
Radeln wie ein König
Eine goldbestickte Decke gleitet über den edlen Pferderücken. Die Kutsche ist gespannt. Der Abend dunkelt herauf. Wir schreiben das Jahr 1885. König Ludwig II. begibt sich in den Chiemgau. Ziel: Schloss Herrenchiemsee. Sein Märchenschloss – und ein bisschen auch das Schloss des französischen Sonnenkönigs – dessen Zeit allerdings bereits 200 Jahre zurückliegt. Der Zeitreisende besucht sein Versailles mitten im Chiemsee. Auch 125 Jahre später fühlt man sich im Chiemgau königlich. Über das bayerische Meer dämmert der Morgen herauf. Vor der Herberge wartet ein sportliches, mit Pferdestärken ausgestattetes Gefährt. Mit dem Pedelec, dem Zweirad der Zukunft, folgt der Zeitreisende dem bayerischen Märchenkönig.
Mit den Pedelecs zum Märchenschloss
Früher Morgen in Seebruck. Die Sonne kriecht über das Ostufer. Sanft umspült das Wasser das Kiesbett. In der Ferne knattert leise ein Fischerboot und vermischt sich mit dem Gemurmel der Wellen und dem Geschrei der Möwen. Am Hotel warten bereits vollbetankte Ausflugsräder. Pedelecs heißen die Fahrräder mit Akku-Antrieb, die an rund 30 Stationen im Chiemgau angemietet werden können.
Für den frühen Morgen in Seebruck bedeutet das: aufsitzen und losfahren. Der erste Antritt entlockt dem Radler ein verblüfftes „Huch“. Dank der kleinen Batterie am Gepäckträger flitzt man völlig geräuschlos mit bis zu 25 Stundenkilometer um den See. Die erste Etappe führt von Seebruck nach Chieming. Am Ausgangsort ließen sich einst Kelten, dann Römer nieder. An der Ortskirche entdeckt man Reste einer römischen Mauer. Während man noch über das Verhältnis von Zeit und Raum nachdenkt, schlängelt sich der Weg am Seeufer entlang, vorbei an vielen kleinen Badebuchten. Der lange Holzsteg in Schützing fordert geradezu zur Pause auf. Unvergesslich bleibt der Blick über den See auf die Chiemgauer Alpen. Nach dem Zwischenstopp geht es rund einen Kilometer weiter bis nach Chieming. Dort setzt man radlos mit dem Dampfer hinüber zur Herreninsel. Sachte schaukelt der Dampfer an Badegästen, Kanuten und Segelbötchen vorbei und nähert sich behutsam dem Heim Ludwigs II. Nach einem kurzen Fußweg – mit etwas Glück sieht man Rehe und Vögel – gelangt man zum Schloss. Wenn nicht die Außenflügel des Gebäudes fehlten, weil dem König damals das Geld ausging, gäbe es im Chiemgau einen Versailles-Zwilling.
Bayerisches sucht man vergeblich. Alles erinnert an den absolutistischen Herrscher Frankreichs, den Sonnenkönig: Gold, Marmor, Kronleuchter, Porzellan und wieder Gold. In den fertiggestellten Räumen des Schlosses zeigt sich die opulente Märchenwelt des bayerischen Visionärs. Vielleicht Geschmackssache – aber unbestritten sind Schöngeist und Technikverständnis des Monarchen. Man bestaunt unendliche Spiegelungen und im Boden versenkbare Esstische. Man wundert sich über ein winzig wirkendes Bett, in dem doch ein 1,92 Meter großer König schlummerte und beäugt neugierig am Fuße des Nachtlagers eine große blaue Kugel, die sich als Nachtlämpchen entpuppt. So fortschrittlich man sich beim Radeln mit den Pedelecs gefühlt hat, so fortschrittlich war Ludwig II. allemal.
„Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit”
Nach den Prunkräumen gelangt der Besucher in den unvollendeten Teil des Schlosses, in dem das Haus der Bayerischen Geschichte zum Ludwig-Jahr 2011 die Landesausstellung „Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit” zeigt. Anlass für die multimediale Ausstellung zum Mythos Ludwig II. ist der 125. Todestag des Königs. Nach dem Kulturerlebnis tafeln Königsanwärter im Schlosshotel. Zum allerdurchlauchtesten Wohle! Ob das Schiff einen anschließend nach Chieming bringt und man dann weiterradelt, oder ob es
auf direktem Weg nach Seebruck geht, entscheidet „Eure Hoheit” selbst.
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Bilder & Video: © Chiemgau Tourismus e.V.









