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Fernwanderwege im Wanderparadies Deutschland

Weitwandern wird in Deutschland immer beliebter – daher werden auch immer mehr neue Fernwanderwege eingerichtet.

Deutschlands Fernwanderwege sind ein Eldorado für Wanderfreunde aus aller Welt – das gilt für die bestens ausgestatteten Regionalwege ebenso wie für die 37 Fernwanderwege. Letztere werden gelegentlich auch unter dem Begriff Weitwanderwege geführt und verfügen laut der Regelungen des Deutschen Alpenvereins über eine Mindestlänge von 300 Kilometern. Gleichzeitig durchqueren die nationalen Fernwanderwege mindestens drei Bundesländer und unterstreichen damit ihren überregionalen Charakter. Die Weitwanderwege Deutschlands sind größtenteils eingebunden in das System der elf Europäischen Fernwanderwege. Neun von ihnen verlaufen durch Deutschland und decken knapp 10.000 Kilometer ab.

Von der Nordsee zum Bodensee

Zwei besonders attraktive Europäische Fernwanderwege verlaufen in Nord-Süd-Richtung. Dazu zählt der 7.000 Kilometer lange E1, der am Nordkap beginnt und auf Sizilien endet. Schon 1929 zählte der Wanderweg von der Nordsee bis zum Bodensee mit seinen 1.900 Kilometern zu den beliebtesten Routen Deutschlands. Dieser Weg gehört außerdem zu den ersten sechs Wanderwegen, die 1969 als Europäische Fernwanderwege deklariert wurden. Zu den attraktivsten Strecken des E1 zählen der Eggeweg, der Lahnhöhenweg, der Westweg sowie der berühmte Schwarzwald-Klassiker – der Querweg zwischen Freiburg und Konstanz am Bodensee. Der Querweg hat ein Länge von 180 Kilometern, weist einen mittleren Schwierigkeitsgrad auf und lässt sich bei einem Tagespensum von sechs bis neun Wanderstunden in acht Etappen bewältigen.

Wanderung von der Insel Rügen nach Südtirol

Der Fernwanderweg E10 bietet abwechslungsreiches Wandern vom Norden Finnlands bis in den Süden Spaniens. In Deutschland verbindet der E10 die Insel Rügen mit der Muskauer Heide in Sachsen. Wer in Rügen startet, durchwandert Teile der Mecklenburger Seenplatte, des Spreewaldes und der Oberlausitz. Dort verlässt der Weg dann Deutschland und wechselt hinüber nach Tschechien und eröffnet die Chance, der legendären Schneekoppe einen Besuch abzustatten. Hinauf zum höchsten Berg des Riesengebirges (1.602 Meter) im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien begab sich übrigens auch schon der äußerst wanderbegeisterte Goethe. Die mehr als 2.800 Kilometer des E10 durch ganz Mitteleuropa sind fast durchgehend markiert oder beschrieben.

Wanderung von Usedom nach Ostfriesland

Hoch im Norden Deutschlands verläuft der E9 in Ost-West-Richtung, der die Ostsee und Nordsee mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Auf seinen 4.000 Kilometern ist das Wandern auf dem E9 von Estland bis Portugal ein Traum. Zwischen Ahlbeck auf der Sonneninsel Usedom und Weener im Landkreis Leer liegen rund 900 Kilometer interessante und abwechslungsreiche Strecke von leichtem Schwierigkeitsgrad. Auf knapp der Hälfte der Strecke ist ein Meerblick garantieren. Hinzu kommen Steilküsten, Boddenlandschaft, Naturstrände und Hansestädte wie Stralsund und Rostock. Bekannt ist die E9 auch als Ostseeküsten-Wanderweg, auf dem es sich bestens wandern lässt. Wer diesen Weg durch Deutschland komplett erwandern möchte, benötigt etwa vierzehn Tage.

Der 66-Seen-Wanderweg führt auf 416 Kilometern durch Brandenburg und das Berliner Umland. Wie der Name des Wanderwegs schon vermuten lässt, führen die 17 Etappen der Tour durch die Wasserlandschaft Brandenburgs, vorbei an zahlreichen Seen und Gewässern und durch acht Regionalparks. Während die Seen in den Sommermonaten zu einem Sprung ins kühle Nass einladen, können dort im Frühjahr und Herbst die rastenden Zugvögel beobachtet werden.

Der 154 Kilometer lange Rothaarsteig verläuft auf dem Hauptgebirgskamm des gleichnamigen Gebirges. Der als Premiumweg ausgezeichnete Fernwanderweg passiert auf der Strecke von Brilon im Sauerland zum hessischen Dillenburg die beiden höchsten Berge Nordrhein-Westfalens. Der größte Teil des Rothaarsteigs liegt im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge und führt durch Waldlandschaften und entlang kleiner Bäche.

Was macht die besondere Attraktivität der Fernwanderwege aus?

Ursprünglich waren die Wege, auf denen heute mit Leidenschaft gewandert wird, Heerstraßen, Handelswege und Pilgerwege. Die einstigen Reisenden, die mit dem Pferd, der Kutsche oder aber auch zu Fuß unterwegs waren, hatten für ihre ausgedehnten Touren meist wirtschaftliche oder religiöse Gründe. Erst viel später kamen die Betrachtung von Natur und Landschaft, aktive Freizeitgestaltung und sportliche als Anreiz für Wanderungen hinzu. Mag in unserem heutigen Alltag meist Zeitmangel herrschen, so ist dennoch das ungefilterte Naturerlebnis einer Wanderung für eine stetig zunehmende Zahl an Menschen von großem Reiz. Wandern ist ein Hobby, das sich allein und in Gesellschaft jederzeit ohne großen Aufwand betreiben lässt. Den Bedürfnissen der Wanderer haben sich die Wanderstrategen in Europa, den einzelnen Bundesländern und in den Tourismusregionen bestens angepasst. Zu den Erfolgskriterien eines Fernwanderweges zählen eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, ein hoher Anteil an Naturwegen, zahlreiche Wanderschleifen und das wanderfreundliche Angebot an Unterkünften und Einkehrmöglichkeiten entlang der Weitwanderwege.