Wie Nebelschwaden liegen Idylle und Abgeschiedenheit in der Luft. Ein schier endloses Geflecht aus kristallklaren Seen und dichten Nadelwäldern durchzieht die Landschaft. Wer den Puls der skandinavischen Wildnis spüren möchte, sollte in Schweden den Finger auf die imaginäre Landkarte legen. „Friluftsliv“ ist gewissermaßen das Mantra der Skandinavier: Das Leben an der frischen Luft und die sanfte Begegnung mit der Natur. Jede Wanderung im hohen Norden Europas wird bei Naturfreunden und Trekkingbegeisterten ihre Spuren hinterlassen.

„Allemansrätten“ – das Recht auf Natur

Beim Gedanken an Skandinavien werden einem unweigerlich Bilder von einer einsamen Blockhütte am Seeufer in den Sinn kommen. Die Natur vor der Haustür – nicht nur die Schweden lieben ihre Ruhe und Idylle. Und diese scheinen nahezu ein Grundrecht zu sein. So erlaubt das „Allemansrätten“ jedem, sich frei in der Natur zu bewegen und diese zu nutzen. Egal ob Wildcampen und Lagerfeuer nach einer langen Wanderung, angeln oder Beeren pflücken – die Wildnis gehört allen. Zwar kennt auch das Jedermannsrecht Grenzen, doch mit dem Leitsatz „nicht stören und zerstören“ bleibt ausreichend Freiheit für atemberaubende Abenteuer.

Wandern in Schwedens Nationalparks

Als erstes europäisches Land übernahm Schweden bereits 1909 das vorwiegend in Amerika verbreitete Konzept der Nationalparks. Auch kommenden Generationen sollte so das Wandern, Radeln oder Paddeln in unberührter Natur ermöglicht werden.

Der Sarek Nationalpark im Norden des Landes wird gern als „letzte Wildnis Europas“ bezeichnet. Das gletscherreiche Gebiet im UNESCO-Weltkulturerbe Laponia ist allerdings relativ schwer zugänglich und aufgrund fehlender Wegmarkierungen sowie überschaubarer Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten nur für erfahrene Wanderer geeignet.

Ebenfalls im Grenzgebiet zu Norwegen befindet sich mit dem Nationalpark Padjelanta der größte Nationalpark des Landes sowie einer der größten Europas. Der gut ausgebaute Wanderweg Padjelantaleden führt auf 140 Kilometern durch charakteristische Fjäll-Landschaften und bietet zahlreiche Hüttenunterkünfte und Zeltgelegenheiten.

In Schweden gilt auch für Wanderer das sogenannte Jedermannsrecht

imagebank.sweden.se/Tomas Utsi

Für ausgedehnte Wanderungen jenseits des Polarkreises eignet sich außerdem der Abisko Nationalpark. Mit der niedrigsten Niederschlagswahrscheinlichkeit ganz Schwedens sowie der weltweit höchsten Wahrscheinlichkeit Zeuge der sagenhaften Polarlichter zu werden, bietet die Region nahezu perfekte Bedingungen für ein Outdoor-Abenteuer. Auch der beliebte Fernwanderweg Kungsleden hat hier seinen Ursprung. Während der nördliche Teil des „Königspfades“ gut beschildert ist und Unterkünfte meist in Tagesdistanz zur Verfügung stehen, wird das Wandern auf dem südlichen Abschnitt deutlich ruhiger, aber auch anspruchsvoller.

Wanderungen im schwedischen Flachland

Einen wunderbaren Kontrast zu den Gebirgszügen im Norden bildet das Flachland im südlichen Teil des Landes. Insbesondere Einsteiger werden das gut ausgebaute Wegenetz zu schätzen wissen. Das entspannte „Friluftsliv“ kann beim Wandern auch hier in vollen Zügen genossen werden.

Einer der bekanntesten Wanderrouten ist der Bohusleden. Als Teil des „North Sea Trails“ führt der Weg auf rund 360 Kilometern von Göteborg fast bis nach Norwegen. Der unvergleichliche Wechsel von Seen- und Waldlandschaften ist ebenso charakteristisch für eine Wanderung auf diesem Weg, wie die als „Vindskydd“ bekannten Wetterschutzhütten. Ausgezeichnete Markierungen sowie eine Vielzahl übersichtlicher Infotafeln erleichtern speziell weniger erfahrenen Naturfreunden das Wandern.

Auf dem schwedischen Teil des Nordseewegs befindet sich weiter südlich zudem der Hallandsleden. Im Wesentlichen dem Küstenverlauf folgend, bietet eine Wanderung entlang dieser Route imposante Wechsel zwischen schmalen Waldpfaden und weitläufigen Weideflächen.

Zu den vielleicht schönsten Wanderwegen des Landes zählt der sogenannte Höga Kustenleden. Die zum Weltnaturerbe gehörende „Hohe Küste“ gewährt Wanderern spektakuläre Ausblicke auf die Schärenlandschaft der hiesigen Ostsee. Die Strecke ist auf den knapp 130 Kilometer gut gekennzeichnet und bietet vielfältige Unterkunftsmöglichkeiten.

Europawanderwege in Schweden

Auch zwei Europäische Fernwanderwege sind in diesem Teil Skandinaviens zu finden. Das schwedische Teilstück des Europaweges 1 erstreckt sich von Varberg, südlich von Göteborg, nach Grövelsjön an der norwegischen Grenze. Von dort können Outdoor-Enthusiasten bis hinauf zum Nordkap wandern.

Der skandinavische Teil des Europaweges 6 hingegen verläuft hauptsächlich in Finnland. Zwischen Malmö und Grisslehamn, nördlich von Stockholm, kann jedoch auch der schwedische Abschnitt abgewandert werden.

Berge und Küste, Wälder und Seen – wo auch immer man in Schweden die Wanderschuhe schnürt, der Puls der Wildnis ist allgegenwärtig.