Vor wenigen Tagen hatte das UNESCO-Welterbekomitee seine 40. Tagung, auf der insgesamt 21 neue Stätten in die Liste des Welterbes aufgenommen wurden. Die UNESCO-Welterbeliste umfasst mittlerweile über tausend Kultur- und Naturstätten in insgesamt 165 Ländern. In Deutschland gibt es übrigens 41 Welterbestätten.

Neben dem antiken Philippi in Griechenland, der indischen Ruinenstadt von Nalanda, den mittelalterlichen Grabsteinen auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens und anderen historisch bedeutenden Kulturstätten haben es dieses Jahr auch einige Naturlandschaften in die Liste geschafft. Wir stellen euch die neuesten UNESCO-Weltnaturerbestätten vor.

Schutzgebiet Mistaken Point – Kanada

Mistaken Point ist ein Schutzgebiet im äußersten Südosten von Neufundland und besteht aus einem schmalen, nur wenige Kilometer langen Streifen. Die zerklüftete Steilküste von Mistaken Piont war schon bei den Seefahrern berüchtigt, die die Küste bei Nebel oftmals mit dem Kap Race verwechselten und dann geradewegs auf die Felsen zusegelten. Heute gehört das Naturreservat zu den bedeutendsten Fundorten von präkambrischen Fossilien, den ältesten bekannten Makrofossilien der Welt. Die Fossilien belegen das erste Vorkommen von großen und biologisch komplexen Organismen. Aus diesem Grund wurde Mistaken Point in diesem Jahr für die Liste des Welterbes der UNESCO nominiert und auch aufgenommen.

Kangchendzönga-Nationalpark – Indien

Der Kangchendzönga-Nationalpark erstreckt sich im Himalaya-Gebirge in Nordindien. Die Region zu Füßen des Kangchendzönga, dem mit 8.586 m dritthöchsten Berg der Welt, umfasst vielfältige Landschaftsformen wie Gletscher und Urwälder. Außerdem beheimatet der Kangchendzönga-Nationalpark fünf verschiedene Bergziegenarten und hat für die indigen Völker der Region eine große mythologische Bedeutung. Die UNESCO begründete die Aufnahme des Nationalparks mit der kulturellen Bedeutung und der landschaftlichen Schönheit des Welterbes.

Der dritthöchste Berg der Erde, der 8.586 m hohe Kangchendzönga in Indien

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Revillagigedo-Inselgruppe – Mexiko

Die im Ostpazifik gelegenen Revillagigedo-Inseln besteht auf vier unbewohnten Vulkaninsen, die sich über eine Länge 420 Kilometern erstrecken. Die Inseln San Benedicto, Socorro, Roca Partida und Clarión – die etwa vierhundert Kilometer von der mexikanischen Westküste entfernt sind – zeichnen sich durch ihre einzigartige Tier- und Pflanzenwelt aus, die sich in den unberührten Landschaften ungestört entfalten konnte. Doch die Artenvielfalt wird immer mehr durch eingeführte Arten, wie etwa Schafe und Hausschweine, bedroht und einige Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Die Revillagigedo-Inselgruppe steht bereits seit 1994 als Biosphärenreservat unter besonderen Schutz, nun gehört sie mit den umliegenden Gewässerzonen auch zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Waldgebiet Shennongjia – China

Das Waldgebiet Shennongjia liegt im östlichen Zentralchina und gehört mit dem Naturreservat Shennongding/Badong im Westen und den Wälder von Laojunshan im Osten seit neuestem zum UNESCO-Weltnaturerbe. In den beiden Gebieten, die zu den größten Urwäldern Zentralchinas zählen, sind zahlreiche seltene und gefährdete Tierarten heimisch. Dazu gehören unter anderem die Kragenbären, der Chinesische Riesensalamander, Raubkatzen wie der Leopard und auch der extrem seltene Nebelparder.

Wüste von Lut – Iran

Mit 166.000 km² ist Lut, die im Südosten des Irans liegt, die größte Wüste des Landes. Mit bis zu 70° C in den Sommermonaten ist die Wüste von Lut einer der heißesten Orte der Welt. Im Gegensatz zur Sahara wurden in Lut bisher keine Funde gemacht, die auf frühere menschliche Besiedlung hinweisen. Auch heute ist die Wüste komplett unbewohnt – mit der extremen Hitze und lediglich 50 mm Niederschlag im Jahr sind die Bedingungen zu extrem.

Die 166.000 km² große Lut-Wüste im Iran

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Marschland Al-Ahwar – Irak

Al-Ahwar ist zugleich Kultur- und Naturerbe – neben den archäologischen Städten Ur und Uruk, einer Ausgrabungsstätte und Siedlungsüberresten wurde auch das Sumpfland der Region in die Welterbeliste aufgenommen. Das Sumpfdelta von Euphrat und Tigris wurde einst von Diktator Saddam Hussein trockengelegt. Doch mittlerweile wurde die Landschaft wieder geflutet und das Ökosystem erholt sich langsam. Das Marschland Al-Ahwar ist eines der größten Binnendeltas der Welt, das sich in einer sonst extrem heißen und trockenen Landschaft befindet.

Westliches Tian-Shan-Gebirge – Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan

Das westliche Tian-Shan-Gebirge erstreckt sich über die drei Länder Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan und gehört zu den größten Gebirgsketten der Welt. Die vielfältige Landschaft ist geprägt von Wiesen, Feuchtgebieten, Steppen, Gletschern und hohen Gipfeln. Die Region beheimatet seltene und gefährdete Tierarten, wie den Schneeleoparden. Die Ernennung zum UNESCO-Welterbe soll die drei Staaten im gemeinsamen Naturschutz unterstützen.

Meeres-Nationalpark Sanganeb-Atoll und Meeres-Nationalpark Dungonab-Bucht – Sudan

Die Korallenriffe des Meeres-Nationalpark Sanganeb-Atoll und des Meeres-Nationalpark Dungonab-Bucht liegen im Roten Meer, rund 25 beziehungsweise 125 Kilometer vor der Küste des Sudan. Die Nationalparks sind Heimat zahlreicher Tiere, darunter Meeresvögel, Meeressäuger, Haie sowie Schildkröten. In der Bucht von Dungonab lebt außerdem eine der weltweit größten Populationen von Dugongs, einer seltenen Seekuh-Art. Die UNESCO hat die vielfältige Tierwelt als schützenswert und daher zum Weltnaturerbe erklärt.

Die Korallenriffe im Meeres-Nationalpark Sanganeb-Atoll

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Natur- und Kulturlandschaft des Ennedi-Massivs – Tschad

Das Ennedi-Massiv ist ein 40.000 km² großer, imposanter Sandsteinkomplex inmitten der Sahara, in dem prähistorische Felsbilder aus der frühen Eisenzeit gefunden wurden und das aufgrund der Beschaffenheit seiner Sedimente eine wichtige Rolle in der geowissenschaftlichen Forschung spielt. Das Ennedi-Plateau bietet außerdem eine vielfältige Fauna, darunter auch die Krokodile, die durch die Abgeschiedenheit der Population in den Seen zwergwüchsig geworden sind.

Veröffentlicht am 26. Juli 2016