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Kreisfreie Stadt, Höhenlage: 150 m, Bundesland: Thüringen, postleitzahl: 07743, Tel.-Vorwahl: 03641

Die Saale hat das landschaftsbild um Jena geprägt. Zu beiden Seiten des flussesbildeten sich Kulturlandschaften aus, die von Siedlern undBürgern in Jahrhunderten geschaffen wurden. Jena, die nach Halle bedeutendste Stadt an der Saale, liegt an deren Mittellauf. Hier, gleich weit vom Kamm des Thüringer Waldes wie von der leipziger Tieflandsbucht entfernt, zwischen Buntsandstein und Muschelkalk, bietet sich sowohl dem, der Kultur- und Kunstdenkmale sucht, als auch dem, der wandernd abwechslungrsreiche und einprägsame Wege erkundet, eine große Vielfalt von Zielen. Geschichte: Um 830/50 als ‘Jani’ im Hersfelder Zinsregister eingetragen, darf sich ‘Jene’ 1236 bereits „Stadt“ nennen. Die im 13. Jh. angelegte Stadtbefestigung wurde Anfang des 14. Jh. zu einer Stadtmauer mit drei Toren und vier Türmen ausgebaut. 1548 gründete der sächsich-ernestinische Kurfürst Johann Friedrich I., der Großmütige, im ehemaligen Dominikanerkloster eine Hohe Schule. Diese erhob Kaiser Ferdinand I. 1558 zur Universität. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. erreichte die Alma mater Jenensis ihre erste Blütezeit, in der sie internationale Anziehungskraft erlangte. Buchdruck, Buchhandel und Verlagswesen zogen nach Jena. Goethe, der nach 1785 in Jena Abstand vom Weimarer Hof suchte und hier innere Ruhe und die äußeren Bedingungen für sein dichterisches Schaffen fand (u.a. schrieb er hier am „Faust“ und „Wilhelm Meister“), zeigte großes Interesse an der Entwicklung der Stadt (Saaleregulierung, Straßenbau) und der Universität. Wissenschaftliche Einrichtungen wie der Botanische Garten, die Mineralogische Sammlung, die Universitätsbibliothek und verschiedene andere wissenschaftliche Institutionen entstanden auf seine Anregungen und unter seiner Anleitung. Auf seine Empfehlung hin wurden zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten nach Jena berufen. Einer der berühmtesten Professoren war Friedrich Schiller, der von 1789 bis1799 in Jena lebte und Geschichte lehrte. Neben vielen Balladen entstanden hier u.a. die Dramen „Wallenstein“ und „Maria Stuart“. In den Jenaer Jahren begann seine dichterisch fruchtbarste Schaffensperiode. In dieser klassischen Periode entfaltete sich die Stadt zum bedeutendsten geistigen Zentrum in Deutschland. Die benachbarten Städte Jena und Wei-mar bildeten eine geistige Einheit, man sprach von der Doppelstadt. Jena wurde zur Hauptstadt der deutschen Philosophie und der deutschen Frühromantik. Persönlichkeiten wie Fichte, Schelling, Hegel und Feuerbach, die Brüder Humboldt, Novalis, Hölderlin, Tieck, Brentano sowie die Brüder Schlegel mit ihren berühmten Frauen lebten vorübergehend oder für längere Zeit in den Mauern der Stadt und machten sie zu einem Zentrum der europäischen Geistesgeschichte. An nahezu 200 Gedenktafeln ist abzulesen, welcher Anziehungspunkt Jena für die bedeutendsten Gelehrten und Künstler damals war. Bei Jena und Auerstedt besiegten napoleonische Truppen 1806 das preußische Heer. Als 1815 auf dem Wiener Kongress die politische Landkarte Europas neu gezeichnet wurde, gründeten sich in der „Grünen Tanne“ zu Jena die Urburschenschaften, die erste burschenschaftliche Studentenverbindung, geboren im Zeichen eines erwachenden Nationalbewusstseins vor dem Hintergrund napoleonischer Eroberungskriege. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstanden durch das Zusammenwirken der Wissenschaftler Ernst Abbe und Otto Schott mit dem Unternehmer Carl Zeiss eine optisch-mechanische und eine Glasindustrie (Zeiss-Werke und Glaswerk Schott & Gen.), die der bis dahin beschaulichen Universitätsstadt zu Weltruhm verhalfen. Es folgte eine Zeit befruchtenden Nebeneinanders von Universität und Industrie, in der in Jena viele sehenswerte Einrichtungen und Bauten entstanden. Im Oktober 1945 eröffnete als erste deutsche Universität die Friedrich-Schiller-Universität ihren Lehrbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sehenswertes:

Ein kleiner Altstadtrundgang führt zunächst zum Collegium Jenense, der Gründungsstätte der Universität in der Kollegiengasse. Im malerischen Kollegienhof finden in den Sommermonaten verschiedene musikalische Veranstaltungen in einer ganz besonderen Atmosphäre statt. Im Anatomieturm (Teichgraben/Leutragraben), dem südwestlichen Eckturm an der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung, befand sich einst ein anatomischer Hörsaal. Das Theaterhaus im Schillergässchen wurde 1837 als Sommertheater eröffnet. Auf dem Platz vor dem Theater befand sich bis zum Jahr 1525 das Karmeliterkloster. 1545 wurde in den leer stehenden Gebäuden eine Druckerei eingerichtet, in der zehn Jahre später der ers te Band der Jenaer Ausgabe der Werke Martin Luthers erschien. Im Februar 1996 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes das moderne und exklusive Einkaufszentrum (Goethe Galerie) mit 70 Geschäften, einem Vier-Sterne-Hotel, Restaurants, Kneipen und Cafés eröffnet. Das Ernst-Abbe-Denkmal (1911) auf dem Carl-Zeiss-Platz ist dem bekannten Physiker gewidmet. Unweit das Volkshaus, auf Initiative Ernst Abbes in den Jahren 1901-1903 erbaut. Im Saal des repräsentativen Jugendstilgebäudes befindet sich die größte Konzertorgel Thüringens. Wegen der optimalen Akustik finden sich hier ideale Bedingungen für Konzerte undandere musikalische Veranstaltungen. Am Ernst-Abbe-platz (Nr. 5) wurde 1915/16 das erste Hochhaus (42 m hoch) Deutschlands für Zeiss erbaut. Das Rosenhainische Haus (Johannisstraße 13) wurde 1561 von der kurz zuvor gegründeten Universität gekauft. Heute befinden sich in der „Rose“ zwei Gaststätten und in den Kellerräumen ein Studentenclub. Die Rosensäle werden von der Universität als Lesesäle genutzt. Seit 1770 finden hier auch „Akademische Konzerte“ statt. Von den ehemals drei Stadttoren ist das Johannistor (1304 erstmals erwähnt) in der Johannisstraße als einziges erhalten geblieben. Der pulverturm (Fürstengraben/Leutragraben), der Nord-West-Turm der alten Stadtbefestigung aus dem 13./14. Jh., ist ca. 20 Meter hoch. Er bildet mit dem rekonstruierten Wehrgang, dem Haus auf der Mauer und dem Johannistor ein idyllisches Ensemble. Die Johanniskirche (Wagnergasse) ist die älteste Kirche der Stadt und gehört der Katholischen Gemeinde. Trotz umfangreicher Umbauarbeiten im Jahre 1903 ist der romanische Kern noch zu erkennen. Durch Straßenbau wurden große Teile des Johannisfriedhofes zerstört, Persönlichkeiten aus mehreren Jahrhunderten fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die friedenskirche trägt seit dem Jahr 1945 ihren Namen und ist vom noch verbliebenen Teil des Johannisfriedhofes umgeben, der Ende des 13. Jh. eingerichtet wurde. Die Michaelskirche am Kirchplatz ist nur in den Sommermonaten geöffnet. Die spätgotische Kirche ist eine der größten Hallenkirchen Thüringens. Besonders sehenswert sind die beiden prächtigen Portale und im Innenraum die romanische Holzplastik des Erzengels Michael mit dem Drachen. Von der Kanzel mit dem spätgotischen Rankenornament predigte Martin Luther in den Jahren 1524 und 1529. Eine weitere Besonderheit ist die bronzene Originalgrabplatte mit Bibel und Lutherrose für den Reformator, die sich seit 1571 hier befindet. Als eines der sieben Wunder Jenas bezeichnet man die Altarunterführung. Dem ehemaligen, dahinter liegenden Zisterzienser-Nonnenkloster war nur auf diesem Wege ein Zugang zu seinen Gebäuden möglich. Übrig geblieben sind vom 1525 aufgehobenen Klos ter nur die Kellergewölbe der ehemaligen Propstei, die 1323 gebaut wurden. Das Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1) wurde in den Jahren 1905/06 nach den Plänen des Architekten Theodor Fischer errichtet (sehenswerte Innenräume). Am Löbdergraben stehen Denkmale für die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Schiller. Das Hotel Schwarzer Bär (Lutherplatz 2) ist eines der ältesten Gasthäuser Jenas. Berühmteste Gäste waren Martin Luther, Johann Friedrich I. und Bis marck. Das platanenhaus (Unterlauengasse) ist ein im Jahr 1606 erbautes Fachwerkhaus, eines der ältesten Häuser Jenas, heute jedoch nur noch ein gesicherter Baukörper. Daran an schließend ein neu erbautes Bankgebäude. Im Schalterraum wurde durch eine Glasplatte im Fußboden ein Teil der alten Stadtmauer sichtbar ge macht. Der Rote Turm war der südöstliche Turm der Stadtbefestigung. Er stürzte 1995 ein und wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Eines der ältesten Gebäude am Marktplatz ist das Rathaus. Der älteste Teil stammt aus dem 13. Jh., ein Neubau erfolgte 1377-1380, der barocke Mittelturm wurde 1755 aufgesetzt. Die astronomische Kunstuhr stammt aus dem 15. Jh. Bei jedem vollen Stundenschlag versucht der Schnapphans, eines der sieben Wunder Jenas, die vom Pilger entgegengehaltene goldene Kugel zu schnappen. In der Mitte des Marktplatzes steht das Denkmal für den Begründer der Universität, Johann Friedrich I., genannt Hanfried. Das von Johann Friedrich Drake geschaffene Denkmal wurde anläss lich der 300-Jahr-Feier der Universität 1858 aufgestellt. In der spätgotischen „Göhre“, einem der ältesten Bürgerhäuser Jenas, ist das Stadtmuseum untergebracht (Markt 7). Hier werden die Geschichte Jenas von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Jahrtausendwende eindrucksvoll dargestellt, die Bedeutung Jenas als mittelalterliche Handels- und Gewerbestadt erläutert und die sieben Wunder Jenas erklärt.

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