Das Zillertal selbst liegt etwas im Schatten der Zillertaler Alpen. Zu Unrecht, denn in der kilometerbreiten, sattgrünen Ebene zwischen Tuxer und Kitzbüheler Bergen ist besonders für Familien vom Biken bis zum Hiken alles angesagt, was Outdoor-Fun verspricht. Kurzum: das Zillertal ist ein Spielrevier – auch für große Kinder. Pittoreske Dörfer abseits der überlasteten Hauptstraße und aussichtsreiche Panoramastrecken warten auf den Bergradler. Und Hangwege an den Flanken der meist eher sanft gerundeten Berge führen den Wanderer zu bunten Almwiesen mit Sicht auf die Zinnen der Zillertaler Alpen.

Die familienfreundliche Seite des Zillertals

Vor dem Bau der Speicherseen in den Gründen der Zillertaler Alpen wurden die Dörfer des tiefliegenden Zillertals (am Talausgang nur 520 m) regelmäßig zur Schneeschmelze im Frühsommer überschwemmt. Sie liegen deshalb alle am Rand der ebenen Rasenflächen um das blaugrüne Band des inzwischen gebändigten Ziller. Ausweichen konnten die Bauern nur nach oben und so ziehen sich heute regelrechte Straßendörfer aus sonnengedunkelten Bauernhöfen entlang der steilen Talflanken dahin. Mit ihren tiefgründigen Verwitterungsböden sind diese so fruchtbar, dass Bergmähder und Streuobstwiesen noch voll bewirtschaftet werden. Man kann beim Wandern oder besser gesagt Flanieren den Bergbauern bei der Arbeit zuschauen. Beispielsweise auf den Fahr- und Wanderwegen zwischen Stummerberg und Rohrberg, Ortsteilen einer eigenständigen Gemeinde, die 450 Meter hoch über dem Tal liegt. Hier könnte man leben – zumindest für einige Tage auf einem der vielen Bauernhöfe, die Zimmer anbieten. Für Familien ist das genial, denn während die Kinder sich auf dem Bauernhof beschäftigen oder sich mit dem Zillertaler Kinderprogramm auf Schatzsuche begeben, können die Eltern mit der Kreuzjochbahn zur Rosenalm auffahren.

Auf diese Weise kürzt man die doch arg lange Wanderstrecke von Zell am Ziller (575 m) zum Kreuzjoch (2.558 m) ab – zumal der obere Teil etwas beschwerlich ist. Dafür steht man auf einem wunderschönen Aussichtseck: Im Norden vermischen sich die nahen Kitzbüheler Alpen mit den bleichen Ketten der Kalkalpen. Zu Füßen liegt das wunderschöne Seenplateau der wilden Krimmel – leider ziemlich verschandelt durch die Liftmasten der Ende der 1990er Jahre durchgeboxten Skigebietsverbindung zwischen Zell und Gerlos. Im Süden verfängt sich der Blick hinter der dunklen Gerlossteinwand in einem prachtvollen Gewirr von spitzen Felszacken und scharfen Graten: den Zillertaler Alpen.

Oberhalb von Zell liegt Hainzenberg am Hang, das neben der Wallfahrtskirche Maria Rast und einer idyllischen Rundwanderung nach Ramsau als besondere Attraktion ein Schaubergwerk zu bieten hat. Hier wurde ab dem 15. Jahrhundert von den Knappen der „Gewerkschaft“ Schwaz Gold abgebaut. In den Tuxer Bergen gegenüber schürften sie vor allem Kupfer, aber auch Blei und in Fügen sogar Eisenerz, das in Finsing verhüttet wurde. Das Zillertal war damals Teil eines Bergbaureviers, dessen Herz die Hütte von Jenbach bildete, in der so ziemlich jedes Metall verarbeitet wurde.

Von der Rosenalm lässt sich auch auf dem Kapaunshöhenweg (Kapaunsjoch, 1.978 m) hoch über dem Zillertal dahinwandern, mit Blick auf die weich gezeichneten Almberge der Tuxer Seite und die als schroffer Kamm gegen den Himmel geschnittene Sagtalerspitze (2.241 m, auch Standkopf genannt). Die lässt sich sowohl von Stumm-Großmärz am Eingang des Märzengrunds als auch weiter talaus von Hart als Bike & Hike-Tour machen. Diese ist entsprechend dem Ortsnamen hart – 1.650 Höhenmeter, davon 600 Höhenmeter zu Fuß. Die meisten Biker begnügen sich auf der Kitzbühler Seite des Zillertals lieber mit familienfreundlichen Wellness-Touren entlang der Höhensträßchen oder mit Auffahrten zu bewirtschafteten Almen, in jedem Fall inklusive großer Jause. In Hart hat der Tourismsverband als weiteres Wellness-Angebot einen Vogellehrpfad eingerichtet, bei dem man an einem kleinen Wasserfall rasten kann, während die Sprösslinge sich mit dem Bau von Dämmen beschäftigen.

Biketrips und Wandertipps

Obwohl die Tuxer Seite des Zillertals sich etwas sanfter präsentiert, sind hier die Hardcore-Bikerouten konzentriert. Von Fügen (545 m) strampelt man an Kühen und Blumenwiesen vorbei hoch nach Fügenberg. Wer sich hier nicht mehr taufrisch fühlt, kann die kleine Runde via Panoramaweg zurück nehmen. Normalerweise nimmt man aber die Strecke zum Spieljoch ganz unter die Räder (Bergstation der Spieljochbahn 1.862 m), während sportlichere Biker weiterpowern, um nach anschließender Hike-Einlage auf dem Onkeljoch (2.066 m) zu stehen. Danach hat man sich eine Einkehr im Restaurant der Seilbahnstation wirklich verdient. Wer es einsamer haben will, der sollte am Abzweig zum Spieljoch geradeaus weiterfahren Richtung Gartalmhaus (1.849 m), zu dem es allerdings noch lange hinter ist.

Die Bergsicht vom Onkeljoch ist eine echte Schau: Wuchtig springt gegenüber dem Inntal das Vordere Sonnenwendjoch des Rofans neben dem wie ein hohler Zahn über Jenbach aufragenden Ebner Joch hervor. Und hinter den Kitzbüheler Alpen steht wie ein Märchenschloss aus Kalk das Felsmassiv des Wilden Kaisers. Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Beispielweise könnte man als Bergsteiger über den – wie der Name sagt – nicht ganz einfachen Alpinsteig zum Kellerjoch (2.344 m) aufsteigen, um einen noch besseren Überblick zu haben. Oder man spaziert kurz über den Knappensteig zum Schaubergwerk Ulpenalpe, um sich bei einer Stollenführung von der geradezu beängstigenden Weite des oberirdischen Panoramas zu „erholen“. Nach der rasanten Mountainbike-Abfahrt flatternder Kleidung lässt sich im Schwimmbad in Fügen oder in der Schaukäserei mit Käsemuseum regenerieren. Ein Bummel auf dem Naturlehrpfad Marienberg durch kühlen Wald rundet den Tag ab.

Weithin berühmt ist das Zillertal für die Zillertaler Höhenstraße, eine Panoramastraße bis in 2.020 Meter Höhe, die von Ried oder Aschau bis Hippach die Ostabfälle der Tuxer Berge quert. Wer sie mit dem Bike befährt, gewinnt immer neue Einblicks-Facetten in das Panorama der Zillertaler Bergwelt, das sich vorm Lenker entfaltet. Fitte Wanderer werden lieber den Rundwanderweg von Riedberg zur Wetterkreuzspitze nehmen – eine Tagestour, die an einsamen Almen vorbei Richtung Skidorf Hochfügen führt. Rosa Almrausch, gelbe Gamswurz und Kuhgeläute geleiten zu einem Aussichtsrücken über schroffer Talflanke, der eindeutig mehr Naturerlebnis bietet als die darunter durchführende Straße.