Kanada? Nein, Kärnten. Lägen die Nockberge anderswo,  wären diese Höhenzüge im Breitwandformat vielleicht weltbekannt. So aber gehören sie allein jenen  Menschen, die in stillen Gebieten glücklich sind. Der Biosphärenpark Nockberge sorgt mit behutsamen Erschließungen und Naturerfahrungsprogrammen dafür, dass es immer mehr werden – ohne die in Jahrhunderten entstandene Vielfalt der Landschaft zu  beeinträchtigen.

Die Nockberge entstanden vor etwa 60 Millionen Jahren, als der afrikanische Kontinent gegen Eurasien zu drücken begann: So nahm die Auffaltung der Alpen und damit auch der Nockberge, einem ihrer ältesten Bereiche, ihren Lauf. Wind und Wetter hielten dagegen und vor allem die Eiszeiten zernagten das Gestein, bis ein sanft gewelltes Durcheinander weit ausladender Berge übrig blieb. Wären sie Menschen, könnte man sie „gelassen“ nennen.

Almen, so weit das Auge reicht

Ein Charakteristikum der Nockberge sind die weiten und idyllischen Hochalmen, die sich zwischen duftigen Lärchen- und Zirbenwäldern ausbreiten. Sie sind das Ergebnis jahrhundertelanger, harter Bergbauernarbeit und waren eine wichtige Lebensgrundlage der Menschen in den Tälern. Unter schwierigen Bedingungen wurden über Jahrhunderte hinweg freie Weideflächen gerodet und gepflegt.

Auch heute noch werden die großteils in bäuerlichem Privatbesitz befindlichen Flächen bewirtschaftet; dies bildet eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes. Und dennoch wäre das unverwechselbare Antlitz der Nockberge beinahe verloren gegangen: Um 1970 sahen die Tourismusplaner den Bau eines flächendeckenden Wintersportspektakels vor. Den Kärntnern war das allerdings nicht mehr ganz geheuer: Nach erbitterten Protesten von Naturschützern sah sich die Landesregierung zu einer Volksbefragung genötigt, bei der im Dezember 1980 94,32 Prozent der Wähler für den Schutz des Gebiets votierten.

Der Biosphärenpark Kärntner Nockberge hat am 11. Juli 2012 in Paris Geschichte geschrieben. An diesem Tag erhielten die Kärntner Nockberge gemeinsam mit dem Salzburger Lungau die UNESCO-Auszeichnung zum „Biosphärenpark – Modellregion für nachhaltige Entwicklung“. Ein Meilenstein für die regionale Weiterentwicklung für die Region Nockberge. Man ist nun einer von weltweit insgesamt 598 Biosphärenparks in 117 Ländern. Nach insgesamt 8jährigen intensiven Vorarbeiten gab es in Paris die langersehnte positive Nachricht. Insgesamt wurden 20 neue Regionen aus Europa, Afrika, Amerika und Asien in die Liste der UNESCO aufgenommen. Unter dem Vorsitz der Ägypterin Boshra Salem wurde die länderübergreifende Einreichung vom Salzburger Lungau und den Kärntner Nockbergen im UNESCO-Hauptquartier im Beisein von Josef Fanninger und  Dietmar Rossmann, den Verantwortlichen in den beiden Bundesländern, positiv beurteilt. Ab sofort sind sich der Salzburger Lungau und die Kärntner Nockberge Teil dieser besonderen Regionen auf der ganzen Welt, die sich durch ihre Schönheit, Ursprünglichkeit und Authentizität auszeichnen. Das UNESCO-Gremium würdigte dabei besonders, dass die Bevölkerung intensiv in die Ausweisung des Parks einbezogen worden war. Es wurde damit der Biosphärenpark „Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge“ geschaffen. Unter den neu aufgenommenen Gebieten befinden sich neben den Kärntner Nockbergen und dem Salzburger Lungau beliebte Urlaubsziele wie die spanische Kanaren-Insel La Gomera oder das Flussbett der Dordogne im Südwesten Frankreichs.

In den Nochbergen erheben sich weit ausladende Gipfel zwischen 1800 und 2400 m Seehöhe

Kärnten Werbung/Franz Gerdl

Das UNESCO-Prädikat hat viele Vorteile. Neben der Bewusstseinsbildung für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Region geht es um ein Qualitätsprädikat für den Tourismus. So werden neben dieser wichtigen Auszeichnung Netzwerke und Kooperationen entstehen, um den ansässigen Betrieben ein Gütesiegel für Regionalität und Qualität zu bieten. Im globalen Tourismus-Wettbewerb wird es für kleinere Regionen immer schwieriger, das Interesse potenzieller Urlaubsgäste auf die eigenen Angebote zu lenken. Als starke Motoren können hier internationale Auszeichnungen und Prädikate wie der UNESCO-Biosphärenpark dienen. Eine mit diesem Prädikat ausgezeichnete Region darf den Beinamen „Modellregion für nachhaltige Entwicklung“ führen. Biosphäre heißt Lebensraum und bedeutet einen wertvollen Bereich für Mensch und Umwelt sowie für Wirtschaft und Tradition. Um als potenzieller Biosphärenpark anerkannt zu werden, müssen gewisse Kriterien wie die Festlegung von Naturschutzgebieten erfüllt werden. So muss ein Biosphärenpark zu mindestens fünf Prozent aus Naturzone und zu mindestens 20 Prozent aus Pflegezone bestehen. Der Rest ist die Entwicklungszone, in der sich die Wirtschaft dynamisch weiterentwickeln soll. Im Lungau liegen zum Beispiel 100 Prozent der Skigebiete in dieser Entwicklungszone, damit hier die Weiterentwicklung in diesem für den Lungau wichtigen Bereich aktiv betrieben werden kann.

Zur Philosophie eines Biosphärenparks gehören folgende Merkmale: die Erhaltung von Landschaft, schützenswerter Lebensräume, Kulturlandschaft, Land- und Forstwirtschaft, kultureller Vielfalt und Brauchtum, die Entwicklung der Regionen unter besonderer Berücksichtigung der natürlichen Ressourcen und Einbeziehung der Bevölkerung, von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, des Tourismus und der ansässigen Betriebe wie Handwerk, Gewerbe, Dienstleistung, die Partizipation, gemeinsames Gestalten und Sensibilisierung für laufende Entwicklung der Bevölkerung sowie Koordination und Kooperation der touristischen, wirtschaftlichen, bildungs- und forschungsrelevanten Aktivitäten und Projekte.

Dem Biosphärenpark Kärntner Nockberge gehören die Gemeinden Krems in Kärnten, Radenthein, Bad Kleinkirchheim, und Reichenau an. Ziele des Biosphärenparks sind es, die Kulturlandschaft zu erhalten und die wirtschaftliche Lebensgrundlage zu sichern. Auch die Beständigkeit wertvoller Lebensräume und die nachhaltige Weiterentwicklung der Region sind die vorrangigen Ziele des Biosphärenparks Kärntner Nockberge.

Erlebnis Nockalmstraße

Diese mautpflichtige Traumstraße verbindet Kremsbrücke im Liesertal mit Ebene Reichenau am Oberlauf der Gurk. Mit 34 km Streckenlänge und unzähligen Kurven überwindet sie zwei Pässe – jeder von ihnen liegt mehr als 2000 m über dem Meer. Neben den traditionellen Almhütten, die die gut ausgebaute asphaltierte Straße säumen, sind im Lauf der Zeit viele weitere Attraktionen entstanden, die zu einem Zwischenstopp einladen. Fährt man aus dem Gurktal an, so ist dies zunächst einmal der originelle „Weg der Sinne“ und der nicht weit davon entfernte Naturlehrweg am Windebensee, einem winzigen Gewässer, in dem sich die Bergwelt der Umgebung spiegelt. Es folgt die Glockenhütte auf dem ersten Straßensattel, die sich auch als Ausgangspunkt für kurze (aber steile) Gipfelabstecher auf den Schiestl- oder Klomnock sowie für einen längeren Höhenweg in die Kirchheimer Wollitzen empfiehlt.

Nach der Talfahrt (die an einem weiteren Parade-Panoramablick vorbeiführt) erreicht man die urtümliche Grundalm, bei der Wildwasser und Bergwald didaktisch aufbereitet wurden. Neuerlich geht’s aufwärts, diesmal zum „Karlbad“, einer spartanischen „Kureinrichtung“, in der sich im Lauf der Jahrhunderte wohl nicht allzu viel verändert hat. Weitere 400 Höhenmeter muss man noch hinauf fahren, dann folgt eine genussvolle Aussichtsroute quer durch den Abhang der Eisentalhöhe, die man leicht per pedes „mitnehmen“ kann. Vielleicht fahrt ihr aber auch gleich weiter zum nahen Almwirtschaftsmuseum in der Zechneralm oder „ins Reich des Murmeltiers„, das euch bei der benachbarten Pfandlhütte auf der Heiligenbachalm näher gebracht wird.

Der letzte Abschnitt bringt euch jedenfalls nach Innerkrems, wo ihr die Qual der Wahl habt: Links hinaus ins Liesertal oder nach rechts – und weiterhin durch die Nockberge?

In diesem Fall geht es ein drittes Mal bergauf, und zwar zur sonnigen Senke des Schönfelds, auf dem euch neben anderen Einkehrstationen die altehrwürdige Dr.-Josef-Mehrl-Hütte des Alpenvereins willkommen heißt. Von dort gelangt man durch eine Talschaft mit dem seltsamen Namen „Bundschuh“ in den Lungau hinab. Dort gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Links Richtung St. Michael und zurück über den einst wegen  seiner Steilheit gefürchteten Katschberg (heute führt die Autobahn unten durch) – oder rechts über Thomatal und Ramingstein nach Predlitz, um über die Turracher Höhe nach Reichenau zurückzukehren.