Das Engadin
Seinen Namen hat das Engadin vom Inn. Er entspringt am Piz Lunghin, durchfließt östlich von Maloja im Oberengadin eine Kette malerischer Seen und strebt hinter Sankt Moritz und Samedan, etappenweise als trostloser Kanal begradigt, dann wieder in freiem Lauf durch wilde Schluchten bei Zernez dem Unterengadin zu. Dort dreht er gegen Norden ab, besinnt sich aber angesichts des gigantisch aufragenden Piz Linard, dass er doch wieder gegen Nordosten durch das Tal zu fließen hat und verlässt bei Martina das Schweizer Engadin.
Die Farbe des wilden Flusses hängt sehr vom Wetter ab. In schönen Zeiten ist er blaugrün, wechselt nach Unwettern ins Braune und zeigt sich während der Schneeschmelze und an heißen Sommertagen als milchig trübes Gletscherwasser. Zu beiden Seiten des Inns erheben sich mächtige Berge. Am Piz Bernina wird die magische Grenze von 4000 m überschritten, alle anderen Gipfel der Ostalpen sind niedriger. Dank der beachtlichen Höhe der Ausgangspunkte – das Engadin liegt im Tal zwischen etwa 1800 m bei Maloja und gut 1000 m bei Martina – sind die Höhenunterschiede nicht gar zu gewaltig und viele Dreitausender lassen sich als Tagestour meistern.
Am schönsten ist die Landschaft des Engadins in Talnähe. Dort finden sich ausgedehnte Wälder, in denen Arven (Zirben), Lärchen und andere Nadelbäume dominieren. Über den Wäldern überwiegen Weidehänge, auf die an Sonnenhängen bis 2800 m Höhe Vieh aufgetrieben wird. Und dazwischen und darüber finden sich meist trostloses Geröll, Schutt oder dunkle Felsen. Nur die schattseitigen, vor der Sonne sicheren Seiten der Berge sind noch mit Gletschern geziert. Allerdings werden diese dank schneearmer Winter und heißer Sommer in der letzten Zeit immer kärglicher. Viele kleinere sind schon ganz verschwunden. Und dort, wo die Eisflächen noch vorhanden sind, muss man stellenweise schon im Frühsommer mit blankem Eis rechnen, weil die Schneefelder immer schneller abschmelzen. Das macht die Begehung der Gletscher nicht einfacher, denn die Spalten liegen frei und sind oft nur mit großem Aufwand oder gar nicht mehr zu queren.
Die schöne Landschaft hat schon seit alters die Menschen angelockt. Bevor die Touristen in Scharen gekommen sind, hatten sich die Maler Segantini, Georgy und Giacometti, der Philosoph Nietzsche, der Dichter Rilke und der Lyriker Hesse mit diesem attraktiven Land angefreundet. Inzwischen lässt der Touristenzustrom deutlich nach, was vielleicht auch an den hohen Schweizer Preisen liegen mag.
Gebirgsgruppen in
- Livigno-Alpen Höchster Berg: Cima de'Piazzi, 3.439m
- Berninagruppe Höchster Berg: Piz Bernina, 4.049m
- Albula-Alpen Höchster Berg: Piz Kesch, 3.418m
- Plessur-Alpen Höchster Berg: Aroser Rothorn, 2.980m



