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Istrien – naturräumliche und politische Gliederung

In Form eines auf der Spitze stehenden Dreiecks ragt Istrien in das Adriatische Meer. Erdgeschichtlich (tektonisch) betrachtet hat sich eine riesige Kalkplatte bei Bewegungen in der Erdkruste schräg gestellt und steigt, für jeden Betrachter gut sichtbar, von der zerfrans­ten Westküste ins istrische Hinterland auf Höhen über 400 Meter an. Ein Anstieg des Mee­resspiegels hat ganze Höhenzüge versinken lassen, deren Kuppen heute als viele kleine Inseln (z. B. Brijuni-Inseln vor Pula) aus dem Wasser ragen.Gleichzeitig wurden Täler überflutet und fjordartige Einschnitte ins Landesinnere gebildet (z. B. Limski Kanal/Limskifjord zwischen Rovinj und Vrsar).

Im Nordosten Is­triens riegelt das Cicarija-Gebirge die Halbinsel ab und sorgt für eine wettergeschützte Lage der istrischen Ostküste vom Kap Mašnjak bis Opatija. Vor allem die Römer und später auch die Venezianer haben Raubbau an den istrischen Wäldern betrieben und für eine Verkarstung der Landschaft gesorgt. Wind hat die entblößte Bodenschicht abgetragen, Regen und flie­ßende Gewässer den kalkigen Untergrund ausgewaschen und zerklüftet – ein weit verzweigtes Höhlensys­tem entstand.
    In den Norden der istrischen Halbinsel teilen sich mit einem winzigen Landstreifen Italien mit der Hafenstadt Triest und seinem Karsthinterland und Slowenien mit seinem etwa 50 km langen Küstenstreifen zwischen Ankaran und Portorož (Region Primorska) und einem ebenfalls verkarsteten Hinterland. Südlich davon gehört Is­trien heute zu Kroatien (Gespanschaft Istrien mit der Hauptstadt Pazin). Östlich des Cicarija-Gebirges ragt die kroatische Gespanschaft Primorje-Gorski in die Halbinsel.

Die Winde an der Küste und im Landesinneren
An den beiden Küsten Istriens herrscht Mittelmeerklima (tro­cken-warme Sommer, feucht-milde Winter), im Landesinneren macht sich aber auch gemäßigteres Kontinentalklima  bemerkbar. Regen fällt vor­nehm­lich im Frühjahr und Herbst. Starken Einfluss auf das Wetter nehmen drei vorherrschende Winde. Im Winter mehr als im Sommer bläst die gefürchtete Bora oft kräftig aus Nordost, aus Südost trägt der gemäßigtere Jugo wesentlich wärmere und feuchtere Luft übers Land, der freundliche Maestral aus westlichen Richtungen dagegen ist ein ausgesprochener Schönwetterbote, der die Dunkelheit scheut.

Die Geschichte Istriens
Vermutlich schon ab dem 11. Jh. v. Chr. wird Istrien von den Histrern besiedelt. Als erster Geschichtsschreiber erwähnt Hekateos von Milet um 500 v. Chr. diesen Stamm als „Volk in der Ionischen Bucht“. Bereits 221 v. Chr. kommt es zu ersten kriegerischen Begegnungen mit den Römern, die aber erst 178/177 v. Chr. die Oberhand gewinnen (u. a. wird die His­trerstadt ‘Nesactium’ bei Pula zerstört) und nach und nach ganz Istrien unterwerfen. Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert klopfen die ersten germanischen Stämme an die Tore Istriens, doch erst der Ostgote Theoderich kann anno 489 Istrien seinem Machtbereich einverleiben.

    Zwischenzeitlich ist das Römische Reich zerfallen, Ostrom (Byzanz) tritt in Istrien auf den Plan und verdrängt bis 540 die Ostgoten. Um 600 treten auch erstmals Slawen (Awaren) in Erscheinung, ihre Siedlungs­tätigkeit beschränkt sich aber auf das menschenleere Landesinnere. Erneut bedrohen Germanen Istrien: 753 überrennen Langobarden die Halbinsel, müssen ihre Eroberung aber schon 774 an Byzanz abtreten, das nunmehr die ansässigen Slawen christianisiert. Von 788 bis 855 gehört die Halbinsel zum Fränkischen Reich, danach fällt sie ans Königreich Italien. Um 1000 fassen auch erstmals deutsche Grafengeschlechter hier Fuß.
1145 dehnt Venedig seinen Machtbereich auf die ihm gegenüber liegende Küste aus und bringt nach und nach viele Städte an der istrischen Westküste unter seine Oberhoheit. Aber auch die Patriarchen von Aquileia mischen in diesen unruhigen Jahrhunderten kräftig mit und verwalten große Teile der Halbinsel. Auf dem Erbwege gelangt das Haus Habsburg 1474 in den Besitz von Istrien.
    Zu kriegerischen Zerstörungen gesellen sich im 14./15. Jh. Seuchen, die ganze Landstriche entvölkern. Den Niedergang nimmt die bäuerliche Bevölkerung nicht tatenlos hin, sie wehrt sich (1409/1571). 1420/21 obsiegen die Venezianer über die Patriarchen von Aquileia und bringen, bis auf die Grafschaft Pazin, ganz Istrien unter ihre Kontrolle. Türken fallen erstmals 1511 ins Land ein. Im „Uskokenkrieg“ (1615-17) zwischen Venezianern und Österreichern muss Istrien einen hohen Blutzoll entrichten. 1797 holt Venedig seine Flagge auf Istrien ein und übergibt seine Besitzungen an Ös­terreich. Auch Napoleon möch­te im Besitzstreit um Istrien nicht zurückstehen und gibt nach 1805 ein kurzes Gastspiel auf der Halbinsel, muss aber 1815 (Wiener Kongress) zurückstecken, Istrien verbleibt beim Hause Habsburg.
    Nach dem Ersten Weltkrieg zerfällt die österr.-ungar. Doppelmonarchie, Istrien wird dem Königreich Jugoslawien (SHS)  zugesprochen, 1920 gelangt es in Teilen an Italien. Gegen die rigorose Italienisierung brechen Aufstände aus (Labin, Pula). Im Zweiten Weltkrieg kämpfen die Istrier auf Seiten von Titos Partisanen, die letzlich die Oberhand gewinnen. 1947 wird Istrien Jugoslawien zuerkannt, 1954 auch die Triest-Frage gelöst. 1991 geht Istrien (ohne Triest) im unabhängigen Slowenien und Kroatien auf.

Die Küche der Region
Durch die lange Zugehörigkeit zu Österreich (1797-1918/20) und zu Italien (1920-1945/1947) ist die Küche Istriens, vor allem in Triest, österreichisch und an der Westküste stark italienisch geprägt. Dabei kommt aber die typisch istrische Küche keineswegs zu kurz. Und je weiter man sich von der Küste ins Landesinnere fortbewegt, des­to bodenständiger werden Kü­che und Keller.

Wer eine Wanderung oder eine Radtour durch Inneristrien macht, ist sicher am besten in den urigen Konobas aufgehoben, wo es auch für den schmalen Geldbeutel leckere Spezialitäten gibt. Hier wird meist zu heimischem Wein Schinken, Käse oder Fisch gereicht, aber auch wahrhaft Meisterliches über dem offenen Feuer gegart. Ähnlich gemütlich geht es in den Gostilnas zu: Dort sorgt sich oft die ganze Familie um das leibliche Wohl seiner Gäste und so mancher Geheimtipp zerfließt genussvoll auf der Zunge. Gäste in Radlerhose oder mit Rucksack sind in Konoba und Gostilna gleichauf willkommen.
    Das heißt aber nicht, dass Wanderern und Radfahreren in der Ribja restavracija, dem Fisch­restaurant, oder im normalen Restoran die Tür gewiesen wird. Hier dürfte das höhere (Preis-)Niveau manch potentiellen Gast veranlassen, nach der nächsten Konoba zu fragen. Notfalls muss auch ein Kaffee in einer Kava(r)na ge­nügen. Meist vergeblich wird man die einst so typischen Gerichte „Cevapcici“ und „Raznjici“ auf den Speisekarten suchen. Slowenen und Kroaten haben sich ihrer traditionellen Küche erinnert, und was die zu bieten hat, kann sich sehen lassen (siehe auch Rahmentext „Istrische Spezialitäten“).
    An der Küste breitet das Meer seinen ganzen Fischreichtum vor dem hungrigen Gast aus: Brassen, Barsch, Sardellen, Scampi, Muscheln schmecken mit und ohne Knoblauch, doch Olivenöl fehlt selten. Als Höhepunkt der Fischküche gilt der „Brodetto“ aus Fischen, Muscheln, Krebsen oder Calamari,  die am besten im „Malvazija“ (Weißwein) „schwim­­men“. Muscheln und Austern aus eigener Zucht locken Gourmets an den „Limski Kanal“.
    Im Landesinneren wird die Küche typisch istrisch. Hier reicht ein Schafskäse (Sir) oder der würzige, an der Luft getrocknete Schwei­neschinken (Pršut) oft für den kleinen Hunger, der große Hunger betrachtet beide lediglich als Vor- oder Nachspeise. Dem Wanderer ge­nügt wohl meist ein kräftiger, schmackhafter Ge­mü­seeintopf (Maneštra), der Radler verspricht sich eher vom „Ombolo“, einer Art Kass­ler, Stärkung seiner Kondition.             Opulent speist, wer sich als Hauptgericht Nudeln, Gnocchi oder Fuži mit Wildgulasch bestellt und dazu den süffigen „Teran“ (Rotwein) trinkt. Sollte die geplante Tagestour noch Zeit für eine kleine Nachspeise lassen, dann geht kein Magen an der süßen „Kroštule“ oder „Fritule“ vorbei, und auch hierzu gibt es den passenden Wein, einen feinen „Muskat“ aus Momjan.
    Wer zur Herbstzeit um Motovun oder Hum wandert, radelt oder mit dem Auto unterwegs ist, sollte einen gut gefüllten Geldbeutel dabei haben, um sich auch nur den Hauch der sündhaft teuren „Trüffel“ (Tartufi) zu gönnen, die in der „Humska konoba“ in Hum variantenreich auf den Holztisch kommt. In der Gegend um Motovun wird sich mancher ungläubig die Augen reiben: Hier schnüffeln nicht Schweine, sondern abgerichtete Hunde nach Trüffeln.

Die Weine Istriens
Fruchtig, leicht und schmackhaft sind die istrischen Weine. In der „Bujština“, der Gegend um Buje, wachsen hervorragende Weine, aber auch im Hinterland von Porecˇ, mit dem Weinstädtchen Višnjan, dessen mittelalterlicher Stadtplatz mit im Kreis stehenden Stadttoren wohl nicht nur Weinliebhaber begeis­tert, und dem weinreichen Vižinada.
    Im slowenischen Teil Istriens finden sich gute Weinlagen (Rot- und Weißweine) um Koper, Ricorvo, Koštabona, Škocjan und das ˇCrini kal. Gekeltert werden hier vornehmlich dunkle, vollmundige, schwere Rotwei­ne mit einem hohen Alkoholgehalt.
    Zu den istrischen Rotweinen zählen der Merlot, der Teran und Refošk. Beliebte Weißwei­ne sind Malvazija, Pinot und Muskat.

3000 Jahre Baugeschichte
In der antiken Stadt ‘Nesactium’ haben die „Ureinwohner“ Istriens, die Histrer, ihr Baudenkmal hinterlassen. Die Römer verewigten sich eindrucksvoll mit dem Amphitheater in Pula. Byzanz, das Ostrom nach dem Zerfall des Römischen Reiches, setzte mit der Euphrasius-Basilika in Porecˇ einen absoluten Glanzpunkt. Die Romanik hinterließ viele schö­ne Kirchen mit wertvollen Fresken und mit dem Kanonikerhaus in Porecˇ auch ein gut erhaltenes Wohngebäude. Zahlreich sind Kirchen und Klöster aus der Zeit der Gotik, aber auch die Stadtmauern eines aufstrebenden Bürgertums in Hum, Motovun und anders­wo. Stadtloggien im Stil der Renaissance hinterließen die Venezianer. Barock, fast schon  Rokoko, ist die Klosterkirche von Sv. Petar u Šumi. Klassizismus und Jugendstil haben sich vornehmlich in Opatija manifes­tiert.

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