Zwischen Genussrouten und rassigen Geheimtipps

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Die Zillertaler Alpen sind nicht gerade berühmt in den Kreisen von Skitourengängern, werden aber vom harten Kern der Skialpinisten für ihre anspruchsvollen Top-Touren gerühmt. Dabei übersehen sie gerne, dass man auch hier klein und relativ lawinensicher anfangen kann, um sich dann Stück für Stück zu den längeren und anspruchsvolleren Firntouren mit ihren teils atemberaubenden Steilabfahrten vorzutasten. Nur eingefleischten Fans wird sich das Herz der winterlichen Zillertaler Alpen erschließen: Lange Talhatscher mit schwerem Gepäck zum Winterraum einer von allen Verbindungen abgeschnittenen Hütte sind nicht jedermanns Sache. Macht nichts, denn die Skirouten um den Tälerknoten Mayrhofen bieten im Verein mit dem Tuxer Seitental genug für einen ganzen Tourenwinter.

Mayrhofener Gegensätze der Extraklasse

Technisch nicht ganz ohne ist die Firntour zur 2973 Meter hohen Ahornspitze, die sich praktischerweise direkt von Mayrhofen per Ahornbahn zu einer gut 950 Höhenmeter kurzen Ski-Plus Tour verkürzen lässt. Nicht nur ist dabei eine unangenehme Hangquerung eingebaut - der Gipfelhang steilt sich bis über 40° auf, bis man über die Felsen zu Fuß zum Kreuz weiterstapft. Dafür braucht man nicht zu nachtschlafender Zeit aufzustehen und bekommt zur Belohnung einen gigantische, pistenfreie Abfahrt über die Föllenbergalm hinab zum bewirteten Gasthaus Zillergrund geboten.

Zünftig geht’s bei der 1800 Meter ohne Wenn und Aber emporschießenden Kar-Skiroute der Mittleren Grinbergspitze (2861 m) am Beginn des Tuxer Hauptkamms zur Sache. Dort kann man durchaus noch Einsamkeit und Bergkameradschaft „erfahren“... Die atemberaubende Firntour gehört zu den Königsdisziplinen der Zillertaler Skiarena. Kein Wunder: Hinter Mayrhofen schießt das in der Morgensonne weiß gleißende, von dunklen Felsen umrahmte Steilkar unausweichlich in den azurblauen Himmel. Eigentlich eine logische, immer links haltende Tour, auf der man sich kaum verlaufen kann.

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Nach kurzer Waldpassage gleitet man am Boden einer welligen weißen Riesenwanne im Angesicht des sich rechts aufbäumenden, bereits von der Sonne erleuchteten Kars im Schatten über den Firn drauflos, haut irgendwann die erste Steighilfenstufe rein, dann die zweite und serpentiniert unter der Gamshütte hoch, um zur rechts ins Steilkar leitenden Rampe zu gelangen. Die morgens meist bockharten Steilhänge zwingen zum Anlegen der Harscheisen, um nicht in die gähnenden Felsschluchten darunter zu fallen. Über einen haarsträubend nach außen gewölbten Hang oder aus einem umwallten Kessel mit zwei verharschten Rinnen (Variante bei Lawinengefahr) führt die Schlüsselpassage zum mittleren Karboden. Der obere Boden ist ein Hohlspiegel aus gleißendem Schnee, von dem es hinauf zum Depot-Sattel geht. Kurz nach einer ausgesetzten Stapferei steht man endlich am Gipfelkreuz der Mittleren Grinbergspitze (2861 m).
Die Abfahrt ist ein einziger weißer Rausch, weniger ausgesetzt als erwartet und daher fast stressfrei - unterbrochen von kurzen Erholungsabsätzen mit Balkoneffekt überm bereits knackgrünen Zillertal. Eine so lange Rassetour und keine Sekunde langweilig: da hüpft das Herz des Skitouren-Freaks mit den Skisprüngen. Pulver stäubt, Harsch rattert und Firn spritzt, während man in fein abgezirkelten Bögen rhythmisch ins Tal schwingt - bei idealen Firnverhältnissen ein Hochgenuss.

Der Klassiker des Rastkogel mit dem felsigem Gipfelaufbau gegenüber gehört zwar eigentlich zu den Tuxer Alpen, wird aber gleich von drei Seiten aus dem Zillertal „belagert“: von der Zillertaler Höhenstraße über die Rastkogelhütte; inzwischen am beliebtesten als Ski-Plus-Tour mit der Vorderlanersbacher Skischaukel; am schönsten aber als oben steile, unten genussvolle Firnroute über die Geiselalm. „By fair means“ geht es zwischen tiefbraun gebrannten Almhütten durch die nicht ganz unberührte Weite der Bergwelt (rechts das Skigebiet von Vorderlanersbach). Dann findet sich die Aufstiegsspur in einem weiten Hochtal mit weich gezeichneten Schneekonturen wieder. Zum Abschluss bäumen sich 250 Höhenmeter haltlose Schneedecke auf. Lawinengefahr? Nicht bei Harsch. Harscheisen? Wären empfehlenswert. Kanten? Sollten geschliffen sein. Die Mühsal der letzten Meter über die Urgesteinsblöcke des Westgrats zum „nur“ 2762 Meter hohen Rastkogel wird durch den Blick auf die elegant geschwungene Haube des Brandberger Kolms und auf die stolze Ahornspitze mit ihren langen Graten belohnt. Bei Firn ist die Südabfahrt vom Rastkogel ein einziger Traum. Sofern man sich zum richtigen Zeitpunkt vom wohlverdienten Mittagsschläfchen losreißt, wartet eine rasante, garantiert sahneweiche Abfahrt, die in eine genussvolle bis flache Erholungsstrecke ausläuft. Nur am Geiselanger kann man mit etwas Pech in durchgeweichten Sulz geraten...

Von „fair means“ zum Ski-Plus im Tuxer Tal >>

KOMPASS Karte:
WK 37 Zillertaler Alpen-Tuxer


Touren zum Bericht gibt's im KOMPASS Tourenarchiv.


Bilder: pixelio.de

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