Anspruchsvolle Plateauroute durch den Nationalpark

Eine Wochenendrunde (zweieinhalb Tage) per Ski über die Hochplateaus des Hagengebirges und des Steinernen Meers plus Talhatscher zu Füßen des Watzmanns – klingt harmlos.
Aber das Plateau ist keine umgedrehte Pfanne, sondern von tiefen Schluchten zerrissen, die in Tälern mit lichtem Wald auslaufen. Es ist von drei markanten Gipfeln überstanden, von denen zwei mit Skiern begehbar sind, und man kommt am kältesten und im Winter vor dem Fährbetrieb auf dem Königssee vielleicht einsamsten Flecken Deutschlands vorbei, dem Funtensee. Nichtsdestotrotz lässt sich der Holzofen des dort auf mehr als halber Strecke gelegenen Kärlingerhauses kräftig einheizen. Wobei die verschworene Gemeinschaft, die sich hier an schönen und lawinensicheren Spätwinterwochenenden trifft, schon für reichlich Wärme und gemütliche Stimmung sorgt. Allerdings muss ein Mutiger sich auf das Eis des Sees wagen und ein Loch schlagen, um Frischwasser zu holen.
1. Tag: Verirren wäre ungesund
Auch skitechnisch verlangt die Route Einiges. Denn nicht nur ist die Tour nach frühem Aufbruch vom Stahlhaus (1733 m) im Bereich der Kleinen Reib’n (die oberhalb des Königsees zur Jennerbahn zurückführt) stellenweise ziemlich ausgesetzt, so wie auch das erste Highlight des Kahlersbergs (2350 m) am Routenrand. Weite, gewellte Hochflächen verlangen ab hier nicht nur Richtungssinn und das Ausknobeln der günstigsten Route. Man muss auch die richtigen Stellen zum Runterkommen finden und über die meist steilen Abfahrten unter allen Schneebedingungen fahren können (besonders den Eisgraben). Und dann wäre noch keineswegs klar, wo es wieder hochgeht (auf 1600 m unter der Schönfeldwand) und die Felle unter die Skier kämen, wenn da nicht Spuren von erfahrenen Berchtesgadener Vorgängern wären, die über diverse nur scheinbare Umwege geradewegs in den zunehmend steilen Schlauch der langen Gasse führten. Einfach vor sich hin gleiten ist hier also nicht angesagt.
Nachmittags steigt nicht nur die Körpertemperatur
Zaghafte oder erschöpfte Gemüter sollten über die Normalroute des Niederbrunnsulzen-Sattels (2368 m) und eine Folge von Tälchen abfahren zum Kärlingerhaus. Doch oben lockt der Funtenseetauern (2579 m), dessen Gipfelaufbau um diese Tageszeit zumindest oberflächlich lawinengefahrdet ist. Am ersten Gipfel des Tages, dem Schneibstein (2277 m), hatten noch die Kalkmassive des Fernen Ostens der Alpen von der Kalkmauer des Hochkogels im Tennengebirge mit seiner Eisgrotte über das Felsmassiv des Dachsteins bis zum in den Fels der Ennstaler Alpen eingeschnitteten Canyon des Gesäuses die Szenerie bestimmt.
Jetzt dominiert das im Nordwesten über dem tiefblauen Königssee aufragende, von tiefen Rinnen und breiten Bändern durchzogene Massiv des Watzmanns das Bild, dem gegenüber sich das schüsselförmig aufgebogene Hochplateau des Hochkönigs im Süden ausbreitet und die Hohen Tauern teilweise verdeckt. Die Abfahrt vom höchsten Punkt der Berchtesgadener Reib’n kann am Nachmittag unangenehm sein. Dafür freut man sich nach ca. 10 Stunden und 1850 Höhenmetern Beinarbeit um so mehr auf den Koch-Wohn-Schlaf-Winterraum des Kärlingerhauses (1630 m), wo man sich erstmal in die Decken sinken lässt.
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