Das Wallis, das sich vom Genfer See bis zum Furkapass erstreckt, umfasst 5231 km2 mit ca. 210000 meist katholischen Einwohnern. Davon entfallen auf das deutschsprachige Oberwallis 2621 km2 und 78000 Einwohner, auf das französischsprachige Unterwallis 2610 km2 mit 132000 Einwohnern.
Kantonshauptstadt ist Sion (Sitten). Die Grenze verläuft am Raspille-Graben östlich von Sierre. Das Land steigt vom tiefsten Punkt am Genfer See (373 m) bis zur Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv (4634 m) an. Außer dem breiten, fruchtbaren Rhonetal mit Obst und Gemüseanbau und zahlreichen, oft eingeschnittenen Seitentälern besteht das Land aus Bergen, die nur zum kleinen Teil für eine bescheidene Almwirtschaft genutzt werden können. Es ist jedoch der größte Weinproduzent der Schweiz mit den höchstgelegenen Rebbergen in Visperterminen auf 1200 m (Heida-Wein).
Das Land besitzt sehr viel Wasser, das von den Bergen und Gletschern zu Tal fließt; der Aletsch ist dabei der größte Gletscher der Alpen. In zahlreichen Stauseen wird der Wasserreichtum zur Energiegewinnung genutzt.
Andererseits ist das Mittelwallis jedoch die regenärmste Region der Schweiz, d.h., das Wasser versickert rasch bzw. fließt schnell ab. Deshalb war eine künstliche Bewässerung nötig und seit dem 14. Jh. wurden Bewässerungskanäle angelegt, sogenannte Suonen oder Bisses, die oft in abenteuerlichen Konstruktionen an steilen Felswänden entstanden und deren Unterhalt zahlreiche Opfer forderte. Altes Brauchtum wird noch an vielen Orten in Ehren gehalten, besonders im Lötschental; eine Walliser Eigenheit sind die unblutigen Kuhkämpfe mit den schwarzen Eringer Rindern.
Fauna und Flora
Die Landschaft in unserem Gebiet ist sehr abwechslungsreich. Wiesen, Wälder, Moore, Seen, Flüsse, Täler, Berge und Gletscher wechseln rasch und bieten genügend Platz für verschiedene ökologische Nischen und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Unter der reichhaltigen Fauna gibt es auch zahlreiche seltene Arten. Wir finden viele Frösche, Kröten, Molche und Salamander, Schmetterlinge (wie z.B. Aurora-, Segel- oder Apollofalter), gefährdete Libellenarten und Gottesanbeterinnen. Mit Glück treffen wir ungiftige Schlangen wie Ringel-, Schling- oder Äskulapnatter, aber auch giftige Arten wie Kreuzotter oder Aspisviper. Häufig sind dagegen die vielen Murmeltiere, seltener dagegen Gämse, Steinbock oder Biber. Von den recht zahlreichen Vogelarten ist es sicher ein besonderes Erlebnis, einen Steinadler fliegen zu sehen.
Ebenso vielfältig ist die Flora. Neben bekannten Bergblumen wie Enzian und Edelweiß gibt es auch zahlreiche seltene endemische Arten wie Schweizer Meerträubchen, Ausgeschnittene Glockenblume, Gletscher-Edelraute, Einkopfiges Kreuzkraut, Mont-Cenis-Veilchen, Schweizer Mannsschild oder Büschel-Enzian. Nicht nur die bekannten Baumarten wie Eiche, Buche, Kiefer, Tanne und Fichte finden wir: im Hochgebirge herrschen Lärche und Arve vor. Bei Branson gibt es einen Kastanien- und bei Derborence einen Weißtannenwald.
Im trockenen Mittelwallis, besonders im Pfynwald, treffen wir auf eine mediterrane Vegetation mit Trockenrasen, Flaumeichen und Föhren. Besonders interessant ist der Wechsel der Vegetationszonen in den Follatères am Rhoneknie, wo auch Kakteen blühen.
Geschichte
Seit der mittleren Steinzeit um 6500 v.Chr. lassen sich erste Siedlungsspuren im Wallis nachweisen. Die später eingewanderten Kelten wurden zwischen 15–10 v.Chr. von Augustus besiegt und der Provinz Raetien angegliedert. Das Christentum lässt sich im 3.Jh. nachweisen, der hl. Theodul wurde um 360 der erste Bischof. Im Jahr 457 besetzten die Burgunder das Unterwallis, deren Reich 534 an die Franken fiel. Bei der Reichsteilung 834 ging das Wallis ans Mittelreich, aber schon 888 ließ sich Rudolf zum König von Hochburgund ausrufen.
Der letzte Herrscher, Rudolf III., schenkte 999 das Land dem Bischof von Sitten. Bereits 939/40 waren die Sarazenen bis St-Maurice vorgedrungen. 1034 kam das Wallis unter die Lehenshoheit des deutschen Kaisers Konrad II. Seit dieser Zeit nahm auch die Macht der Savoyer im Unterwallis zu. Ehrgeizige Adlige wie die Fürsten von Thurn sorgten ebenfalls für Unruhe. Nach einer blutigen Niederlage 1388 mussten die Savoyer 1392 endgültig auf das Wallis verzichten.
Unter den bischöflichen Herren von Sitten ist besonders Matthäus Schiner (ca. 1465–1522) hervorzuheben. Seine Großmachtträume endeten aber in der Niederlage von Marignano 1515 gegen Franz I. von Frankreich, während er selbst 1517 von seinem Widersacher Georg Supersaxo (1450–1529) aus dem Wallis vertrieben wurde. Nach 1536 breitete sich für knapp 100 Jahre die Reformation im Wallis aus. 1634 endete die weltliche Macht des Bischofs und eine Republik Wallis wurde ausgerufen, welche die deutschsprachigen Oberwalliser beherrschten.
Der bedeutendste Geschäftsmann und Politiker dieser Zeit war Kaspar Jodok Stockalper (1609–91) aus Brig. Die ständige Unterdrückung der französischsprachigen Unterwalliser entlud sich 1798 in einer großen Erhebung und einem Sieg mit Hilfe der Franzosen (1799). Napoleon annektierte von 1810–13 das Land als Département du Simplon.
1815 trat das Wallis der schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Nun kehrte sich der Sprachenstreit um und die Oberwalliser wurden benachteiligt.
1874 und 1907 wurde die völlige Gleichstellung auf allen Gebieten in der Verfassung verankert und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dies auch endgültig in der Praxis umgesetzt.
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