Lange Touren und Geheimtipps: westliche Goldberggruppe

Es kommt bei „verbauten“ Gipfeln selten vor, dass genau der höchste Punkt zubetoniert ist. Beim Hohen Sonnenblick ist dies der Fall; nur dass dort kein Panoramarestaurant steht, sondern eines der ältesten und wichtigsten Wetterobservatorien der Alpen. Da sich rundum nur Gletscher und steile Flanken befinden, wird es von der ehemaligen Bergwerkssiedlung Kolm-Saigurn im vom Pinzgau (oberes Salzachtal) aus ganzjährig zugänglichen Rauristal mit einer 1500 Höhenmeter überspannenden Materialseilbahn versorgt. Von dort aus gleitet man per Ski, die Windungen alter Knappensteige abkürzend und den Gipfelgrat in einer Schleife umgehend, in einer Folge von Steilstufen und Karwannen über das Goldbergkees üblicherweise auf zum Hohen Sonnblick (3105 m, 1500 Hm, 5 Std.).

glockner-tourengeher

Die Skitour von Heiligenblut im Mölltal aus frisst noch mehr Höhenmeter und ist deutlich länger (1600 Hm, 6 Std.; Ausgangspunkt in Straßenkehre unterhalb Goldwaschanlage). Andererseits wird einem im vereinsamten Kleinen Fleißtal, unter dunklen Schrofenwänden mit gefrorenen Wasserfällen nicht langweilig. Kaum merklich steilt sich der Hang im Talkessel auf, bis der Aufstiegs-Fahrweg ausweicht und der Skitourengeher sich selbst eine Route suchen darf. Kaum hat man den Hang überwunden, blockiert die zerklüftete Zunge des Kleinfleißkeeses den Weg, die sich aber gut linksseitig umgehen lässt. Wie eine Insel mit Turm ragt der Hohe Sonnblick aus der weiten Schneefläche des Gletschers. Das immer offene Zittelhaus mit Winterraum bietet dem hereingewehten Skitourengeher Schutz, und vielleicht kann er im Observatorium vor dem Fernseher der Meteorologen bei einem Skirennen mitfiebern.

Abfahrtstechnisch eindeutig lohnender und zudem relativ lawinensicher ist allerdings der Geheimtipp des südwestseitigen Sandkopfs, wo sich im Sommer die Wiesen bis zum Gipfel hochziehen. Weder Berg noch Tour mögen spektakulär sein. Aber die direkte Aufstiegslinie von Apriach oberhalb des Mölltals ist elegant und bis auf den Fahrwegsabschnitt zum Apriacher Kaser (1750 m) für Skitouren-Routiniers ein unverstellter Hochgenuss. Denn ab hier geht es nur noch zügig hinauf zum Gipfel (3090 m, 1600 Hm, 5 Std.) - über Waldlichtungen, Hochalmen und den bei sorgfältiger Routenwahl meist lawinensicheren Südwestrücken. Am Gipfel breitet sich im Westen die wilde Szenerie der zerklüfteten Schobergruppe aus, während sich im Nordwesten der Großglockner von seiner schönsten Seite zeigt: dem in der Morgensonne gleißenden Ostrücken. Über das Hohenwartkees darunter gelangten die Erstbesteiger am 28.7.1800 zum von hier aus tatsächlich glockenförmigen Gipfel. Nördlich blickt man hinüber zum Goldzechkees, unterhalb dessen im Mittelalter auf 2700 Metern Höhe unter mühseligen Bedingungen in Stollen Gold gehauen wurde: daher die Regionsbezeichnung Goldberggruppe. In rassigen Schwüngen geht es die Steilstufen unterm Sandkopf hinab, gefolgt vom genussvollen Wedeln auf dem Südostrücken. Hier kann einem nur die Sonne einen Strich durch die Rechnung machen.

Skitourenregion Glocknergruppe bis Goldberggruppe

Info: Tourismusinformation Kals, A-9981 Kals am Großglockner, Tel. 0043 (0)4876/8800; Tourismusverband Heiligenblut, A-9844 Heiligenblut, Tel. 0043 (0)4824/2001-21; Nationalpark Hohe Tauern, z.B. A-9843 Großkirchheim, Tel. 0043/ (0)4825/20049

Anfahrt: Über die A8 und A93/A12 ins Inntal bis Ausfahrt Kufstein-Süd (bis hier keine Vignette). Richtung St. Johann in Tirol, davor rechts nach Kitzbühel und über den Pass Thurn nach Mittersill. Gerade weiter durch den Felbertauerntunnel Richtung Lienz in Osttirol (von hier Richtung Großkirchheim/Heiligenblut ins Mölltal). ÖV: Mit der Bahn auf der Inntalstrecke nach Wörgl, evtl. umsteigen und weiter nach Kitzbühel. Mit dem Fernbus Richtung Lienz (umsteigen Richtung Heiligenblut).

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