Nichts für Anfänger!

In den Wintermoaten ist es oft zu kalt, um draußen am Naturfels klettern zu können. Dann bleiben für Kletterer nur zwei Alternativen: das Training in der Kletterhalle absolvieren oder aber das Eisklettern. Immer mehr Kletterbegeisterte stellen sich der Herausforderung des Eiskletterns und wagen sich mit Steigeisen und Eisgeräten gerüstet an das bloße Eis.

Ausrüstung

Zur essentiellen Ausrüstung gehören beim Eisklettern Steigeisen, die sich für den Einsatz im Eis eignen, zwei Eisgeräte (spezielle Eispickel), ein Satz Eisschrauben, Helm, Seil und natürlich ein gut sitzender Klettergurt.

Eisgeräte sind kurze Eispickel, die speziell für das Klettern an gefrorenen Wasserfällen oder anderen Eisformationen konzipiert sind. Im Gegensatz zu den klassischen Eispickeln sind Eisgeräte wesentlich kürzer, die Haue ist schärfer und steiler geneigt und sie verfügen über spezielle Handschlaufen, die verhindern, dass die Hand des Kletterers herausrutschen kann. Das Eisgerät wird beim Eisklettern so in das Eis geschlagen, dass sich der Kletterer daran hängen kann. Der steile Winkel der Haue verhindert, dass das Eisgerät aus dem Eis herausrutscht. Teilweise sind die Rückseiten der Eisgeräte außerdem mit einer Schaufel zum Stufenschlagen oder Ausschlagen von losen Eisstücken ausgestattet.


Die Extremsportart setzt Klettererfahrung und Eiskenntnis voraus

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Eisschrauben werden als Zwischensicherung und zum Standplatzbau eingesetzt und haben die in der Vergangenheit verwendeten Eisnägel abgelöst. Die Schrauben werden in das Eis gedreht und setzen sich mit ihrem Gewinde fest. Eisschrauben gibt es mit unterschiedlichen Kurbeln und in verschiedenen Längen – die Ausführung kann je nach persönlichem Geschmack gewählt werden. Die Eisschrauben sollten jedoch eine Länge von mindestens 16 cm haben. Grundsätzlich gilt: Je länger die Eisschraube, desto verlässlicher ist sie.

Beim Eisklettern kommen Steigeisen mit zwölf Zacken zum Einsatz. Je nach Einsatzgebiet werden Steigeisen mit einzelnen (Monozacken) oder doppelten Frontzacken verwendet. Die restliche Bekleidung sollte ausreichend Bewegungsfreiheit bieten und wasserdicht sein. Zum Anbringen der Steigeisen werden zusätzlich steigeisenfähige Schuhe mit einer steifen Sohle benötigt.

Eisqualität beurteilen

Eine der großen Herausforderungen beim Eisklettern liegt darin, dass Eisfälle jedes Jahr anders aussehen und die Route somit jedes Jahr aufs neue eingeschätzt werden muss. Bei der Beurteilung einer Route sind die aktuellen Eisverhältnisse ausschlaggebend. So kann eine Route, die im Jahr zuvor noch leicht zu durchsteigen war, in der nächsten Wintersaison an Gefährlichkeit gewinnen.

Generell gilt: Je weniger Felskontakt ein Eisfall hat und je dünner das Eis ist, desto instabiler ist der er und um so höher ist die Gefahr, dass er beim Klettern einstürzt. Vor allem das sogenannte Blumenkohleis birgt Gefahren. Das Eis, welches aus herabtropfendem Wasser entsteht, weist besonders viele Lufteinschlüsse und somit eine schlechte Eisqualität auf.

Gutes und stabiles Eis findet sich verstärkt in Rinnen und Steilstufen. Es ist an seiner blauen bis hellblauen Färbung zu erkennen und hat eine große Dichte. Weißes Eis hingegen besteht meist aus nassem Softeis, das mehrfach angetaut ist und viele Lufteinschlüsse hat.

Die richtige Route finden

Bei der Planung einer Eistour ist es auch wichtig, die Temperatur im Auge zu behalten. Bei steigenden Temperaturen kommt es verstärkt zum Abbruch von Eiszapfen und Tauwetter kann sogar zum kompletten Einbruch des Eisfalls führen. Doch auch bei niedrigen Temperaturen bleibt Eisklettern riskant. Bei extremer Kälte wird das Eis zwar dichter, doch gleichzeitig auch spröder – das Eis splittert durch Eisgeräte und Eisschrauben und es können sich große Schollen lösen. Die ideale Temperatur zum Eisklettern liegt um den Gefrierpunkt, wenn das Eis tagsüber leicht antaut und nachts wieder gefriert. Dadurch bleibt das Eis elastisch und splittert weniger und das Klettern und Absichern wird einfacher. Bei Sonnenschein sollte nur geklettert werden, wenn die Temperaturen wirklich niedrig sind. Dann muss aber auch mit einem höheren Risiko durch abbrechende Eiszapfen gerechnet werden. Erfahrene Kletterer hören bereits beim ersten Einschlag des Eisgeräts, wie das Eis beschaffen ist. Eis mit vielen Hohlräumen hört sich dumpf und hohl an, solides Kompakteis ist vibrationsfrei und macht beim Einschlagen ein eher „schmatzendes“ Geräusch.

Wie bei allen Extremsportarten sollte man auf seine Intuition vertrauen. Wenn man sich bei den Eisverhältnissen nicht ganz sicher ist, sollte man auf die Eistour verzichten, statt sich unnötig in Gefahr zu begeben.

Ihr wollt außerdem wissen, was es mit Dry-Tooling auf sich hat und was Mixed-Klettern ist? Den kompletten Artikel könnt ihr in der KOMPASS eMAG Ausgabe Nr. 3 lesen. Hier gibt es den kostenlosen Download!

Veröffentlicht am 16. Dezember 2015