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Freie Fahrt und sichere Schneelage: Skitouren im Bregenzerwald

Im Bregenzerwald findet sich ein umfangreiches Angebot an Skitouren – von leichten bis schwierigen Routen.

Die Region des Bregenzerwalds im schneesicheren Vorarlberg bietet zwar im Norden leichte Spritzskitouren zwischen Wäldern und Bergbauernhöfen wie die Sonnentour mit Genussabfahrt von Sibratsgfäll auf den Feuerstätterkopf (1.645 m, 600 Hm, 2 Std.). Anspruchsvoller Höhepunkt und sagenhafter Aussichtspunkt ist hier die Winterstaude, die man über steile, lawinengefährdete Nordosthänge aus dem Skigebiet von Schetteregg besteigt (1.877 m, 800 Hm, 3 Std.)

Wirklich interessant ist für routinierte Skitourengeher aber hauptsächlich der zu Recht auch als Bregenzerwald-Gebirge bezeichnete, gebirgigere Süden. Hier führen meist aussichtsreiche Almen zu mehr oder weniger steilen Gipfelaufbauten, die in der Regel um zweitausend Meter Höhe erreichen. Es ist dort also meist mit Lawinengefahr zu rechnen. Nur der südöstliche Abschlusskamm zum Großen Walsertal und dem Lechquellengebirge vom Hochkünzel bis zum Kulminationspunkt des Zitterklapfen (2.403 m) reicht deutlich über 2.100 Meter hinaus. Er ist zwar an der Nordseite zu schroff für Skitouren, sorgt aber immer für eine eindrucksvolle Kulisse.

Kurz und leicht ist der Aufstieg zur Argenalm, aber für den Einstieg in die Skitourensaison im Bregenzerwald gerade richtig, um wieder Begeisterung für diesen Wintersport zu wecken: Über Almlichtungen zwischen Fichtenwäldern geht es auf tief verschneitem Fahrweg zur Baumgrenze, wo sich die Alm auf einem weiten Plateau unter den schroffen Gungern duckt. Wer seine Skier bereits beherrscht, kann bei einigermaßen sicherer Lawinenlage dem Klippern über eine Steilstufe aufs schräge Dach steigen und bei strahlendem Sonnenschein das Panorama genießen.

Vorm Bodensee baut sich mächtig der das Herz des Gebirges bildende Kanisfluh auf, dessen Hauptgipfel (Holenke 2.044 m, von Au 1.250 Hm, 4 Std.) Abfahrtsfreaks eine geniale Firnabfahrt über die steile Gipfelflanke bietet. Während im Westen die Churfirsten überm Rheintal hervorspitzen verdeckt der Damülser Kamm fast den 1.500 Meter daraus schroff emporragenden, im Sommer als sagenhafter Aussichtsberg gerühmten Hohen Freschen (2.004 m). Im Winter verläuft hier eine eher eine etwas komplizierte Skibergtour mit Liftzufahrt von Innerlaterns zum Nob (1.785 m, nach Südostabfahrt zu einem Ziehweg 500 Hm, 2 Std., Zufahrt über Damüls oder vom Rheintal). Nach unten fällt der Blick vom Klippern auf die weiße Ebene von Au mit ihren dahinflitzenden Langläufern und dem darüber felsig aufragenden Mittagsfluh (1.637 m), an dem eine südseitige Spritztour zügig zur Oberen Sattelalm (1.520 m, von Au 720 Hm, 2 Std.) hinaufzieht.

Nach der kurzen, aber rassigen Gipfelabfahrt ist die Jause an der wettergegerbten Argenalm (nicht bewirtet) richtig gemütlich, der Blick auf den wilden Zitterklapfen gegenüber eindrucksvoll. Von dem führt ein Kammausläufer nordwärts bis zum Lug oberhalb von Au mitten im Zentrum des Bregenzerwaldgebirges. Dort herauf führt die ideale Tour für den Tiefschneetag nach einem Schneefall, bei der man einfach per Fahrweg bis zur Brendleralpe ansteigt (1.398 m) und dann über den Nordostrücken zum Gipfel aufsteigt (1.767 m, 960 Hm, knapp 3 Std.). Von hier zieht südwärts ein wunderschöner, oft verblasener Aussichtskamm, der sich als Abschluss zum Annalper Joch aufsteilt (1.997 m). Als Sahnehäubchen lässt sich dann auf der Rückenabfahrt vom Lug ab 1.500 Meter links durch Schneisen im stiebenden Pulver zur Godlachenalpe absurfen.

Im Bregenzerwald-Gebirge wurde ein geniales touristisches Gesamtkonzept entworfen: Mit dem EU-Beitritt Österreichs halbierte sich der Milchpreis und der Käsepreis wurde freigegeben, so dass die Sennerei trotz Bergbauernzulage unrentabel wurde. Eine Initiative aus Landwirtschaft, Tourismus und den Gemeinden sowie regionalen Betrieben gründete unter dem Dach des Lands Vorarlberg mit EU-Förderung den „Verein Käsestrasse Bregenzerwald“. Sie entwarf ein Entwicklungskonzept für die ganze Region mit dem Ziel, Strukturen, Lebensqualität und Landschaft zu erhalten. Traditionelle Lebens- und Wirtschaftsweise wurde durch innovative Ideen in wirtschaftlichen Nutzen umgesetzt und eine höhere Wertschöpfung durch intensive Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte erzielt. Entscheidend ist die Verbindung von nachhaltiger, subventionsunabhängiger Landwirtschaft und Tourismus unter dem Vertriebsdach der „Bregenzerwald Tourismus GmbH“. Auch im Winter lässt sich in der Sennerei von Au zuschauen wie der Bregenzerwälder Käse hergestellt wird. Außerdem lassen sich im Handel regionale Leckereien wie Fruchtliköre, Kräutertee, Bienenwachskerzen oder Wellness-Produkte wie Molke und duftende Massagewässerchen besorgen.

Zu den skifahrerischen Leckerbissen im Bregenzerwald gehört der Toblermannskopf hinter Schoppernau. Vom Fahrweg geht es über Almwiesen und eine Steilstufe zum Gratkopf über der Hochalpe (1.911 m). Den weiteren Kammanstieg zum meist zu Fuß erklommenen Gipfel (2.010 m, 1.100 Hm, 3,5 Std.) macht man mehr wegen der eindrucksvollen Szenespots auf die wilden Felsklötze von Zitterklapfen im Südwesten über die Braunarlspitze (2.649 m) zum Widderstein im Osten (2.533 m). Die lawinengefährdeten Abfahrtsvarianten vom Hochalpe-Kopf gehören zum Besten, was der Bregenzerwald zu bieten hat. Weniger ein Abfahrtsgenuss als eher eine Route für Kondition und Panorama ist die Tour auf die eigentlich bereits zu den Allgäuer Alpen gehörende und gerne aus dem Kleinwalsertal begangene Güntlespitze. Von Bad Hopfreben auf der Strecke Richtung Hochtennbergpass schlängelt man sich per Fahrweg durch den Wald hinauf zur freien Vorderen Üntschenalm (1.757 m) und steigt über lawinengefährdete, aber ideal südwestseitige Hänge hinauf zum Scheingipfel und der bekreuzten Güntlespitze (2.092 m, 1.100 Hm, 3,5 Std.). Bei der Abfahrt heißt es im mittleren Teil des Waldes und ganz unten gut Pflug fahren – ansonsten kann sie sich besonders bei Firn und direkt vom Scheingipfel durchaus sehen lassen. Als Belohnung winkt ein gesunder Hopfentee oder Rebensaft im Wirtshaus von Bad Hopfreben.