Pistentouren um Inn- und Wipptal: Schmankerl für Trainingstouren, Schneemangel und Lawinengefahr

Besonders zu Beginn des Winters erfreuen sich Skitouren auf Pisten zunehmender Beliebtheit. Denn hier kann man auch auf dünner Schneelage abfahren, wegen des Grasuntergrunds auch wenn vor Weihnachten noch nicht gewalzt ist. Und man braucht sich normalerweise nicht um die Lawinengefahr zu scheren, es sei denn man wählt für die Abfahrt eine steile Tiefschneevariante. Zudem lassen sich Pisten gut als Zustieg für ebenfalls evtl. lawinengefährdete Gipfelziele nutzen.
Den ganzen Winter über werden Skipisten als abendliche Trainingseinheit nach der Arbeit von Skitourengehern genutzt. Hier gibt es inzwischen in vielen Skigebieten Tages- und Nachtregelungen sowie teils alternative Aufstiegsrouten zur Piste wie beispielsweise ungeräumte Fahrwege. Grundsätzlich gilt für den Aufstieg bei Skibetrieb, dass man sich am Rand hält, was in der Regel noch bei ziemlich steilen Pisten ohne Serpentinen möglich ist.
Blick nach Südtirol: Sattelberg
Am besten für Skitourengeher geeignet sind im Winter wegen Unrentabilität aufgelassene Pisten und Mini-Skigebiete. Groß und klein, Männlein und Weiblein gleiten mit Skiern unter toten Sesselliften hinauf und rauschen im schnell zerfahrenen Tiefschnee wieder zu Tal. Eine der beliebtesten Touren dieser Art ist der Sattelberg (2113 m, 900 Hm) oberhalb des Wipptals an der Grenze zu Südtirol, wo man heute noch im Sommer die Stellungen und marmornen Grenzsteine der Italiener sieht, die diese nach dem ersten Weltkrieg am Grenzkamm zwischen Obernbergtal und Brenner errichtet haben. Vom Parkplatz der Sattelbergbahn zwischen Gries und Vinaders oder besser oberhalb unter einer Brücke der Brennerautobahn gleitet man über die von den Abfahrern glattgebügelte ehemalige Piste gemächlich nach Süden aufwärts zur bewirteten Sattelalm (1637 m). Ab hier geht es rechts in der breiten Pistenschneise über den recht steilen Nordosthang hinauf unter den Gipfel, den man nach einer Linksquerung über den breiten, aber kupierten Ostrücken besteigt (evtl. kleinräumige Lawinengefahr). Im Westen stehen die Stubaier Alpen vom Obernberger Tribulaun bis zum Habicht mit der Ruderhofspitze im Hintergrund. Östlich stechen die Felsrücken und canyonartig eingebrochenen Kare vom Wolfendorn bis zum Hühnerspiel bei Sterzing ins Auge, neben denen sich der Tuxer Hauptkamm von der düsteren Sagwand bis zum Granitgrat des Fußsteins erhebt.
Variantenreiche Abfahrt: Nösslachjoch
Einen ähnlich großartigen Blick, besonders Richtung Westen auf die passend bezeichnete Kirchdachspitze und die Kalkschrofen am Serles hat man vom Nösslachjoch (2231 m, 1180 Hm). Ausgangspunkt ist wieder unterhalb einer Autobahnbrücke (der Europabrücke der Brennerautobahn) an der Talstation der Bergeralm-Lifte, die vom zentralen Platz in Steinach aus ausgeschildert ist.
Allerdings handelt es sich bei der Bergeralm um ein stark frequentiertes Skigebiet, besonders auf der steilen, rechts über die Familienabfahrt umgehbaren Piste bis zur namengebenden, bewirteten Mittelstation (1585 m). Diese ist an den Nachtskilauf-Tagen Mittwoch, Freitag und Samstag sogar bis 22:30 Uhr geöffnet (Flutlicht). Ab der Bergstation mit der Jausenstaion der Nösslachjochhütte (2022 m) geht es im Wechsel von Aufschwüngen und Flachstücken über den Nordostgrat aufwärts zum Gipfelkreuz. Besonders bei der Abfahrtsvariante nach Osten (wird meist über den Südrücken umfahren) muss man am Gipfelaufbau mit Lawinengefahr rechnen. Über Almen und anfangs lichten Lärchenwald geht es im stiebenden Pulver hinab zu den flachen Sonnenwiesen von Außernösslach und der Bushaltestelle zwischen Gasthof Alpenblick und Autobahnausfahrt Nösslach.
Wer das Nösslachjoch ostseitig umgeht gelangt Richtung Südwesten auf einen wunderschönen, breiten Aussichtsrücken, der zum Skitourengipfel des Egger Bergs (2280 m, +50 Hm) führt. Von mehreren Abfahrtsvarianten führt eine ostwärts fast durchwegs über Almen mit Fahrwegsdurchstich durch die kurze Waldzone nahe der bewirteten Nösslachhütte (1607 m) hinab zum Jägerhof.
Das Multipisten-Paradies: Axams
Ein Nest von Pistentouren findet sich oberhalb von Axams über dem Inntal. Eine richtige Einsteigertour ist die fast durchwegs sanft geneigte Route auf einem schneesicheren Nordwestrücken durch eine breite Waldschneise zum Birgitzköpfl (1982 m, 610 Hm). Die Schneise beginnt kurz hinter dem Adelshof am Ausgangspunkt der Rodelbahn und endet an der bewirteten Birgitzalm. Über ein geneigtes Latschenplateau erreicht man schließlich den Gipfel mit der kolossalen Szenerie der nördlichen Kalkkögel von den glatten Wänden und weißen Karschläuchen der Marchreisenspitze bis zur schroffen Malgrubenspitze und der unrühmlichen Schneekuppe des Hoadl.
Das Hoadl (2340 m, 800 Hm) ist Gipfel und Bergstation des Skigebiets Axamer Lizum, auf dessen Parkplatz an der Talstation man als Skitourengeher ordentlich blechen muss. Vor der Eröffnung der Skisaison findet sich auf der steilen, anfangs westlichen „Herrenabfahrt“ und der gemütlichen, anfangs südlichen „Damenabfahrt“ eine der größten Konzentrationen an Skitourengehern in Tirol. Oben angekommen, lassen sich vom Gipfelrestaurant aus die Sellraintaler Gipfelziele für die nächsten Skitouren überblicken – und die zerklüfteten Wände der Kalkkögel bewundern.
Bisweilen kommen Skitourengeher über den flachen Nordkamm zum Gipfel, die ganz unten von Axams hochgestiegen sind (1460 Hm, P südlich des Orts, am Abzweig zur Axamer Lizum). Die meisten gleiten allerdings nur über die steile bis zügige, liftfreie Piste durch tiefverschneiten Fichtenwald und über den freien Nordwestrücken auf bis zur bekreuzten Kanzel des Axamer Kögele (2097 m, 1170 Hm).
Herrschen relativ sichere Lawinenverhältnisse, wartet beim Abschwingen vom Hoadl auf eingefleischte Tourengeher ein Schmankerl am Widdersberg (2327 m, Gegenanstieg 230 Hm): Nach der Damenabfahrt bis 2200 Meter, Aufstieg und Genuss des Gipfels direkt am Skigebiet lässt sich die bedrohlich nahe Kulisse der nördlichen Kalkkögel meist allein aufsaugen. Nach Wiederabzug der Felle fährt man durch das Lizumer Kar und eine Steilstufe um den Berg herum, um über einen rassigen, ideal auslaufenden nordseitigen Pulverhang am Auslauf der Damenabfahrt einzufahren.
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