind. Soweit ist das ja noch nichts Besonderes. Als er mir jedoch erzählt, dass zwei davon - den doch nicht sehr alltäglichen Namen „Urban“ tragen, musste ich auch einmal kurz durchatmen… zwei sind noch nicht drei… geht es wohl uns beiden durch den Kopf. Aber jetzt sind wir beide unterwegs, Aberglauben hin oder her.

Nach einer angenehmen, wenn auch recht kurzen Nacht machen wir uns im Schein unserer Stirnlampen, bereits um halb fünf Uhr morgens auf. Vorbei am See unterhalb des Tristennöckls der im Schein unserer Lampen mystisch schimmert, steigen wir auf dem markierten Weg Nr.4 bis auf eine Höhe von 2660m, um dort den Weg nach links Richtung Wandfuß des Grauen Nöckls zu verlassen. Früher musste man den östlichen Rieserferner queren, heutzutage kommt man ohne jegliche Eisberührung, dafür mit einem ordentlichen Höhenverlust zum Fuß des Grauen Nöckls, wo die leichte Kletterei beginnt. Bald stehn‘ wir am Gipfel des Nöckls.

Die folgende Passage über den Grat und hinunter in eine Scharte ist zwar ziemlich einfach (II, III-), mit einem Drahtseil versichert, aber auch ziemlich luftig, weshalb wir uns jetzt anseilen. Vom Grund der Scharte geht es am nordwestlich exponierten Blockgrat steil bergauf weiter. Bis auf 20m die wir (flach) im Schnee stapfen müssen, kommen wir „trocken“ davon – die Verhältnisse sind perfekt, Steigeisen unnötig.

Im letzten Drittel ändert sich der Charakter der Kletterei: war es vorher reine Blockkletterei, geht es nun plattig steil bergauf. Hier geht man „auf Reibung“, was aber halb so wild ist, weil auch ein vertrauenerweckendes Drahtseil nach oben führt – perfekt zu ergreifen und zu sichern. Ganz oben überklettern wir noch eine luftige Gratscharte, bevor wir uns am Gipfel ein zufriedenes „Berg Heil“ zu rufen. Die Gipfelschau in alle Richtungen ist beeindruckend – alle nahen Berge sind deutlich niedriger und erlauben so eine Fernsicht die ihren Namen verdient.
„Die Bergtour ist erst zu Ende, wenn man wieder im Tal ist“ – das denken wir uns auch und machen uns konzentriert an den Abstieg. Die ausgesetzten Stellen sichern wir wieder und kommen so problemlos zurück zum Einstieg.

Hier beschließen wir - spontan - nicht auf dem Anstiegsweg zurück zur Kasseler Hütte zu gehen, sondern dem Bach entlang direkt zu Weg Nr.8 zu folgen. Diese Variante ist aber nicht zu empfehlen, weil ein tiefer Bachgraben, den wir vorher nicht gesehen hatten, zu überwinden ist.
Wahrscheinlich führte uns aber das Schicksal auf diesen Weg. Auf halber Strecke kommen wir an einem weiteren Marterl vorbei. Als wir den Namen lesen, läuft uns wieder ein kalter Schauer über den Rücken – der dritte Urban.

Fazit: Hüttenaufstieg 650Hm, Gipfelanstieg aufgrund des Gegenanstieges durch die voranschreitende Gletscherschmelze nun 1350Hm, Schwierigkeitsgrad II bis III- aufgrund der techn. Kletterei A0. Bei solch guten Verhältnissen, wie wir sie hatten keine Steigeisen sowie Pickel notwendig, kurzes Seil zum Absichern der luftigeren Stellen angenehm.

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