Kann ein See zum Star werden? Der Wolfgangsee konnte es, und das gleich auf mehreren Ebenen: Schon in früheren Jahrhunderten zählte er zu den begehrtesten und umstrittensten Gewässern Mitteleuropas – als Spielball der Macht, als Faustpfand mittelalterlicher Kirchenpolitik. Anno domini 976 kam sein „Namenspatron”, der Regensburger Bischof Wolfgang, ins damals noch bairische Kloster Mondsee. Der umtriebige Kleriker erweiterte den Einfluss seiner Gastgeber alsbald Richtung Süden. Die Legende berichtet, er hätte als Eremit in einem verborgenen Felstal gehaust, dort zahlreiche Wunder gewirkt und zuletzt seine Hacke fortgeschleudert, um damit den (vier Kilometer entfernten!) Bauplatz einer neuen Kirche festzulegen. In Wirklichkeit handelte es sich dabei wohl um die nachträgliche Legitimierung handfester Wirtschaftsinteressen bzw. die geschickte Christianisierung heidnischer Kultplätze.

Die Kunde von Wolfgangs Wundern verbreitete sich jedenfalls in halb Europa. Schon im 13. Jahrhundert hatte die Kirche gegenüber der mächtigen Halbinsel, die den Wolfgangsee fast in zwei Teile scheidet, ihr Stammkloster am Mondsee weit überflügelt. Aus aller Herren Länder kamen die Pilger: Eine Landkarte aus der Blütezeit der Wallfahrt zeigt den Namen St. Wolfgang in der gleichen Größe wie Rom und Santiago de Compostella in Spanien. Wer sich ins Salzkammergut aufmachte, um Vergebung seiner Sünden zu erflehen (und nebenbei meist die einzige größere Abwechslung seines Lebens zu genießen), ließ ordentlich Geld für Unterkunft, Essen, Spenden und Kerzen im Land. Dies  kam auch dem Südtiroler Michael Pacher zugute, der im Jahre 1481 – vermutlich mit seinem Bruder Friedrich, einem Maler – einen Schnitzaltar von fast überirdischer Schönheit und Leichtigkeit für die Kirche vollendete. In späterer Zeit ergänzten Thomas Schwanthaler und Meinrad Guggenbichler die Inneneinrichtung um barocke Kunstschätze.

Wahrscheinlich wäre es kaum einem der Pilger, die mit wachsender Vorfreude und malträtierten Beinen ihrem ersehnten Ziel entgegenschwitzten, eingefallen, im Wolfgangsee zu baden. Heute ist dies sehr empfehlenswert, vor allem beim gemütlichen Gasthof Fürberg (schmale Zufahrt von der Straße St. Gilgen – Mondsee kurz vor dem Krotensee), im Strandbad Ried oder am Badeplatz „Intermezzo” westlich von St. Wolfgang. Neben der herrlichen Sicht übers Wasser zu den gegenüber aufragenden Gipfeln der Osterhorngruppe genießt man dort die Gewissheit, sich sozusagen auf historischem Terrain zu bewegen.

Ein weiterer Grund, sich um den Wolfgangsee zu streiten, lag im Waldreichtum seiner Umgebung. Die vorliegende Karte zeigt ganz deutlich die kerzengerade „Seidenfadengrenze” zwischen St. Wolfgang (das zu Oberösterreich gehört) und Strobl (im Salzburger Land). Mit ihrer Festlegung und der Einigung auf die komplizierte Grenzlinie rund um den Schafberg wurde ein Schlusspunkt unter jahrhundertelange, mitunter sogar blutig ausgetragene Kämpfe um das Holz für die Versiedung des Salzes gesetzt.

Einen dieser Brennpunkte (in wahrsten Sinn des Wortes) bildete der Schwarzensee im Nordosten des Wolfgangsees: Das waldgesäumte Ufer lädt zum gemütlichen Spaziergang ein, seine Südseite auch zum Schwimmen (der Nordteil ist den Fischern vorbehalten).

Den dritten und endgültigen Schub zum Kultstatus erhielt der Wolfgangsee schließlich in jüngerer Zeit – und zwar durch eher simple Feststellungen wie „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein”: Ein 1930 in Berlin uraufgeführtes Singspiel von Ralph Benatzky (mit Schlagern von Robert Stolz und Bruno Granichstaedten) machte das „Weiße Rössl am Wolfgangsee” weltberühmt; die darauf folgenden Verfilmungen taten ein übriges. So zählt St. Wolfgang bis heute zu den meistbesuchten Tourismus-Destinationen Österreichs, und auch das „Weiße Rössl” gibt es noch immer: Das Romantikhotel liegt direkt am See, der mit einem darin eingelassenen Spezial-Swimmingpool auch im Winter Badefreuden ermöglicht.

Nicht ganz so exklusiv, aber ebenso herzerfrischend ist ein „Schwumm” vor der „Bacherlwiese” zwischen Strobl und St. Wolfgang. Einen besonders schönen Blick auf die weltbekannte Kulisse unter dem Schafberg bieten die Strände auf der Halbinsel Zinkenbach, der „Eisl” in der Ortschaft Abersee und der Badeplatz beim Parkplatz an der Schiffsanlegestelle Gschwendt. Und besuchen Sie auch das familienfreundliche Felmayerbad in Strobl – wenn möglich am Abend, wenn genau gegenüber die Sonne hinter den Bergen versinkt. Sie können sogar alle Strände nacheinander ausprobieren, und zwar im Zuge einer auch historisch hochinteressanten „Weitwanderung”: Der neue, mit 16 thematischen Erlebnisstationen bereicherte Seerundweg „Natur + Kultur” verbindet sie alle miteinander!

Kulturerlebnis und Wasserspaß lassen sich natürlich auch am Mondsee gut verbinden: Auf dem bewaldeten Kolomannsberg erinnert eine hölzerne Kirche – die letzte ihrer Art in Österreich – an einen der ersten Missionare in diesem Gebiet. Gleich hinter dem Alpenseebad Mondsee erhebt sich die einstige Stiftskirche St. Michael, der Kristallisationspunkt des bereits im Jahre 748 gegründeten Klosters und damit der bairischen Kolonisierung des Mondseelandes. Wohl nicht alle Badegäste wissen, dass sie hier gleichsam in urgeschichtlicher Tradition plantschen: Seit 1872 fand man hier tausende Fundstücke von Pfahlbausiedlungen, sodass die Historiker für den Zeitraum zwischen 2800 und 1800 v. Chr. den Begriff „Mondseekultur” etablierten. Dessen eingedenk steigen Sie am besten am Badeplatz bei St. Lorenz oder bei Loibichl, gleich unterhalb der Autobahn-Raststation Mondsee, ins Wasser: Eine schöne Wohnlage mit Blick zur schroffen Drachenwand hatten sie ja, die Mondseer Urmenschen! Oder Sie begeben sich noch weiter ostwärts, zum Abfluss der Seeache Richtung Unterach am Attersee: Wer einmal vor dem Gasthof mit dem einprägsamen Namen „See” baden gegangen ist, wird den Blick zur steilen Felsstirn der Drachenwand bestimmt nicht mehr vergessen (und sich auch gern an die kulinarischen Köstlichkeiten erinnern).

Historisch interessierte Wassergenießer werden schließlich auch den Fuschlsee gern ins Auge fassen. Hoch über seinem Ostufer sind die Reste der Burg Wartenfels zu erkennen: Dort wachten einst die Ministerialen der Salzburger Erzbischöfe strengen Auges über ihren Anteil am Salzkammergut. Später zogen sie ins Tal – vielleicht war ihnen auch der Weg zum Seeufer zu weit? Dort locken heute zahlreiche Bademöglichkeiten – vom feinen Strandbad in Fuschl über den schönen Badeplatz beim Wesenauer Hof bis zum Naturbadestrand der Gemeinde Hof auf der Westseite, wo ein langer Steg zum tieferen Wasser führt und nebenbei einen herrlichen Blick auf die Fuschler Bergumrahmung bis hin zum Schafberg verschenkt.