Die Höhenkrankheit ist eine extrem gefährliche Begleiterscheinung bei Wanderungen in großer Höhe und wird von Bergsteigern zu Recht gefürchtet. Bereits ab einer Höhe von 2.500 Metern können bei unzureichender vorheriger Akklimatisation Symptome wie Kopfschmerzen, Atemnot und Erbrechen auftreten. Aufgrund des Sauerstoffmangels auf den hohen Bergen ziehen sich die Blutgefäße zusammen und verursachen körperliche Beschwerden. In extremeren Höhen, wo es noch weniger Sauerstoff gibt, kann es sogar zu lebensgefährlichen Ödemen in den Lugen und im Gehirn kommen. Treten diese lebensbedrohlichen Symptome bei Bergsteigern auf, müssen sie umgehend in niedrigere Höhen absteigen und mit Sauerstoff beatmet, gegebenenfalls sogar in einer Druckkammer behandelt werden.

Bisher konnte man der Höhenkrankheit nur durch einen langsamen Aufstieg in die Höhe – die sogenannte Akklimatisierung – entgegenwirken. Dafür müsse Gipfelstürmer in den Tagen vor der eigentlichen Hochtour bereits einige Touren in höheren Lagen unternehmen. Möchte man beispielsweise auf einen Gipfel um die 4.500 Meter steigen, sollte in der Woche zuvor Tagestouren auf einer Höhe zwischen 2.000 und 3.000 Metern durchgeführt werden. So kann sich der Körper langsam an die Höhe und den Sauerstoffmangel gewöhnen und damit beginnen, vermehrt rote Blutkörperchen – die das Risiko einer Höhenkrankheit minimieren – zu produzieren.

Auf ihrer Suche nach einem effizienten Mittel gegen die Höhenkrankheit haben Forscher der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) und der Mid-Sweden University nun entdeckt, dass Rote-Bete-Saft eine positive Wirkung auf den Blutkreislauf hat. Das in den roten Rüben enthaltene Nitrat nutzt der Körper, um Stickstoffmonoxid zu bilden. Diese Substanz wiederum weitet die Blutgefäße, das Blut kann den Sauerstoff wieder im ganzen Körper verteilen und der Blutdruck sinkt.

Im Rahmen der Studie in Nepal wurden Probanden in 3.700 Metern Höhe nitratreicher Rote-Bete-Saft beziehungsweise Saft ohne Nitrat gegeben. Bei allen Teilnehmern zogen sich erwartungsgemäß in der Höhe die Blutgefäße zusammen. Bei den Probanden, die Rote-Bete-Saft getrunken hatten, entspannten sich die Gefäße dank des Nitrats jedoch innerhalb von nur 24 Stunden. Der Rote-Bete-Saft ohne Nitrat könnte diese Wirkung nicht erzielen. Laut den Forschern kann es also tatsächlich von Nutzen sein, während Bergtouren in großer Höhe eine Flasche Rote-Bete-Saft – der übrigens 500 Mal mehr Nitrat hat als Mineralwasser – dabei zu haben.

Veröffentlicht am 14. Oktober 2015