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Herbsttouren in den Dolomiten

Die Dolomiten sind zweifellos das Wander-Mekka Südtirols – auch im Spätsommer und während der ersten Herbsttage.

Die Tage werden wieder kürzer und die Wälder färben sich bunt, der Sommer neigt sich dem Ende zu. Viele glauben, damit ist die Wandersaison beendet. Doch weit verfehlt! Vielerorts wird das Wandern jetzt erst richtig schön. Wie etwa in den Dolomiten. Hier herrschen auch im Oktober noch angenehme Temperaturen und dank der klaren Luft hat man fantastische Weitsichten auf die umliegenden Berge. Beste Voraussetzungen, um das UNESCO-Welterbe zu Fuß oder auf dem Rad zu erkunden, bevor der Winter die Dolomiten in eine Schneelandschaft verwandelt.

Meist hat man im Herbst die Gipfel der Dolomiten für sich allein und an den Klettersteigen gibt es keine lästigen Warteschlangen. Die Sommersaison ist vorbei und die Berge verwandeln sich wieder in stille Orte. Vor allem für die Einheimischen beginnt nun die eigentliche Wanderhochzeit. Während sie in der Hauptsaison die bekannten Wandergebiete meiden, starten sie nun richtig durch.

Sowohl im Sommer, als auch im Herbst sind die Drei Zinnen das wohl beliebteste Wandergebiet in Südtirol. Das Wahrzeichen der Dolomiten befindet sich im gleichnamigen Naturpark, der 2009 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde. Rund um die drei Obelisken, von denen der höchste nur einen Meter unterhalb der 3.000-Meter-Marke liegt, gibt es zahlreiche Wanderungen – für gut trainierte Wanderer, aber auch für absolute Berg-Neulinge. Außerdem gibt es an den Drei Zinnen etliche Klettertouren in den unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen.

Anspruchsvolle Gipfeltouren

Vor traumhafter Dolomitenkulisse führt eine anspruchsvolle Bergwanderung auf den Seekofel (2.810 m), der majestätisch über dem Pragser Wildsee thront. Landschaftlich zählt diese Tour zu den tollsten, die die Region zu bieten hat. Zwar lohnt sich schon allein ein Besuch am Pragser Wildsee, wer aber einen unvergesslichen Rundumblick genießen möchte, sollte die mehr als 1.300 Höhenmeter bis zum Gipfel des Seekofel bewältigen – der Ausblick ist den kräftezehrenden, fast vierstündigen Aufstieg absolut wert.

Auch das Alta Badia ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen zu jeder Jahreszeit. Die abwechslungsreiche Region wartet mit einem 400 Kilometer langen Wegenetz auf und auch an namenhaften Gipfeln wie der Sellagruppe, dem Sassongher oder dem Lagazuoi mangelt es nicht. Die grandiosen Felswände sind umgeben von einsamen Almen, Hochebenen und malerischen Alpendörfern. Neben gemütlichen Wanderungen gibt es hier auch die Möglichkeit zu mehrtägigen Trekking-Touren und anspruchsvollen Kletterrouten.

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In den Dolomiten gibt es insgesamt zehn ausgeschilderte Höhenwege. Der älteste von ihnen ist der Höhenweg Nr. 1, der im Herzen der Dolomiten von Prager Wildsee nach Belluno führt. Wer alle Etappen des Höhenwegs laufen möchte, ist mehrere Tage unterwegs und legt etwa 130 Kilometer und insgesamt knapp 8.000 Höhenmeter zurück. Während der Tour hat man einmalige Aussichten auf einige der eindrucksvollsten Gipfel der Dolomiten, wie etwa dem Seekofel und dem Monte Pelmo.

Bergkronen des Grödentals

Seit 2014 sind die Dolomiten um eine Attraktion reicher. Im Val Gardena, unter den deutschsprachigen Besuchern als Grödental bekannt, wurde die „Curona de Gherdëina“ eröffnet. Die 60 Kilometer lange Trekkingtour führt rund um die Bergkronen des Grödentals und durchquert den Naturpark Puez-Geisler (der zum UNESCO-Welterbe zählt), verläuft durch das Sella-Hochplateau und über die Langkofelgruppe. Die äußerst facettenreiche Tour zeigt somit die ganze Schönheit der Dolomiten. Das besondere an der Trekkingtour: sie kann in zwei Varianten gegangen werden. Wer viel Wert auf Komfort legt, kann die Genussvariante wählen, bei der in komfortablen Almhotels genächtigt wird. Alternativ kann man die Tour auch um einen Tag verkürzen und während der dann viertägigen Tour in Schutzhütten übernachten. So oder so, die „Bergkrone des Grödentals“ ist ein echtes Highlight.

Wer die Herbstmonate für einen Klettersteig nutzen möchte, findet im Hochpustertal einen der schönsten Klettersteige der Dolomiten. Der Alpinsteig in den Sextner Dolomiten wurde einst im Ersten Weltkrieg angelegt und diente als militärischer Weg. Heute zählt er zu den anspruchsvollsten, aber auch großartigsten Klettersteigen der Region. Die Tour startet am Dolomitenhof im Fischleinboden und führt in einigen Stunden hinauf zum Eissee auf 2.235 Metern Höhe. Oberhalb des Sees steigt man schließlich in den eigentlichen Alpinsteig ein, auf dem schon bald die ersten Sicherungseile angebracht sind, an denen man sich mit seinem Klettersteigset sichern kann. Zwar kann man den Steig auch ohne Klettersteigset bewältigen, die Nutzung eines Sets und eines Helms sind für die eigene Sicherheit immer zu empfehlen. Es werden senkrechte Wände gequert und ausgesetzte Stellen passiert, bis man schließlich den Nordgrat des Elfers (2.650 m) erreicht. Hier kann man die Tour beenden und zum Dolomitenhof absteigen. Wer noch ein bisschen Herausforderung sucht, steigt an Fixseilen über ausgesetzte Felsbänder und fast waagrecht durch die Nordostflanke des Elfersbis zur Sentinella Scharte (2.717 m) hinauf. Dort beginnt der Abstieg der schwierigeren Variante.

Downhill- Abenteuer in den Dolomiten

Wer lieber auf zwei Rädern unterwegs ist, für den sind die Dolomiten ein echtes Paradies. Im südlichen Südtirol, knapp an der Grenze zu Trentino, liegt einer der besten Spots für Mountainbiker. In der Region Rosengarten/Latemar finden Biker ein abwechslungsreiches Revier für Anfänger und Profis vor, in dem sie sich bis in den November hinein austoben können.

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Das Lagorai-Massiv, knapp siebzig Kilometer südöstlich von Bozen gelegen, zählt zu den einsamsten Regionen der Dolomiten. Wer beim Mountainbiken neben rasanten Abfahrten auch wilde Landschaften genießen möchte, wird hier fündig. Auf mehr als 1.100 Kilometern können sich Mountainbiker rund um die 2.000 Meter hohen Gipfel austoben.

Die Königsrunde für alle Biker ist aber die sechstägige Dolomiti Lagorai Bike Grand Tour. Sie startet in Levico Terme und durchquert die vier wunderschönen Täler Val di Fassa, das Fleimstal, das Primiero und das Valsugana. Auf den sechs Etappen werden 320 Kilometer und 8.790 Höhenmeter bewältigt. Im Durchschnitt werden täglich fünf bis sechs Stunden im Sattel verbracht. Bei wem die Kondition nicht reicht, für den ist aber auch Schummeln erlaubt: Wer sich den einen oder anderen Höhenmeter sparen will, kann zwischendurch auch immer wieder in den Lift umsteigen.