Beim Eisklettern handelt es sich um eine besondere Variante des Klettersports, die in den letzten Jahren regelrecht zum Trend geworden ist. Wie der Name bereits verrät, wird das Eisklettern vorzugsweise im Winter durchgeführt, allerdings können Gletscher auch ganzjährig genutzt werden. Auch in den Alpen gibt es zahlreiche Möglichkeiten während der kalten Jahreszeit an Gletschern, Eisfällen oder künstlich angelegten Eiswänden zu klettern.

Wichtig ist allerdings, dass der Unterschied zwischen normalem Klettern und Eisklettern enorm ist und eine spezielle Ausrüstung erfordert. Dieser Sport ist daher vor allem für Menschen zu empfehlen, die bereits Erfahrung mit dem normalen Klettern haben und daher mit den alpinen Lagen und den Klettertechniken gut zurechtkommen. Die richtige Kleidung, aber auch die passende Ausrüstung ist allein schon aus Sicherheitsgründen unverzichtbar beim Eisklettern.

Wer gerne klettert und bereits etwas Erfahrung mitbringt, für den ist Eisklettern die ideale Möglichkeit, sein Können zu erweitern und sich an neue Herausforderungen zu wagen. Einen gefrorenen Wasserfall mit entsprechender Ausrüstung hinaufzuklettern – das ist selbst für erfahrene Kletterer ein ganz neues Erlebnis. Das Eisklettern bietet somit nicht nur die Möglichkeit, sein Können zu erweitern, sondern auch eine ganz andere Seite des Klettersports kennenzulernen und vor allem zu erfahren, welchen Einfluss die Natur im Winter darauf hat.

Wer sich für Eisklettern interessiert, dem sei auf jeden Fall an Herz gelegt, diese Sportart zumindest einmal auszuprobieren. Wichtig ist hier jedoch, dass man nie alleine loszieht, sondern zu Beginn stets einen erfahrenen Bergführer als Begleitung dabei hat. Zum Eisklettern sollte man vor allem am Vormittag aufbrechen, da das Eis durch die Sonneneinstrahlung am Nachmittag schmelzen könnte – das kann schnell sehr gefährlich werden.

Eisreviere in den Alpen

In den Alpen gibt es zahlreiche Eisreviere, die sich hervorragend zum Klettern eignen – wenn es denn kalt genug ist und es Eis gibt. Chamonix ist nicht nur ein beliebtes Skigebiet, sondern auch bei Eiskletterern sehr populär. Vom Tal bis nach ganz oben zum Col de Montets gibt es verschiedene Eisfälle, an denen es sich sehr gut üben lässt, wenn man das erste Mal einen Eisfall hinaufklettert. Besonders beeindruckend – jedoch eher für Könner – sind jene Eisreviere, die sich an der Nordseite des Argentière-Gletschers in der östlichen Mont-Blanc-Gruppe befinden.

Auch das Val San Giacomo ist zu empfehlen: Es befindet sich zwischen Chiavenna und dem Splügenpass und bietet mit mehr als vierzig Eisfällen, die teilweise mehre hundert Meter lang sind, eine Menge Herausforderungen für Eiskletterer jeglicher Könnerstufen.

Wer seinen Urlaub im schönen Averstal verbringt, das südwestlich der Schweizer Stadt Chur liegt, hat eines der beliebtesten Eisreviere der Schweiz entdeckt. Hier gibt es zahlreiche lange Eisfälle, die zum Teil in beeindruckender Höhe liegen und sich somit vor allem für fortgeschrittene Kletterer eignen. Zu den bekanntesten Eisfällen der Region zählt sicherlich der „Thron“. Der imposante Eisfall ist regelmäßig begehbar und wird trotz seiner extremen Steilheit als sicher eingestuft. Thron hat eine gesamte Kletterlänge von 280 Metern, von denen die letzten 80 Meter eine fast senkrechte Headwall sind.

Pontresina in der Schweiz ist ein weiterer guter Tipp für leidenschaftliche Eiskletterer und für solche, die es werden wollen. Gelegen in der landschaftlich sehr reizvollen Region Engadin befinden sich am nördlichen Rand der Bernina-Gruppe zahlreiche unterschiedliche Eisfälle. Ein sehr populärer Eisfall ist der 240 Meter hohe Pontresina-Fall. Mit rund sechs Seillängen kann der Eisfall in knapp drei Stunden durchstiegen werden.

Darüber hinaus gibt es in Pontresina eine Schlucht, die künstlich vereist wird und damit im Winter ebenfalls hervorragende Bedingungen bietet, um sein Können als Eiskletterer unter Beweis zu stellen. Der Fels wird im Laufe des Winters immer wieder von einheimischen Bergführer mit Wasser bearbeitet, um eine optimale Eisdichte und somit beste Voraussetzungen fürs Eisklettern zu schaffen.

Ein besonderer Tipp: Wenn ihr schon erfahren seid und nach einer neuen Herausforderung suchen, solltet ihr das Corn Diavolezza besuchen. Selbst für erfahrene Eiskletterer ist dieser Eisfall ein spannendes Vorhaben. Die hundert Meter hohe Eiswand mit Neigungen zwischen 70 und 100 Grad warten auf erfahrene Kletterer. In einer Höhe von 2.800 Metern werden die wagemutigen Wintersportler dann mit einem fantastischen Panorama belohnt. Insgesamt hat sich Pontresina dank der Vielzahl an Angeboten für Eiskletterer zu einem echten Eiskletterzentrum entwickelt.

Das Wichtigste ist jedoch: Zieht niemals ohne eine vollständige und funktionstüchtige Ausrüstung los – denn sie kann im Ernstfall euer Leben retten. Außerdem solltet ihr über gute Kenntnisse des alpinen Kletterns, Schwindelfreiheit und hervorragende körperliche Fitness verfügen. Dann steht einem Kletterabenteuer am Eisfall in den Alpen nichts mehr im Wege.