Forscher prognostizieren, dass dieses Jahr das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung werden könnte. Fest steht, hinter uns liegt ein extrem heißer Sommer, der auch an den großen Eismassen in den Alpen nicht spurlos vorübergegangen ist – alle Gletscher haben viel Masse verloren. Beim Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen ist es sogar schon so weit, dass kaum noch Eis vorhanden ist. Die Experten überlegen bereits, ob man dem Watzmann seinen Gletscher absprechen sollte. Schon 1950 wurde der Gletscher für nicht mehr existent erklärt, zehn Jahre später hatte er sich aber wieder erholt und wurde erneut in das Register aufgenommen.

Auch dem Höllentalfernen an der Zugspitze hat der Rekordsommer sehr zugesetzt. Bislang müssen alle Bergsteiger, die vom Höllental aus auf den höchsten Berg Deutschland möchten, den Gletscher überqueren. Dies könnte sich bald ändern, wenn sich die Gletscherschmelze in diesem Maße fortsetzt. Gleiches gilt auch für den Nördlichen Schneeferner, der momentan noch der größte deutsche Gletscher ist. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder versucht, das Abschmelzen zu verhindern, indem bestimmte Bereiche des Gletschers während der Sommermonaten mit Planen abgedeckt und so vor Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Doch nicht nur die fünf deutschen Gletscher sind betroffen – auch die Eismassen Österreichs sind extrem gefährdet. Nachdem die zwei letzten Sommer kühl waren, war die Abschmelzrate in diesem Jahr hingegen wieder besorgniserregend. Der Verlust der Eismasse wird höchstwahrscheinlich an den des Rekordjahres 2003 herankommen. Die finale Bilanz wird jedoch erst Anfang nächsten Jahres gezogen werden können.

In der Schweiz zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Der weltberühmte Aletschgletscher, der jedes Jahr von tausenden Besuchern bewundert wird, ist von der Eisschmelze betroffen. Und vor allem jene Gletscher unterhalb von 3.000 Metern ü. NN. sind nach diesem Sommer ausgeapert, das heißt schneefrei und ohne Altschneeschicht und somit der Sonneneinstrahlung noch mehr ausgesetzt.

Die ersten Schneefälle im Alpenraum in den letzten Tagen haben dem Abschmelzen der Eisriesen vorerst ein Ende gesetzt – doch der nächste Sommer kommt und ein Ende des Gletscherschwundes ist nicht in Sicht.

Veröffentlicht am 08. Oktober 2015