Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort – immer mehr Menschen zieht es in ihrer Freizeit für Wanderungen und Klettertouren in die Berge. Dementsprechend steigt auch die Zahl der Notrufe und Unfälle. Dies zeigt die neue Bergunfallstatistik, die der Deutsche Alpenverein (DAV) veröffentlicht hat.

Die gute Nachricht zuerst: In den vergangenen Jahrzehnten ist das Risiko, beim Bergsport tödlich zu verunglücken, kontinuierlich gesunken und befindet sich aktuell auf einem historischen Tiefstand. Nun die schlechte Nachricht, die eigentlich gar keine ist: Zwar steigt die Anzahl der alpinen Notfälle seit den 1990er Jahren – doch das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind.

Der DAV sieht eine Ursache der steigenden Bergwachteinsätze in der Übermotivation vieler Bergsportler. Immer mehr Wanderer und Bergsteiger versuchen sich an schwierigen „Prestigebergen“ wie dem Watzmann oder der Zugspitze. Dabei überschätzen sie ihre eigenen Fähigkeiten und die persönlich Kondition und geraten in Notsituationen. Egal, ob Klettern, Wandern oder Bergsteigen – statistisch gesehen sind es meist die unerfahreneren Bergsportler, die sich die falschen und für sie ungeeigneten Routen aussuchen.

Häufig müssen die verunglückten Bergsportler mit dem Hubschrauber aus der Luft gerettet werden

alpenverein.de/Markus Leitner

Während die Zahl der tödlichen Bergunfälle stetig sinkt, steigt das Risiko für Bergnotfälle leicht. Besonders häufig erfordern sogenannte Blockierungen – Situationen aus denen sich der Bergsportler nicht mehr selbst befreien kann – Einsätze der Bergwacht. In solchen Situationen liegen nicht immer Verletzungen vor, der Bergsteiger benötigt dennoch Hilfe, um sicher von Berg zu kommen. Die Zahl der Notfälle in denen Verletzungen die Ursache sind, bleiben im Vergleich zu den Blockierungen und tödlichen Unfällen hingegen stabil.

Wie bereits zuvor von uns berichtet, hat auch die neue Unfallstatistik erneut belegt, dass Indoorklettern ein extrem sicherer Sport ist und ein Kletterer statistisch gesehen mehr als dreihundert Jahre klettern muss bis er einen Unfall erleidet.

Und auch in den Bergen haben elektronische Geräte wie das Smartphone Einzug gehalten, was durchaus nützlich sein kann. In den Jahren 2002 und 2003 gingen nur etwa rund 56 Prozent aller Notrufe per Mobiltelefon bei den Rettungsdiensten ein – heute sind es mehr als 80 Prozent. Damit einhergegangen ist aber auch eine Verminderung der Alamierungsschwelle. Das heißt, Bergsportler setzten heutzutage viel eher einen Notruf ab als noch vor knapp fünfzehn Jahren. Der Rettungsdienst sowie der Alpenverein werten diese Entwicklung jedoch nicht negativ. Vielmehr glauben sie, dass dadurch oftmals viel schwerere Unfälle verhindert werden. Auch die Ortung ist dank des zunehmenden Einsatzes von Mobiltelefonen für die Helfer wesentlich leichter geworden.

Um Notfälle in den Bergen am besten ganz zu vermeiden, bedarf es einer gesunden und ehrlichen Selbsteinschätzung, einer an die eigenen Fähigkeiten angepasste Tourenauswahl sowie einer gute Ausrüstung und einer der aktuellen Wetterlage angepassten Tourenplanung.

 

Weitere Infos zu Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins

 

Veröffentlicht am 20. September 2016