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Kreisangehörige Stadt, Höhenlage: 197 m, Kreis: Saalfeld-Rudolstadt, Bundesland: Thüringen, postleitzahl: 07407, Tel.-Vorwahl: 03672

Dort, wo die Saale ihren westlichsten punkt erreicht, liegt von einem Kranz grüner Berge eingeschlossen in einem weiten Talkessel Rudolstadt. Die einstige Residenzund Kreisstadt füllt den schmalen Streifen zwischen dem steil aufragenden Hain mit der Heidecksburg auf seinem östlichen Sporn und der Saale im Süden aus. Geschichte: Wie Funde belegen haben sich schon in der mittleren Steinzeit Menschen in dieser Gegend aufgehalten. Der heutige Ort wird erstmals zwischen 775 und 786 in einer Urkunde erwähnt. Damals bestand allerdings noch keine Stadt im mittelalterlichen Rechtssinn, sondern lediglich eine fränkische Siedlungsstätte. Im Spätmittelalter ent-standen hier zwei Burgen, zwischen denen im 14. Jh. planmäßig eine Stadt angelegt wurde. Das älteste bekannte Stadtrecht datiert aus dem Jahr 1404. In der Zeit zwischen 1345 und 1437 wurde die Stadt nach Süden erweitert. Auf dem westlich vor der Stadtmauer gelegenen Vorwerksgelände entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg die Neustadt. Mit dem Eisenbahnanschluss in der 2. Hälfte des 19. Jh. setzte in Rudolstadt die Industrialisierung ein. Zunächst entstanden eine Porzellan- und Pharmazie fabrik sowie Buchdruckereien, später kamen Werke zur Herstellung von Röntgenröhren, Thermosflaschen, Werkzeugmaschinen, Chemiefasern, Beton und Dachpappe hinzu. Innerhalb von 100 Jahren entwickelte sich Rudolstadt aus einem provinziellen Ackerbürgerstädtchen zu einem wichtigen Industriestandort. Sehenswertes: Die Altstadt von Rudolstadt bietet sich zu einem Rundgang an. Vor dem 1874 fertiggestellten Bahnhof erstreckt sich der ehemalige Anger, die einstige Viehweide des Ackerbürgerstädtchens. Im vergangenen Jahrhundert wurde er als Bahnhofsvorplatz parkartig umgestaltet. Zwischen der Bahnlinie und dem Unteranger zieht sich auf einer Länge von über 1 km der zum Schutz der Stadt gegen Saalehochwässer nach 1735 errichtete Saaledamm hin. Mit seinen alten Linden- und Kastanienbäumen wurde er zur Flanierpromenade der Rudolstädter. Unmittelbar am Damm befindet sich das Theater. Bereits 1793 wurde hier das erste bescheidene Komödienhaus fertiggestellt. 1982-84 erweiterte man diese so genannte Theater- oder Kunstscheune und schuf damit einen entsprechenden Rahmen für künstlerische Darbietungen. Hinter dem Theater steht das Schiller-Denkmal. Von hier gehen wir durch die Angerstraße zur Marktstraße. Dort, wo beide zusammentreffen, befindet sich ein kleiner Platz, den der Güntherbrunnen (1864) mit seinen vier Fabeltieren und dem Rudolstädter Löwen ziert. Am 1904/05 erbauten Gerichtsgebäude (Marktstraße 54) vor über gelangen wir nach rechts zum Marktplatz. Auf dem Weg dorthin lohnt ein Blick in den Neorenaissance-Innenhof des Anwesens Marktstraße 48. Der quadratische Marktplatz bildet heute das Zentrum von Rudolstadt. Bis 1653 stand an der Stelle des Neuen Rathauses die durch Brand zerstörte Elisabethkapelle, davor befand sich der Friedhof. Das jetzige Rathaus wurde 1911/12 aus alten Renaissance-Wohnhäusern umgebaut. Das schöne Portal und die Giebel erinnern noch daran. Links schließt sich das seit 1577 bestehende Hotel „Goldener Löwe“ an. Der gegenüberliegende Gasthof „Schwarzer Adler“ kann ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblicken. Im 18. Jh. stiegen hier adelige Gäste und Regierungsoberhäupter ab, ehe sie am Rudolstädter Hofe empfangen wurden. Bevor wir den Marktplatz wieder verlassen, werfen wir noch einen Blick auf das Sitznischenportal am Haus Nr. 14. Ein weiteresschönes Renaissance-Hausportal finden wir in der Marktstraße 23. Nahe dem Markt entstand in jüngster Zeit aus dem früheren Bernhardinenstift der Handwerkerhof mit einem malerischen Innenhof. An der Freiligrathstraße wenden wir uns nach rechts, danach zweimal links und gelangen so zuerst in die Brücken- und danach in die Schulstraße. Hier haben sich noch die einfachen kleinen Häuser der Handwerker und Ackerbauern erhalten. Meist ist nur das Erdgeschoß massiv aus Stein erbaut, das erste und das sehr selten vorkommende zweite Obergeschoss sind aus Fachwerk errichtet (heute meist verputzt). Die Schulgasse führt uns zum Schulplatz, wo sich in dem stimmungsvollen Renaissancebau eines ehemaligen Gymnasiums (1609) die Stadtbibliothek befindet. (Nr. 13). Am Haus Nr. 2 kann man wieder ein schönes Renaissanceportal sehen. Nur wenige Schritte von hier erhebt sich auf dem Pfaffenhügel die Andreaskirche. 1217 erstmals urkundlich erwähnt, zwischen 1450 und 1500 erweitert, erhielt sie ihre heutige spätgotisch-frühbarocke Form in den Jahren 1634-36. Im Süden wird der Kirchhof von der Superintendentur (16. Jh.) begrenzt. Nördlich der Kirche befindet sich in der Burggasse 1 die ludwigsburg. An ihrer Stelle stand seit dem 8./9. Jh. ein ‘castrum’, später ein Gutsschloss. 1734-41 wurde die barocke Anlage als Wohnsitz für den Prinzen angelegt. Auf einem schmalen Pfad, der hinter der Kirche beginnt, steigen wir nun zur Heidecksburg empor. Sie wurde im 14. Jh. an Stelle des 1345 zerstörten Oberen Schlosses erbaut und im 15. Jh. erweitert. Dieser Bau brannte 1573 ab und wurde danach im Stil der Spätrenaissance und des Frühbarock wieder aufgebaut. 1735 wurde auch dieses Schloss ein Opfer der Flammen. Zwischen 1737 und 1786 entstand auf den Über resten die heutige groß zügige Barockanlage. Klassizistische Um- und Anbauten um 1800 haben sie nur leicht verändert. Zwischen 1574 und 1918 diente das Schloss – mit einigen Unterbrechungen – der 1571 entstandenen Schwarzburg-Rudolstädtischen Landesherrschaft als Residenz. Seitdem ist ein Teil der Fest- und Wohnräume (Prunkschlafzimmer, Roter Saal, Grüner Saal, Großer Fest- oder Musiksaal, Chinesisches Kabinett, Klassizistischer Raum) der Öffentlichkeit zugänglich. Andere Teile des Schlosses beherbergen verschiedene Museen (Porzellanausstellung, Gemäldegalerie, Naturkundliches Museum, Waffensammlung und regionalgeschichtliche Ausstellung). Von der Schlossbergterrasse bieten sich schöne Blicke über die Dächer der Altstadt zu den umliegenden Höhen. Durch den Tunnel verlassen wir den Schlosskomplex wieder und steigen die Stiegen zur Stiftsgasse hinunter. Die nach einem ehemaligen Adelsstift benannte Gasse war im Mittelalter die Hauptstraße von Rudolstadt. Direkt am Ende der Stiegen befindet sich das 1524 erbaute Alte Rathaus. Die kleine Straßenerweiterung davor war ursprünglich der Marktplatz. An der Vorderseite des Alten Rathauses ist die „Rudolstädter Elle“, das Normalmaß für die Tuch- und Leinwandhändler, in die Mauer eingelassen. In der Großen Badergasse, aber auch in der Ratsgasse, der nächsten westlichen Parallelstraße, hat sich eine Reihe großer Einfahrtstore aus der Renaissance erhalten. Von der Töpfergasse kann man nach rechts in die Mangelgasse blicken, in der die erste mittelalterliche Stadtmauer verlief. Über den Markt und durch die schmale Bahnhofsgasse gelangen wir in die Mauergasse. Im Haus Nr. 27 verbrachte der Heimatdichter Anton Sommer die letzten 20 Jahre seines Lebens. Die Vorwerksgasse weist uns darauf hin, dass das Gelände für die Stadterweiterung nach Westen einst zu einem herrschaft lichen Vorwerk gehörte. Wir kehren zurück zur Marktstraße und folgen der übernächsten Allee nach rechts. Ihren heutigen Namen Schillerstraße erhielt sie zur einhundertsten Wiederkehr vom ersten Besuch des Dichters in Rudolstadt. Im ehemaligen Gasthaus „Zur güldenen Gabel“ (Nr. 1) logierte Schiller einige Male bei seinen hiesigen Aufenthalten, imHaus Nr. 25 traf er 1788 erstmals mit Goethe zusammen. Auf der gegen überliegenden Straßenseite befindet sich das Wohn- und Sterbehaus des Komponisten Max Eberwein (Nr. 8). Am nördlichen Ende der Straße wohnte und komponierte von 1757-1770 Christoph Gotthelf Scheinpflug. Etwa auf halber Höhe der Schillerstraße führt eine schmale Gasse hinüber zur parallel verlaufenden Großen Allee. Sie wurde 1776 als Spazier- und Reitweg angelegt und führt uns zurück zur Marktstraße. Im Haus Nr. 75 schrieb Schopenhauer 1813 im damaligen Hotel Ritter seine Doktorarbeit. Den Abschluss der Marktstraße nach Westen hin bildet die 1862 erbaute Post. Am Eckhaus August-Bebel-Straße erinnert eine Gedenktafel an Heinrich Cotta, einen Maler und Radierer der Freiheitskriege. An der 1874 geweihten Katholischen Kirche in der Caspar-Schulte-Straße endet unser Stadtrundgang. Über die Marktstraße und den Anger kann man von hier aus in zehn Minuten wieder den Bahnhof erreichen. Außerhalb der Innenstadt sind die lutherkirche (1904) und die Richtersche Villa in der Schwarzburger Chaussee sehenswert. Am anderen Saaleufer befindet sich im Heinrich-Heine-Park das Museum Thüringer Bauernhäuser. Oberhalb des Mörlagrabens kann man in Mörla die 1969 eingeweihte Schulsternwarte besuchen. In Volkstedt erinnern Schillers Wohnhaus und eine Gedenkstätte am Felshang über dem Dorf an die dortigen Aufenthalte des Dichters. Vom Marienturm südlich von Cumbach erhält man einen guten Überblick über die Umgebung.

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