Auf dem Jakobsweg

Wir haben die besten Tipps zusammengetragen, die Ihnen das Leben auf dem Jakobsweg, das durchaus seine eigenen Regeln hat, erleichtern und Ihnen helfen, die vielen Kilometer gesund und munter hinter sich zu bringen. Vergegenwärtigen Sie sich immer, dass Ihr Vorhaben, den CAMINO zu begehen, etwas anderes ist als eine gewöhnliche Sonntagswanderung. Planen Sie daher nicht aus Zeit- (Urlaubs-) Gründen 30 Kilometer pro Tag, wenn Ihre Kondition vielleicht nur 20 hergibt. Und bedenken Sie bei Ihren Zeitberechnungen, dass man auf den letzten Tages-Kilometer oft langsamer läuft.

 

Das Credencial

Besorgen Sie sich ein „Credencial“ bei einer der Jakobusgesellschaften,z.B. Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft, Tempelhofer Str. 21, 52068 Aachen oder einer der anderen Jakobusgesellschaften oder spätestens an der spanischen Grenze. Das ist ein täglich in den Albergues abzustempelndes Wanderpapier, das Sie als Peregrino/a ausweist. Versuchen Sie erst gar nicht, ohne dieses Papier in die sehr preiswerten Herbergen, genannt Albergues (ca. 6,- bis 10,- EUR/Nacht, manchmal sogar kostenlos) hineinzukommen.

Kartentasche

Sehr praktisch ist eine robuste wasserresistente Kartentasche, die man um den Hals hängen kann. Sie sollte vorn durchsichtig zum Kartenlesen sein und hinten zwei bis drei Fächer mit Reißverschluss haben. Dort können Sie Ihr Credencial, diesen Führer, Kugelschreiber, vielleicht auch eine kleine Kamera und sonstiges Material unterbringen. Bei Regen gehört das Teil unter den Anorak; nichts ist so hässlich wie verklebte Ausweise oder dieser Führer, die nass geworden sind…

Gewicht

Der Rucksack sollte voll gepackt nicht mehr als höchstens 8–10 kg wiegen. Unterwegs kommen unvermeidlich 2–3 kg (z.B. Wasser, Verpflegung) hinzu. Das drückt auf Schultern, Wirbelsäule, Knie und Füße. Also: Jedes Gramm einsparen! Ganz ernsthaft: Jedes Gramm! Was Sie brauchen, was nicht Grundsätzlich: Kaufen Sie nie nach dem geringsten Preis, sondern immer erstens nach dem geringsten Gewicht und zweitens nach der besten High-Tech-Qualität. Ihre Gesundheit, speziell Ihre Füße und Ihr Rücken, werden es Ihnen danken. Sie benötigen zwei Sätze Leibwäsche, besser deren drei. Eine Garnitur tragen Sie am Körper, 2 x im Rucksack. Mehr nicht, denn Sie waschen täglich, spätestens jeden zweiten Abend. Überflüssig sind Straßenschuhe. Einfache (und damit leichtere) wasserfeste Latschen, geeignet für die Dusche, tun es nach Wander-Ende auch.

Gerade für die Wäsche gilt Hightech (neu gekauft!!!), weil die über Nacht trocknet, leicht ist und werkseitig mit einem geruchlosen Deo imprägniert wurde, das erst nach 30–50 Wäschen ausgewaschen ist. Dies ist der Grund, warum ältere Hemden und Unterhosen, auch Strümpfe immer sehr schnell „tagelang getragen“ riechen, obwohl sie doch gerade erst aus der Waschmaschine kommen. Wie viel intensiver, wenn Sie tagsüber literweise Schweiß vergießen und meistens nur Handwäsche praktizieren können! Tipp: Wenn Sie unter der Dusche stehen und sich eingeseift haben, spülen Sie den Seifenschaum nicht fort, sondern streifen ihn in die zuvor locker durchgespülte Hightech-Wäsche, trampeln auf den solchermaßen eingeseiften Hemden herum, ehe Sie diese und sich selbst unter der Dusche abspülen.

Überflüssig

Jackett für den Abend? Gestrichen. Schminkkoffer? Bleibt zu Hause. Ein Dutzend Socken? Brauchen Sie nicht. Nochmals: Straßenschuhe? Überflüssig. Große Kamera, 300 mm Teleobjektiv, Stativ? Zu schwer. Fernglas? Auch zu schwer. Schmuck? Zu Hause lassen. Fön? Wozu als Pilger/in?. Denken Sie immer an die 10 kg inklusive Rucksack, der allein schon etwa 2 kg wiegt. Und einen leichten (max. 0,6 kg wiegenden) Daunenschlafsack brauchen Sie auch, denn Bettlaken gibt es in den Herbergen kaum. Decken nur manchmal. Hygiene Das A und O sind blitzsaubere Füße, gewaschene Strümpfe, desinfizierte Schuhe (Kohle-Einlegesohlen!), am besten 2 Paar als Polsterung und ein Medikament, das Fußpilz im Ansatz erstickt. Beizeiten eingelaufene Wanderstiefel, innen weich gepolstert und Sauberkeit sind der Trick. Außerdem dürfen die Füße beim Laufen nie nass sein, weil dann die Haut weich wird. Notfalls „Stopp“ für diesen Tag und Schuhe trocknen.

Toilettenpapier

Ein, zwei Päckchen Feuchtpapier wären nicht schlecht, falls „es“ einen unterwegs einmal überkommt. Außerdem: Nicht in jeder Herberge gibt es Papier. Es reicht ein Notvorrat.

Handtücher

Mitnehmen muss man so etwas. Frottee ist jedoch schlecht, da erstens schwer und zweitens nur langsam trocknend. Nehmen Sie stattdessen Fleece: Das wiegt fast nichts und ist am nächsten Morgen trocken. In Hotels sind Handtücher vorhanden, in Albergues nicht.

Wander-Schuhwerk

Die Meinungen sind geteilt: Besonders junge Leute nehmen gern Sandalen, ältere Wanderprofis meistens knöchelhohe High-Tech-Stiefel. Es macht wenig Spaß, erschlammte, von Kühen zertrampelte und verdreckte Hohlwege oder felsige Bergstrecken in Straßenschuhen oder Riemchentretern begehen zu müssen. Turnschuhe sind sowieso auf steinigen Wegen bald durchgelaufen und dann Schrott. Vor allen Dingen schützen  knöchelhohe Wanderstiefel oftmals vor Umknicken beim Stolpern, und das allein ist schon ein unbedingter Grund. Auch hier: Teuerstes High-Tech-Schuhwerk ist billiger als eine unvorhergesehene Rückreise wegen verstauchter Füße oder gebrochener Knöchel. Kaufen Sie die Stiefel etwas größer als Ihre Schuhgröße und polstern sie dann mit 2 übereinander gelegten Kohlefasersohlen aus. Es ist ratsam, sich im spezialisierten Sportgeschäft zu informieren. Das gilt auch für die Strümpfe, die zum Langstreckenwandern andere Qualitäten haben müssen als zum Stadtspaziergang.

Praktisch

Zwei (nicht ein!) längenverstellbare Stöcke. Sie helfen in Furten und halten beim Gehen die gesamte Oberkörpermuskulatur in Bewegung. Sie werden sehen, Ihre Finger schwellen nicht mehr an (Wasseransammlungen). Sonst sind sie abends regelmäßig dick... Schon einmal darauf geachtet?

Wasser

Was Sie dringend brauchen, ist genügend (2–3 l) Wasservorrat für unterwegs. Sie schwitzen Unmengen Flüssigkeit aus. Wenn Sie die nicht sehr bald ersetzen, sind Sie mit Ihrer  Kondition viel schneller am Ende, als wenn Sie trinken – viel trinken! 0,2 l (kl. Flasche) nützen auf 20 km ohne Wasserstelle nicht viel. Sie sind weniger leistungsfähig, als Sie sein könnten, und bei Hitze kann das lebensbedrohlich werden. Nehmen Sie aus Gewichtsgründen die PET-(Plastik) Flaschen der Getränkehersteller. PET-Flaschen samt Inhalt bekommen Sie in jedem spanischen Tante-Emma-Laden. Ein Aluminium-Becher dazu ist praktisch für Brunnen.

Kopfbedeckung und Rucksack

Superwichtig: Heller Hut + Sonnencreme gegen die mitunter erbarmungslose Sonne sowie vielleicht noch ein Goretex-Regenhut mit breiter Krempe. Zwei Tage Schnürlregen machen ohne wasserdichte Kopfbedeckung noch weniger Spaß als solch ein Tag ohnehin. Außerdem sollte Ihr moderner Tourenrucksack einen Regenschutz (Raincover) haben. Es ist  schlimm, wenn abends der Schlafsack durchnässt ist! Packen Sie den Schlafsack sicherheitshalber zusätzlich in eine stabile Plastiktüte. Wanderapotheke In Ihrer Wanderapotheke sollten u.a. 1 Elastische Binde mit Klammern, modernes Blasenpflaster (reichlich!), Fußpilzmedikament, Schmerzmittel, Durchfallmedikament, persönliche Pillen vorhanden sein. Auch hier: Nichts wirklich Überflüssiges einpacken. Apotheken gibt es in Spanien reichlich, selbst in kleineren Orten. Natürlich nicht in jedem Dorf.

Regen/Wind-Jacke

Federleicht und wind/wasserdicht, so soll sie sein. Ein leichter Poncho ist bei Dauerregen nicht zu verachten. Aber leicht muss er sein, und atmen sollte er können. „Absolut  asserdicht“ ist unbrauchbar, weil man darunter zu sehr schwitzt. Vorn völlig offene Umhänge haben sich bewährt, weil Luft darunter kommt. Geschlossene Fahrradumhänge sind  schlechter.

Geschirr?

Brauchen Sie nicht. Allenfalls ein Klappmesser und vielleicht einen Alu-Becher. Walkman? Bleibt zu Hause, Bücher auch.

Telefon

Automaten (50-Cent-Münze rein, Ländervorwahl, z.B. 0049 + Ortsvorwahl ohne Null + Rufnummer) gibt es in Spanien reichlich. Daher das Handy (+ Gewicht des Ladegeräts!) am besten zu Hause lassen. Andererseits: Sie können auch in der Wildnis bei Sturz um Hilfe rufen.

Elektrischer Rasierer

Eigentlich wegen des Gewichts (Ladegerät!) auch überflüssig. Erstens rasiert man sich als Vagabund nicht täglich und zweitens tut’s ein federleichter Klingenapparat auch.

Schuhputzzeug

Das ist überflüssig. Na und? Spätestens im feuchten Gras des nächsten Morgens sind die Wanderstiefel wieder einigermaßen sauber. Gründlich imprägniert wurden sie ja bereits zu Hause. Imprägnierung kann man im spanischen Supermarkt nachkaufen.

Kompass?

Der Jakobsweg ist so gut markiert, dass jegliches Navigationsgerät überflüssig erscheint.  Gewicht sparen! Dieses Wanderbuch mit seinen Wegebeschreibungen und Landkarten sollte reichen, ist allerdings auch wegen der Infrastrukturangaben wichtig. Wenn Sie im Gelände einmal nicht wissen, ob Sie rechts oder links gehen sollen, betrachten Sie aufmerksam den Boden. Die Abdrücke von Wanderschuhen und Fahrradreifen weisen unweigerlich in die richtige Richtung. Meistens.

Was ist sonst noch wichtig?

Wäscheklammern, sind nötig! Denken Sie daran: Sie waschen täglich, mindestens alle zwei Tage. Die Empfehlung anderer Wanderkollegen, das Wäscheleinen/Windproblem mit  Sicherheitsnadeln zu lösen, verursacht spätestens in einem modernen Polyesterhemd Loch an Loch an Loch. Stattdessen Baumwolle nehmen? Trocknet nicht über Nacht und ist schwer. Dann doch lieber ein Dutzend Plastikklammern und 5 m dünne Plastikkordel als Leine. Praktisch am Rucksack sind vier oder sechs metallene Gardinenklammern. An denen kann man alles Mögliche befestigen, etwa vorübergehend den Hut, ein Paar noch feuchte Strümpfe, ein nasses Handtuch, ein gewaschenes Hemd…

NOTRUF

Überall in Spanien unter 112, es gibt auch noch andere Nummern.

ANREISE

Sofern Sie nicht fliegen (Bilbao oder Toulouse, auch Pamplona) nehmen Sie ICE + Thalys nach Paris, fahren dort mit der Metro oder einem Taxi für wenig Geld zum Gare d'Austerlitz, besteigen den reservierungspflichtigen Nachtschnellzug nach Pau und steigen dort in einen Regionalzug nach Oloron-Ste.-Marie. Vor dem Bahnhof wartet schon ein Bus zum Somport-Pass. Das Ticket gibt es im Bus. Der bringt Sie 55 km weit zur Grenze in 1640 m NN, sofern Sie die Höhe nicht selbst erklimmen wollen (etwa drei Tagereisen). Nach St. Jean-Pied-de-Port steigt man in Bayonne aus (sowohl von Paris als auch von Toulouse kommend) und dort in den Regionalzug (sehr schöne Gebirgslinie).

Bild: kcconsulting, iStockphoto.com

Wetter

Wetter heute in Graz (340m)
Temp. min: 5°
Temp. max: 15°
Die Sonne scheint den ganzen Tag, Wolken sind selten.
© ZAMG

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