Winterwandern/Schneeschuhgehen Vorkarwendel/Rißtal: Sanfte Almen zwischen kühnen Wänden

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Das Karwendelgebirge ist bekannt durch seine zerklüfteten Bergketten, zwischen die sich weite lange Täler schieben. Während oben brüchige, meist selten bestiegene Kalkwände und scharfe Grate lauern, wandert man unterhalb durch lichte Wälder aus Fichten und Lärchen herauf zu blumenreichen Almwiesen und Übergängen in einem der größten Naturschutzgebiete Europas. Zwar sind die Almen im Sommer bewirtschaftet, aber im Spätherbst ziehen sich die Almbauern mitsamt dem Vieh – ebenso wie die Wirtsleute der Unterkunftshütten auf die Randlagen des wilden Nordalpen-Gebirges zurück. Mit den ersten stärkeren Schneefällen senkt sich Einsamkeit über Gipfel und Täler. Nur im vom Isartal im Norden zugänglichen Rißtal an der Schnittstelle zwischen Hochkarwendel und dem nordöstlich vorgelagerten, wanderfreundlicheren Vorkarwendel wohnen dann noch Leute in Hinterriß. Die Straße ist noch bis zum Hotel Alpenhof mit der Sommer-Mautstelle geräumt (945 m).

 

Insider-Tipp für Herbstwanderer

Viele Winterwanderer aus dem bayerischen Oberland steigen eine Viertelstunde nach der Mautstelle am Wegweiser links hinauf zum Insidertipp der sonnseitigen Fleischbank (2026 m, knapp 1100 Hm, 3 Std.). Zügig geht es in Kehren durch lichten Wald zum beliebten Rastplatz der Jagdhütte Steilegg, an dem normalerweise bereits die Sonne scheint. Durch Latschen steigt man weiter zum Grat, der sich vom Schönalmjoch bis zum Übergang des Plumsjochs zieht und nach einer Rechtsquerung kurz links zum Gipfel. Nicht nur die Südexposition macht die Fleischbank zur perfekten Spätherbsttour. Auch das Panorama ist gewaltig – weniger der Weitblick nach Norden auf die bayerischen Voralpen oder nach Osten auf Rofan und Kaisergebirge im Hintergrund; sondern eher der Einblick in die düsteren, 800 bis 1000 Meter hohen Nordwände von der Torwand bis zur Lalidererwand und die schroffen Felsflanken von der zweiflügeligen Falkengruppe über das dreigipflige Gamsjoch bis zum schräggebänderten Sonnjoch. Und darunter breitet sich der im Bergschatten versunkene, im Winter nur noch auf Langlaufskiern erreichbare Almgrund der Eng mit dem Großen Ahornbodens aus.

Pilgerfahrt zum Karwendelerschließer

Der Kleine Ahornboden dagegen ist von der Mautstelle aus leicht erreichbar; nur muss man auf der Straße etwas weiter als zur Fleischbank gehen und rechts über den türkisgrünen Rissbach ins Johannistal wandern (Richtung Falkenhütte/ Karwendelhaus). Auf dieser langgezogenen Fahrwegstour erreicht man weder Gipfel noch Almwirtschaft, sondern bewegt sich mitten hinein in das winterliche Herz des Karwendelgebirges. Rundum erheben sich schroffe Felswände aus Kalk, hell leuchtend in der Sonne, kalt brütend im Schatten, in dem man sich anfangs ebenfalls durch eine gefrorene Welt bewegt. Wer um Neun losgeht, erlebt das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten am intensivsten, wer die Hochebene des Kleinen Ahornbodens in der Sonne erleben will, muss sich deutlich früher auf die Sohlen oder Schneeschuhe machen. Denn die Felsmauer der höchsten Karwendelkette zwischen den berüchtigten, 800 Meter hohen Laliderer Wänden und der Birkkarspitze (2749 m), dem höchsten Gipfel des Karwendels, fängt die Sonnenstrahlen ab wie ein Schirm. Das Denkmal (1390 m) für den 1876 zu früh verstorbenen Kalkalpen-Erschließer Hermann von Barth steht sozusagen genau in der Mitte seines Wirkens, das sich von den Berchtesgadener Alpen bis zu den Allgäuer Alpen erstreckte. Aber sein Lieblingsspielplatz war das umfangreiche Karwendelgebirge, das er auf der Suche nach immer neuen Herausforderungen und Erstbesteigungen durchstreifte, welche er dutzendweise abhakte. Trotz brüchigem Gestein, schlechter Ausrüstung und mancher unerwarteter Schwierigkeiten überlebte Barth die teils haarsträubenden Trips und veröffentlichte das erste Führerhandbuch "Aus den Nördlichen Kalkalpen".

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