Ausrüstung (pro Person):

  • Hüftgurt
  • 1 HMS-Karabiner
  • 5 Karabiner
  • 2 Prusikschlingen (320 cm Reepschnur)
  • 1 Bandschlinge (120 cm)
  • 1 Eisschraube
  • Steigeisen
  • Eispickel
  • ggf. Ropeman

Außerdem wird ein Seil mit einer Länge von mindestens 50 Metern in der Ausrüstung benötigt.

Laufen in der Seilschaft

Sommer: Im Sommer sollte man sich auf firn- oder schneebedeckten Gletschern sowie bei Neuschnee generell anseilen. Ausnahmen sind Toteisfelder, spaltenarme- oder freie, kleinere Restgletscher und apere (schneefreie) Gletscher. Diese Gletscherformen können in Eigenverantwortung ohne Seil begangen werden.

Winter: In den Wintermonaten wird vor allem für spaltenreiche Gletscher im Aufstieg und während schneearmer Winter das Anseilen empfohlen. Auch bei hohen Temperaturen und einer damit verbundenen durchfeuchteten Schneedecke sowie bei schlechter Sicht, Neuschnee und starkem Wind sollten sich Gruppen in Seilschaften sichern. Ein geringeres Risiko besteht in schneereichen Wintern und bei durchgefrorenen Schneedecken – dann kann der Gletscher auf eigene Verantwortung ohne Seilschaft begangen werden. Gruppen sollten auch dann ohne Seil gehen, wenn erhöhte Lawinengefahr besteht und dadurch die Gefahr größer ist mitgerissen zu werden als in Spalten zu stürzen. Hier gilt es immer abzuwägen, welches die gefährlicheren Verhältnisse darstellt.

Anseiltechniken

Bei einem Spaltensturz ist es vor allem wichtig, dass Sturz gehalten wird – es kommt weniger darauf an, dass der Gestürzte bequem hängt. Deshalb wird in Seilschaften größtenteils nur mit einem Hüftgurt angeseilt. Lediglich Kinder und übergewichtige Personen, bei denen die Hüfte schmaler als der Bauch ist und bei denen dadurch die Gefahr besteht, dass sie aus dem Hüftgurt rutschen, sollten sie kopfüber in eine Spalte stürzen, müssen mit einem Hüft-Brustgurt gesichert werden. In der Regel sollte aber nur ein Hüftgurt verwendet werden, da sich gezeigt hat, dass ein Sturz besser gehalten werden kann, wenn die Belastung nahe am Körperschwerpunkt liegt. Bei einem Brustgurt könnte der Sicherungspartner mit dem Kopf voran mitgerissen werden und hätte somit keine Chance zu bremsen.

Generell sollte beim Anseilen immer direkt an der Anseilschlaufe des Hüftgurts eingebunden werden. Am Gletscher und in einer Seilschaft wird jedoch immer mit einem Seilknoten und einem zusätzlichen Karabiner als Bindeglied angeseilt. Zur Sicherung sollte nach Möglichkeit immer ein Safelock-Karabiner oder zwei gegenläufig eingehängte Schraubkarabiner (die Schnapper werden zur jeweils anderen Seite eingehängt) verwendet werden, damit sich der Verschluss nicht ungewollt öffnet.

Als Anseilknoten wird der Sackstich, ein Achterknoten oder ein doppelter Bulin verwendet. Bei einem Sackstichknoten besteht aber das Problem, dass sich dieser nach Belastung und auch wenn das Seil nass wird, nur schlecht wieder öffnen lässt. Daher ist der gesteckte Achterknoten der sicherste und sinnvollste Knoten zum Anseilen.

Größe der Seilschaft

Um einen Spaltensturz halten zu können, ist es essentiell, dass man auf dem Gletscher mit Abstand zu den anderen geht. Je kleiner die Seilschaft ist, umso größer müssen die Abstände zwischen den Partnern sein. Die Länge des Seils sollte grundsätzlich 50 Meter betragen, bei sechs oder sieben Personen werden 60 Meter benötigt. Natürlich können auch längere Seile verwendet werden, dies bedeutet jedoch zusätzliches Gewicht. Und auch zu kurz sollte das Seil nicht sein, da sonst nicht ausreichend Seil für eine Spaltenbergung übrig ist.

Für eine Zweier-Seilschaft ist bei einem Spaltensturz die Gefahr am größten, dass auch das andere Seilschaftsmitglied mit in die Spalte stürzt. Bei drei Personen in der Seilschaft sinkt diese Gefahr bereits erheblich und bei einer Viererseilschaft ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass die Mitglieder einen Sturz nicht halten können. In schwierigem Gelände kommen Seilschaften mit mehr als fünf Personen nur langsam voran – dann sollten besser zwei Dreier-Seilschaften gebildet werden.

  • Zweier-Seilschaft:    12 – 20 m
  • Dreier-Seilschaft:    8 – 12 m
  • Vierer-Seilschaft:    7 – 10 m
  • Fünfer-Seilschaft:    6 – 9 m

Bei kleineren Seilschaften muss natürlich immer darauf geachtet werden, dass ausreichend Restseil übrig ist. Auch sollte der Abstand der Personen in Seilschaften nie kleiner als sechs Meter sein.

In Zweier-Seilschaften und auch bei unerfahreneren Dreier-Seilschaften sollten zusätzlich zwischen den Personen Bremsknoten gesetzt werden. Die Bremsknoten sollten drei Meter hinter bzw. vor den Teilnehmern gesetzt werden und dann im Abstand von etwa 1,5 Metern geknüpft werden. Bei einer Zweier-Seilschaft sollten drei bis fünf Knoten verwendet werden, bei einer Dreier-Seilschaft sind drei Bremsknoten ausreichend. Die Bremsknoten helfen den Sturz zu bremsen, indem sie sich bei einem Sturz in die Firndecke ziehen.

Spaltenbergung mit Mannschaftszug

Bei einer großen Seilschaft kann bei der Spaltenbergung der sogenannte Mannschaftszug zum Einsatz kommen. Ideal ist diese einfache Art der Rettung bei einer Seilschaft mit mindestens fünf Personen. Die Person, die am nächsten am Spaltenrand und dem Gestürzten ist, legt am gespannten Seil mit einer Reepschnur eine Prusikschlinge an, sichert diese mit einem Sackstich am Anseilkarabiner, hängt sich aus dem Anseilknoten aus und geht so gesichert zum Spaltenrand vor. Dort nimmt sie Kontakt mit dem Gestürzten auf.

Währenddessen hält die restliche Mannschaft den Gestürzten. Unter Anweisung der Person am Spaltenrand zieht die Mannschaft das Sturzopfer langsam und koordiniert aus der Spalte heraus. Damit sich das Seil am Spaltenrand nicht einschneidet und möglicherweise beschädigt wird, kann ein Eispickel unter das Seil gelegt werden.

Spaltenbergung mit einer losen Rolle

Während bei großen Seilschaften eine Spaltenbergung mit dem einfachen Mannschaftszug erfolgen kann, gestaltet sich die Bergung bei Dreier-Seilschaften ein wenig komplexer. Wie bei jeden Spaltensturz gilt es natürlich zunächst den Sturz zu bremsen und zu halten. Da in kleinen Seilschaften nicht so viele helfende Hände und somit auch nicht soviel Muskelkraft zur Verfügung stehen, muss die Last übertragen werden. Dafür muss die Person in der Mitte (Retter A) einen Standplatz bauen, während die hintere Person (Retter B) die Last alleine übernimmt.

Der Mittelmann hängt sich aus der Seilschaft aus und sichert sich über eine Reepschnur. Dadurch bekommt er genügen Bewegungsfreiheit, um eine T-Verankerung zu bauen. Dafür wird der Eispickel quer zur Belastungsrichtung vergraben. Alternativ kann bei einer ausreichenden Eistiefe auch eine Eisschraube verwendet werden. An der T-Verankerung wird eine mittels Prusikknoten am Seil befestigte Reepschnur abgelegt. Somit wird die Last auf den Fixpunkt übertragen.

Der hintere Bergsteiger ist nun entlastet und kann sich zum Spaltenrand bewegen. Zuvor sichert er sich mit einer 3 Meter langen Reepschnur, indem er diese mit einem Prusik am lockeren Seil anlegt und in etwa einer Armlänge eine Sackstichschlaufe geknotet. Diese Schlaufe wird in den Anseilkarabiner eingehängt, gleichzeitig wird der Anseilknoten ausgehängt. Am Spaltenrand angekommen nimmt der Retter Kontakt zum Opfer auf. Falls der Gestürzte ansprechbar ist, wird das lose Ende des Seiles mit einem eingefädelten Karabiner als Schlaufe zum Verunglückten hinabgelassen. Dieser hängt den Karabiner an den Anseilpunkt seines Klettergurtes. Als Rücklaufsperre wird eine weitere Reepschnur per Prusik-Knoten an das Seil, welches aus der Spalte nach oben kommt, angebracht. Nun können die Retter damit beginnen, den Gestürzten aus der Spalte zu ziehen.

Spaltenbergung mit Schweizer Flaschenzug

Es kann natürlich auch sein, dass der Gestürzte nicht ansprechbar ist oder nicht ausreichend Restseil für die lose Seilrolle zur Verfügung steht – in diesen Fällen kann die Seilrolle nicht verwendet werden. Dann kommt der Schweizer Flaschenzug zum Einsatz.

Wie immer muss zunächst der Sturz gehalten werden. Mit einem Schleifknoten wird die Last am Fixpunkt fixiert. An das Lastseil wird ein Kurzprusik gelegt und ein Karabiner eingehängt. Am Fixpunkt wird eine lange Bandschlinge eingehängt, durch den Karabiner an dem Kurzprusik geführt und am Ende ebenfalls mit einem Karabiner versehen. Durch diesen lässt man das freie Seilteil laufen. Jetzt kann der Schleifknoten gelöst werden und die Last auf die Bandschlinge übertragen werden. Der Kraftaufwand ist mit dem Schweizer Flaschenzug deutlich geringer.

Veröffentlicht am 21. September 2016