Ein Alpencross mit dem Mountainbike ist ein ambitioniertes Vorhaben und bedarf einiges an Vorbereitung und Training. Ihr braucht dafür eine gute körperliche Fitness, ausreichend Kraft und Ausdauer. Für euer Mountainbike gehören auf jeden Fall Werkzeug, Flickzeug, Schläuche, Luftpumpe und eventuell Speichen ins Gepäck. Falls ihr noch viel Platz im Rucksack habt, könnt ihr zusätzlich einen Mantel für euer Rad einpacken. Damit seid ihr bestens gerüstet, solltet ihr unterwegs doch mal einen Platten haben.

Um die Anstiege während der Alpenüberquerung besser bewältigen und alle Muskelgruppen einsetzen zu können, ist es sinnvoll, mit dem SPD-Klicksystem zu fahren. Das reflexartige Ein- und Ausklicken sollte geübt sein. Mit den MTB-Schuhen könnt ihr unterwegs auch bequem laufen.

Denkt an unterschiedliche Wetterlagen – Fön und Unwetter können aufkommen. Auf einem mehrtägigen Alpencross kann es durchaus passieren, dass ihr in eine Schlechtwetterfront geratet. Dann ist es hilfreich wenn ihr neben Regenkleidung auch Stecklichter für euer MTB dabei habt, um für ausreichend Licht zu sorgen. Das Wetter auf der Nordseite dürfte anders sein als auf der Südseite der Alpen. So braucht ihr lange und kurze Radkleidung, Armlinge oder Beinlinge, Windweste und Regenjacke. Bei den Aufstiegen könnt ihr euch je nach Wetterlage in der Zwiebeltechnik anziehen. Unterschätzt auch nicht den Wind in den Abfahrten. Helm und Handschuhe gehören selbstverständlich zur Ausrüstung dazu. Unbedingt mitzunehmen sind zusätzlich Sonnencreme, Lippenschutz und Sitzcreme. Eine Rad-Sonnenbrille mit UV-Schutz dürfte zu empfehlen sein. Diese gibt es auch in der Brillenstärke, wenn ihr keine Kontaktlinsenträger seid.

Die Radkleidung sollte nach einer Etappe mit Flüssigwaschmittel aus der Reisetube gewaschen werden. Sie trocknet schnell. Zieht ihr schmutzige, mit Schweiß und Salzen behaftete Radkleidung auch am nächsten Tag an, reizt dies unnötig die Haut, insbesondere im Sitzbereich.

Achtet beim Alpencross immer auf ausreichend Flüssigkeit. Euer MTB sollte über mindestens eine Trinkflaschenhalterung verfügen. Ihr könnt euch eine isotonische Mischung aus Wasser, einer Prise Salz und Säften (Apfelsaft, Orangensaft oder Traubensaft) ansetzen. Nehmt für unterwegs ausreichend Energieriegel mit. Auf dem Markt gibt es von den unterschiedlichen Anbietern, online oder auch in Drogeriemärkten viele verschiedene Artikel zu kaufen: Energie als Riegel, Gel zum Lutschen oder auch Gel zum Aussaugen. Allergiker schwören auf Maltodextrin 12, das in einer der Belastung entsprechenden Mischung mit einer Prise Salz in Trinkflaschen angerührt wird. Diese Energie-Produkte stellen eine langfristige Versorgung her und beugen dem Hungerast vor.

Plant je nach eurer Fitness, der Wetterlage und den Örtlichkeiten, ausreichend Pausen ein. Im Supermarkt oder beim Bäcker unterwegs lassen sich Bananen, Brötchen und kleine Teilchen kaufen und ihr könnt die Flüssigkeitsvorräte auffüllen. Seid offen für Alternativen und Pannen, öffnet euch für Dinge, die auf dem Weg passieren. Nehmt auf jeden Fall Radkarten oder/und ein gutes Navigationsgerät mit. Karten lassen sich in Lenkertaschen mit Klarsichthülle so falten und oben einlegen, dass der gerade zu befahrene Abschnitt zu sehen ist. Manchmal gibt es Probleme mit der Akkuleistung der Navigationsgeräte. Eventuell habt ihr eine Möglichkeit, das Gerät an einem Nabendynamo an zu schließen oder ihr nehmt eine Powerbank zum Aufladen mit. Schaut darauf, dass das Gerät möglichst wasserdicht ist.

Auch eine Mini-Reiseapotheke mit Pflaster, Verbandszeug und Beta-Isodona im Gepäck ist zu empfehlen. Achtet trotz alledem, dass euer Rucksack möglichst leicht und funktional gepackt ist. Jedes Kilo muss den Berg hochtransportiert werden. Denkt dabei an eure Bauch- und Rumpfmuskulatur, die ihr beim Fahren und Tragen einsetzt. Nach der Etappe: Ausreichend Regeneration, gutes Essen, Schlaf. Geregelte Abläufe auch mit Waschen, Packen und Utensilien für den nächsten Tag einplanen.

Mit dieser Packliste solltet ihr alle wichtigen Dinge für euren Alpencross mit dem Mountainbike dabei haben. Nun geht es daran, die ideale Route auszuwählen. Hier einige Tourenvorschläge:

 

Transalp über die Ostalpen

Etappe 1: Kugler-Alm – Lenggries – Schwaz – Innsbruck – Matrei (ca. 145 km)

Startpunkt der Alpenüberquerung ist die „Kugler-Alm„, ein Gasthof mit Biergarten in Oberhaching im Süden von München. In diesem Ambiente könnt ihr euch auf den bevorstehenden Alpencross einstimmen. Nach fast 44 Kilometern und etwas mehr als 400 Höhenmetern ist Lenggries erreicht. Wir streifen den Sylvensteinspeicher und den Achensee und die Steigungen sind gut zu bewältigen. Anschließend geht nun stetig leicht bergan.

In Buchau / Maurach (Österreich) ist der höchste Punkt in dieser Etappe erreicht. Es folgt eine Abfahrt nach Jenbach. Innerhalb vier Kilometern etwa werden sämtliche erarbeitete Anstiege in der Abfahrt „als Geschenk überreicht“.

In Schwaz (bei etwa 98 km und 892 hm) angekommen, könnt ihr im Tal eine kurze Mittagspause einlegen. Im Tal gibt es mehrere Möglichkeiten, den Weg nach Innsbruck fortzusetzen. Wir nehmen die direkte Möglichkeit über Kolsass in Richtung Innsbruck.

Wer flach und schnell nach Matrei möchte, fährt bis Innsbruck-Sonnenburgerhof und folgt dem Tal.
Zwischen Wattens und Volderwald (etwa bei Kilometer 115) ist eine kurze, knackige Rampe zu bewältigen, auf die eine Abfahrt folgt. Kurz darauf schraubt ihr euch über fünfundzwanzig Kilometer nach Matrei hoch. Hier ist nach insgesamt 145 km, 1.600 Höhenmetern und einer maximalen Steigung von 14 Prozent die Bergankunft der ersten Etappe.

Wenn ihr es sportlicher mögt, könnt ihr auch die Alternative von Ampass über Aldrans, Lans, Patsch und Pfons nach Matrei (141 km / 1.809 hm) mit steileren Anstiegen und einigen kleinen Rampen auf dem Weg nach Matrei fahren.

Die dritte mögliche Route nach Matrei ist über Ampass, Aldrans, Vill, Igls, Patsch und Pfons nach Matrei (145 km, 1.950 hm). Hier wird es nach der Abfahrt Aldrans mit einigen Passagen zwischen km 125 und 132 bis nach Vill fordernd. Aber das schafft ihr! Ein Mountainbike heißt so, um Berge zu bezwingen. Also packt das 26er Kettenblatt aus und los geht es, denn flach kann jeder. Am Ende des Tages könnt ihr sehr stolz auf Euch sein.

Als ideale Regeneration nach einer anstrengenden Etappe dienen eine warme Dusche, Dehnübungen sowie leichtes Wandern durch den Ort.

Etappe 2: Matrei – Brenner – Brixen – Bozen (ca. 100 km / 750-1.000 hm)

Gut ausgeruht und mit einem ordentlichen Frühstück richtig gestärkt, nehmt ihr mit dem MTB die zweite Etappe eurer Alpenüberquerung in Angriff.

Variante 1: Matrei – Steinach am Brenner – Nößlach – Vinaders – Brenner (20 km / 659 hm). Zwischen Steinach und Plon wird über drei Kilometer abgerufen, ob ihr genug Körner im Frühstück hattet. Die maximale Steigung liegt auf dieser Etappe bei 17,7 %.

Variante 2: Die Alternativeroute führt von Matrei über Gries am Brenner bis zum Brenner (16 km / 418 hm). Diese Variante hat mit 16 Prozent eine nicht ganz so starke Steigung.

Ankunft am Brenner-Pass in 1.374 Metern Höhe. Oben am Brenner habt ihr euch (und das Mountainbike) an der österreichisch-italienischen Grenze auf jeden Fall eine Pause verdient. Jetzt heißt es aufatmen, ein kleiner Freudenschrei und jede Menge Endorphine – ihr seid nun schließlich am höchsten Punkt der Alpenüberquerung angelangt. Im Ort Brenner könnt ihr einkehren. Von jetzt an könnt ihr laufen lassen, denn es geht theoretisch nur noch bergab. Nach weiteren 85 km und 320 hm über Brixen wird Bozen erreicht.

Etappe 3: Bozen – Gardasee (ca. 136 km / 917 hm)

Die Abschlussetappe Richtung Gardasee führt euch mit dem Mountainbike fast ausschließlich im Gefälle über Masettto, Pietramurata, Campagnola und Brenzone an den Gardasee. Bis zu Albisano habt ihr euch genug erholt, denn zum Schluss kommt noch mal ein giftiger kleiner Anstieg mit maximal zweiundzwanzig Prozent. Das Ziel ist in Garda am Gardasee nach etwa 136 Kilometern und 917 Höhenmetern erreicht. Den Blick nach Norden gerichtet, könnt ihr euch über die erlebte Alpenüberquerung auf dem MTB freuen! Gönnt eurem Mountainbike jetzt am besten ein bisschen Pflege und reinigt es gründlich.

 

Transalp über die Schweiz

Etappe 1: Bad Bellingen – Basel – Zürich (109 km / 1.200 hm)

Gleich zu Beginn startet es im Schwarzwald quasi aus der kalten Hose mit einem Anstieg nach Blansingen. Nach einer schönen Abfahrt über Friedlingen geht es bergauf nach Basel. Basel wird bereits nach 25 Kilometer und knapp unter 300 Höhenmetern erreicht. Ihr durchquert mit dem MTB die schöne Stadt über Rheinfelden (42 km / 450 hm). Auf dem Weg nach Zürich habt ihr bei Kilometer 70 den Bözbergpass erreicht. Dieser Anstieg zieht sich ab Mumpf über 20 Kilometer hin, wie es sich für einen Pass gehört, meistens mit moderaten Steigungen. Kurz vor dem Gipfel bei Ettingen muss die Bergübersetzung her, hier wird es nun anstrengender. Nach der Abfahrt in Richtung Umiken geht es ab Vogelsang wieder bergauf Richtung Würenlos. Eine kurze Abfahrt nach Geroldswill folgt. In Richtung Zürich folgt schließlich noch ein Schlussanstieg. Nach Oberengstringen habt ihr eine Abfahrt und rollt nach 109 Kilometern und etwa 1.200 Höhenmetern in Zürich ein. Euer Tagwerk ist geschafft! In der beschaulichen Altstadt könnt ihr am Zürichsee den Tag ausklingen lassen.

Noch ein Tipp zum Bremsen bei längeren Abfahrten: Bremst nicht die ganze Zeit, denn dann würden die Bremsen heiß laufen, die Bremsbeläge und Felgen verschleißen und schließlich lassen die Bremsleistung nach. Besser ist es, ein Stückchen laufen zu lassen, dann als Stotterbremse kurz und knackig zu bremsen und wieder laufen zu lassen. Dies erfordert sicherlich einige Überwindung. Die Schwerkraft mag dazu verleiten, in der Abfahrt dem Druck nach vorne mit dem Oberkörper zu folgen. Lasst dieses möglichst bleiben. Stemmt aus den Armen, Rumpf- und Bauchmuskulatur dagegen, drückt euer Gesäß soweit es geht Richtung Sattel, um euer Mountainbike zu stabilisieren. Auch in der Abfahrt haltet ihr euch mit zentriertem Becken und stabiler Bauch- und Rumpfmuskulatur auch mit Rucksack sicher im Sattel, die mentale Konzentration frei für die Abfahrt.

Etappe 2: Zürich – Etzelpass – Einsiedeln – Altdorf (83 km / 1.280 hm)

Diese Etappe ist sehr kurz, dafür hat sie es in sich. Ab Zürich folgt ihr dem Zürichsee. Auf dem Weg zum „Etzelspass“ sind einige harte Passagen zu überwinden. In Einsiedeln könnt ihr sicherlich eine kleine Pause gebrauchen. Hier könnt ihr auch die barocke Klosterkirche besichtigen. Über Rothenthurm und Schwyz geht es weiter über Sisikon, Flüelen nach Altdorf. Hier ist das zweite Etappenziel der Alpenüberquerung erreicht. Ab Kilometer 54 geht es nur noch bergab, das habt ihr euch verdient. Die maximale Steigung vor dem Etzelpass beträgt 18 %.

Etappe 3: Altdorf – Andermatt – St. Gotthard-Pass – Airolo (60,5 km / 1.790 hm)

Eine ziemlich harte Nummer wird auch diese Etappe. Theoretisch führt sie durch ein Tal, bedeutet praktisch aber knackige Anstiege. Zwischen Kilometer 32 und 34 ist die Fahrt vor der Schöllenenschlucht eine Herausforderung, die sich bei Kilometer 45 in Richtung St. Gotthard-Pass wiederholt. Ab dem Pass werdet ihr aber mit einer zwölf KIlometer langen Abfahrt nach Airolo entschädigt. Oben am Pass habt ihr euch auf 2.100 Meter über dem Meeresspiegel hochgekurbelt, was rund 1.500 m höher liegt als Altdorf. Es dürfte hier rund 15 Grad kälter sein. Ihr werdet auf dieser viel befahrenen Strecke mit sensationellen Ausblicken belohnt.

Etappe 4: Airolo – Faido – Biasca – Moleno – Gnosca – Cugnasco – Cordola – Locarno
(60 km, 1.800 hm)

Reinster Freudentaumel – ihr habt die Alpenüberquerung geschafft! Nun gibt es nur noch Abstiege und ihr könnt das Mountainbike quasi rollen lassen, ganz sechzig Kilometer lang. Am Lago Maggiore angekommen, könnt ihr endlich entspannen.

 

Transalp über die Westalpen

Etappe 1: Carpentras – Malaucène – Mt. Ventoux – Le Chalet Reynard – Brouville – Saint-Cristol – Revest-du-Bion – Col du Négron – Sisteron (135 km / 2.850 hm)

Die Alpenüberquerung mit dem Mountainbike startet in Carpentras-Serres mit der schwerere Anfahrt über Malaucène zum Mont Ventoux. Hier erwarten euch zweiundzwanzig ambitionierte Kilometer. Setzt euch mit dem Mistral und anderen Winden auseinander und dem Gefühl, auf dem Asphalt der Tour de France gefahren zu sein. Ab dem Ventoux gibt es eine zwanzig Kilometer lange Abfahrt, vor Brouville einen Gegenanstieg, gefolgt von einer Abfahrt nach Saint-Christol und einem Anstieg zum Col du Négron, der nach dem Ventoux nur noch lächerlich wirkt, sich dennoch in den Beinen bemerkbar machen wird. Ab Négron geht es über Montfroc – Noyers-sur-Jabron nach Sisteron über fünfunddreißig Kilometer nur noch bergab.

Etappe 2: Sisteron – Col de la Bonette (126 km – 3.350 hm)

Von Sisteron führt euch die zweite Etappe über Le Bédoin, Col de Sagnes, Le Lautaret, Le Moulin, Jausiers bis nach Col de la Bonette. Vor dem Col de Sagnes liegen rund sechs Kilometer Anstieg vor euch. Ab Jausiers könnt ihr auf dreiundzwanzig Kilometer eure Kraftausdauer zum Col de Bonette erproben. Dort angekommen, habt ihr es für heute geschafft – auf Tour-de-France-Terrain. Auch hier bewegt ihr euch etwa 2.700 m über dem Meeresspiegel. Zieht euch warm an, denn es wird kalt.

Etappe 3: Col de la Bonette – Cuneo (117 km – 1.720 hm)

Mit dem Mountainbike auf der letzten Etappe der Alpenüberquerung. Diese führt von Col de la Bonette über Col de Raspaillon, Isola, Col de la Lombarde,  Goletta,  Forani,  Perdioni und Beguda nach Cuneo. Da der zweite und der dritte Col ziemlich hoch liegen (2.500 und 2.300 m über dem Meeresspiegel) und Isola im Tal, sind ab Isola zum Col de la Lombarde noch einmal zwanzig Kilometer härtere Anstiege mit dem MTB zu bewältigen. Ab dem Col de la Lombarde könnt ihr auf italienischer Seite nur noch die Abfahrt genießen. Ihr habt den Alpencross geschafft!