Historisch gesehen war der Mensch wesentlich länger barfuß unterwegs als in Schuhen. Das gilt besonders für viele moderne Schuhe, die nicht einfach nur Schutz für die Sohle und vor der Witterung bieten, sondern auch Funktionen des Fußes selbst übernehmen. Aus biologischer Perspektive benötigen wir keine Schuhe zum Laufen. Und entgegen so manchen Vorurteilen ist es ohne Schwierigkeiten möglich und sogar gesund, barfuß über Stock und Stein zu wandern oder sogar Laufen zu gehen. Einiges solltet ihr dabei allerdings beachten!

Warum Barfuß laufen?

Der menschliche Fuß ist anatomisch zum Laufen gemacht. Leonardo da Vinci bezeichnete ihn gar als ein Kunstwerk. Er ist ein äußerst ausgeklügeltes und robustes System aus zahlreichen Muskeln, Knochen und Bändern. In Zusammenarbeit mit der Achillessehne und der Wadenmuskulatur wirkt es als natürlicher Stoßdämpfer.

Nun kann es aber sein, dass durch das Tragen von ungünstigem Schuhwerk dieses robuste, ausgeklügelte System nicht mehr genutzt wird. Und leider gilt ein evolutionärer Grundsatz auch ganz besonders für den Körper: „Use it or lose it“ – der Körper tut stets nur so viel, wie er tun muss. Auf dieser Grundlage funktioniert jeder Sport. Der Körper gewöhnt sich an eine Belastung und passt sich an. Das ist jedoch keine Einbahnstraße, sondern funktioniert auch andersherum. Jeder Sportler nach einer Pause kann das bestätigen.

Die Fußmuskulatur will also genutzt werden. Ansonsten kann sie verkümmern, was mitunter sehr weitreichende Folgen haben kann. Das sind nicht nur Senk-, Spreiz-, Knick- und Plattfüße, sondern es können sogar Rücken- und Knieprobleme von einer ungesunden Bewegung oder Haltung herrühren. Denn der ganze Bewegungsapparat funktioniert als eine Einheit – mit den Füßen als Grundlage.

Deswegen kann das Barfußlaufen:

  • eure Muskeln, Bänder und Gelenke stärken
  • deren natürliches Zusammenspiel erhalten/fördern
  • eine positive Wirkung auf den gesamten Bewegungsapparat ausüben
  • die Durchblutung besonders gut fördern
  • das Immunsystem stärken

Barfußlaufen: Ein natürliches, tolles Laufgefühl

Außerdem kann Barfußlaufen auch ein neues, positives Körpergefühl bieten. Mit deinen Fußsohlen spürt ihr den Untergrund und könnt ihn ganz bewusst wahrnehmen. Eine nasse Wiese oder ein schlammiger Pfad kann – trotz aller etwaigen Skepsis – zu einem äußerst angenehmen Erlebnis führen.

Und apropos angenehm: Falls ihr tatsächlich mit dem Barfußlaufen beginnen möchtet, hört auf euren Körper! Gerade zu Beginn kann die Fußsohle noch recht empfindlich sein, dann solltet ihr vorsichtig gehen. Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Muskulatur: Achtet darauf, nicht zu rasch zu viel Barfuß zu laufen! Gewöhnung braucht seine Zeit.

Darauf solltet ihr beim Barfußlaufen achten

Beherzigt beim Barfußwandern außerdem Folgendes:

  • möglichst gerade und flach mit dem Vorfuß/Mittelfuß auftreten – wobei eure Füße das meist auch von selbst tun werden
  • selbstverständlich vorausschauend laufen: auf den Boden schauen
  • für den Anfang weiche, barfußfreundliche Wege nutzen (z. B. auch Barfußparks)
  • auf Wiesen mit hohem Gras auf Bienen oder Wespen am Boden achten
  • Schuhe und auch eine Pinzette, Pflaster/Verband und Desinfektionsspray für den Notfall mitnehmen

Lasst euch von dieser Vorsichtsmaßnahme aber nicht abschrecken. Ihr werdet – vielleicht sogar mit einigem Erstaunen – feststellen können, wie robust und unempfindlich so eine Fußsohle werden kann!

Außerdem könnt ihr immer daran denken, dass anatomisch sogar das Barfußjoggen, das sogenannte Natural Running, möglich ist. Dabei ist die Belastung bis zu drei mal größer und es erfordert viel Vorsicht und ein noch langsameres Herantasten. Aber es zeigt euch gut, was eure Füße eigentlich aushalten können.

 

Minimalschuhe (Barfußschuhe)

Und falls ihr eure Fußmuskulatur zwar stärken wollt, euch aber beim Wandern das Risiko zu groß ist oder ihr einfach unbekümmert wandern möchtet, könnt ihr euch Minimalschuhe (auch Barfußschuhe genannt) zulegen. Diese bieten nämlich genau das: Schutz für die Sohle und vor Witterung, ohne jedoch euer natürliches Laufverhalten zu beeinträchtigen.